In der glitzernden Welt der österreichischen Tourismusbranche scheint nicht alles Gold zu sein, was glänzt. Am 8. Juli 2025 sorgte eine Pressemitteilung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) für Aufsehen, die sich mit den brisanten Arbeitsbedingungen im Tourismus auseinandersetzt. Die Vorsi
In der glitzernden Welt der österreichischen Tourismusbranche scheint nicