Eine wegweisende Kooperation zwischen der Ludwig Boltzmann Gesellschaft und der Universität Wien zeigt bereits nach einem Jahr beeindruckende Erfolge: Mehr als 2.000 Nachwuchswissenschaftlerinnen u...
Eine wegweisende Kooperation zwischen der Ludwig Boltzmann Gesellschaft und der Universität Wien zeigt bereits nach einem Jahr beeindruckende Erfolge: Mehr als 2.000 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus ganz Österreich haben 2025 von kostenlosen Karriereentwicklungsangeboten profitiert. Diese Initiative könnte die Landschaft der Forschungsförderung in Österreich nachhaltig verändern.
Die Kooperation zwischen dem Career Center der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) und der Universität Wien stellt eine innovative Antwort auf die Herausforderungen dar, denen sich junge Forschende in Österreich gegenübersehen. Pre-Docs und Postdocs – also Doktoratsstudierende vor ihrer Promotion beziehungsweise promovierte Wissenschaftler in der frühen Karrierephase – erhalten seit Jahresbeginn 2025 kostenlosen Zugang zu einem umfassenden Karriereentwicklungsprogramm.
Dieses Angebot umfasst individuelle Karriereberatung, professionelle Coachings, strukturierte Mentoring-Programme sowie eine Vielzahl von Webinaren, Workshops und Netzwerkveranstaltungen. Die Bandbreite der Unterstützung reicht von der persönlichen Entwicklung über Forschungskompetenzen bis hin zu Leadership-Training und Mental-Health-Aspekten.
Die Bilanz des ersten Kooperationsjahres übertrifft alle Erwartungen: Über 2.000 Pre- und Postdocs sowie Führungskräfte in der Forschung aus ganz Österreich nahmen an den vielfältigen Angeboten teil. Konkret wurden mehr als 40 verschiedene Veranstaltungen durchgeführt, sechs spezielle Programme entwickelt und knapp 200 persönliche Entwicklungsprozesse individuell begleitet.
Besonders bemerkenswert ist die geografische Reichweite der Initiative: Forschende von fast 30 verschiedenen österreichischen Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen konnten in die individuellen Betreuungsformate aufgenommen werden. Dies zeigt, dass die Kooperation weit über die Grenzen der beteiligten Institutionen hinaus wirkt und das gesamte österreichische Forschungssystem erfasst.
Ein zentraler Baustein des Erfolgs war die individuelle Betreuung und Beratung. Mehr als 160 Pre- und Postdocs sowie rund 30 Führungskräfte aus der Forschung erhielten im Rahmen von Individual Career Services beziehungsweise Leadership Packages persönliche Unterstützung. Diese maßgeschneiderten Angebote berücksichtigen die spezifischen Bedürfnisse und Karriereziele der einzelnen Teilnehmenden.
Das absolute Highlight der Initiative war der erste Vienna Postdoc Career Day im November 2025, der mit mehr als 400 Teilnehmenden einen beeindruckenden Erfolg verzeichnete. Diese organisationsübergreifende Veranstaltung brachte sechs österreichische Hochschulen und Forschungsorganisationen zusammen und schuf eine Plattform für den Austausch zwischen inspirierenden Vorbildern, Branchenexpertinnen und -experten sowie Postdocs aus verschiedenen Institutionen.
Der Career Day demonstrierte eindrucksvoll das Potenzial institutionenübergreifender Zusammenarbeit und setzte neue Maßstäbe für die Vernetzung junger Forschender in Österreich. Solche Veranstaltungen sind besonders wichtig, da sie den oft isoliert arbeitenden Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, sich zu vernetzen und voneinander zu lernen.
Die wissenschaftliche Laufbahn in Österreich ist geprägt von besonderen Herausforderungen. Nach dem Doktoratsstudium befinden sich junge Forschende oft in einer unsicheren Übergangsphase: Sie müssen sich zwischen einer weiteren akademischen Laufbahn und einem Wechsel in die Wirtschaft entscheiden. Dabei fehlt es häufig an strukturierter Unterstützung und Orientierung.
Die Postdoc-Phase, also die Zeit nach der Promotion, ist besonders kritisch. In dieser Phase müssen sich Forschende nicht nur fachlich weiterentwickeln, sondern auch wichtige Karriereentscheidungen treffen. Gleichzeitig sind sie oft mit befristeten Verträgen, hohem Publikationsdruck und unsicheren Zukunftsperspektiven konfrontiert.
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinkte Österreich lange bei der systematischen Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern hinterher. Während beispielsweise Deutschland bereits seit Jahren strukturierte Programme für Postdocs anbietet und die Schweiz mit ihren SNF-Programmen internationale Standards setzt, fehlte in Österreich eine koordinierte Herangehensweise.
Die Kooperation zwischen LBG und Universität Wien schließt nun eine wichtige Lücke und positioniert Österreich als innovativen Standort für Forschungskarrieren. Diese Initiative könnte als Modell für andere europäische Länder dienen und zeigt, wie durch institutionelle Zusammenarbeit nachhaltige Verbesserungen erreicht werden können.
Österreichs Forschungslandschaft ist geprägt von einer Vielzahl kleinerer und mittlerer Institutionen, die oft isoliert agieren. Die LBG-Uni Wien-Kooperation durchbricht diese Fragmentierung und schafft ein übergreifendes Unterstützungsnetzwerk. Dies ist besonders wichtig, da viele kleinere Forschungseinrichtungen nicht über die Ressourcen verfügen, um umfassende Karriereentwicklungsprogramme anzubieten.
Für die teilnehmenden Nachwuchsforschenden bedeutet dies konkret: Sie erhalten Zugang zu Expertise und Netzwerken, die ihnen sonst verschlossen blieben. Gleichzeitig profitiert das gesamte Forschungssystem von besser ausgebildeten und vernetzten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.
Gut ausgebildete und unterstützte Nachwuchsforschende sind entscheidend für die Qualität und Innovationskraft des österreichischen Wissenschaftssystems. Durch die systematische Förderung von Karrierekompetenzen können sie nicht nur ihre eigenen Forschungsprojekte erfolgreicher durchführen, sondern auch als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für beste Praxis fungieren.
Die Initiative trägt auch zur Internationalisierung der österreichischen Forschung bei, da gut vernetzte und professionell entwickelte Forschende eher in der Lage sind, internationale Kooperationen aufzubauen und zu pflegen.
Das Programm setzt bewusst auf einen ganzheitlichen Ansatz, der über reine Fachkompetenzen hinausgeht. Die Schwerpunktbereiche Karriereorientierung, persönliche Entwicklung, Forschungs- und Digitalkompetenzen, Leadership sowie Mental Health und Ethics & Diversity spiegeln die vielfältigen Anforderungen moderner Forschungskarrieren wider.
Besonders innovativ ist die Integration von Mental-Health-Aspekten, da psychische Belastungen in der Wissenschaft oft tabuisiert werden, aber ein weitverbreitetes Problem darstellen. Der hohe Konkurrenzdruck, unsichere Karriereaussichten und die oft isolierte Arbeitsweise können zu erheblichen psychischen Belastungen führen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Betonung von Ethics & Diversity. Das Programm trägt dazu bei, eine inklusivere Forschungskultur zu schaffen und unterrepräsentierte Gruppen gezielt zu fördern. Dies ist besonders wichtig, da Frauen und andere unterrepräsentierte Gruppen in vielen Forschungsbereichen nach wie vor benachteiligt sind.
Die beiden Geschäftsführerinnen der LBG, Elvira Welzig und Marisa Radatz, betonen die systemische Bedeutung der Initiative: "Mit unserer Hochschul-Kooperation setzen wir ein starkes Signal für junge Forschende und nachhaltige Karriereförderung im Wissenschaftssystem. Die Resonanz aus 2025 zeigt eindrucksvoll, wie groß das Interesse ist – und wie wichtig gezielte und organisationsübergreifende Unterstützung für Nachwuchswissenschafter:innen heute ist."
Susanne Leeb, Leiterin des LBG Career Centers, hebt die systemische Dimension hervor: "Nachwuchswissenschafter:innen hinsichtlich ihrer möglichen Karrieren professionell zu begleiten, ist und bleibt ein systemisch wichtiger Baustein zur Förderung der Durchlässigkeit von Forschungskarrieren, der weit über die eigenen Organisations- und Sektorengrenzen hinausgeht."
Manuela Baccarini, Vizerektorin der Universität Wien, unterstreicht die Bedeutung der institutionenübergreifenden Zusammenarbeit: "Die Kooperation mit dem LBG Career Center zeigt eindrucksvoll, wie viel institutionenübergreifende Zusammenarbeit für die Karriereentwicklung von Postdocs in Österreich bewegen kann. Gemeinsam setzen wir Impulse, die strukturelle Verbesserungen für Postdocs in Österreich ermöglichen."
Aufbauend auf den Erfolgen des ersten Jahres wird die Initiative 2026 weiter ausgebaut. Ein besonderer Fokus liegt auf der zum zweiten Mal stattfindenden Postdoc Appreciation Week Austria (PAW) vom 21. bis 25. September 2026. An dieser internationalen Initiative, die in mehreren Ländern weltweit durchgeführt wird, beteiligen sich bereits jetzt 15 österreichische Forschungsorganisationen aus fünf Bundesländern.
Die PAW zielt darauf ab, die Sichtbarkeit von Postdocs zu erhöhen und ihre Karriereentwicklung durch gezielte Workshops und verstärkte Vernetzungsmöglichkeiten zu unterstützen. Diese internationale Einbettung zeigt, dass Österreich zunehmend als innovativer Partner in der globalen Forschungsförderung wahrgenommen wird.
Die Initiative könnte als Blaupause für ähnliche Kooperationen in anderen Bereichen dienen. Experten sehen darin einen möglichen Wendepunkt für das österreichische Wissenschaftssystem, hin zu mehr Zusammenarbeit und koordinierter Nachwuchsförderung.
Mittelfristig ist zu erwarten, dass sich weitere Institutionen der Initiative anschließen und das Netzwerk kontinuierlich erweitert wird. Dies könnte zu einer grundlegenden Transformation der Forschungsförderung in Österreich führen und das Land als attraktiven Standort für internationale Nachwuchstalente positionieren.
Die Kooperation zwischen der Ludwig Boltzmann Gesellschaft und der Universität Wien zeigt beispielhaft, wie durch institutionelle Zusammenarbeit nachhaltige Verbesserungen im Wissenschaftssystem erreicht werden können. Mit über 2.000 erreichten Nachwuchsforschenden im ersten Jahr hat die Initiative bereits jetzt eine beachtliche Wirkung entfaltet.
Die Kombination aus individueller Betreuung, strukturierten Programmen und institutionenübergreifender Vernetzung schafft ein Unterstützungssystem, das den komplexen Anforderungen moderner Forschungskarrieren gerecht wird. Besonders bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass alle Angebote kostenfrei zur Verfügung gestellt werden – ein wichtiger Beitrag zur Chancengerechtigkeit im Wissenschaftssystem.
Für die Zukunft der österreichischen Forschungslandschaft könnte diese Initiative wegweisend sein. Sie zeigt, dass durch koordinierte Anstrengungen und institutionelle Kooperation die Rahmenbedingungen für Nachwuchsforschende erheblich verbessert werden können. Dies kommt nicht nur den einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zugute, sondern stärkt letztendlich die Innovationskraft und internationale Wettbewerbsfähigkeit des gesamten österreichischen Forschungssystems.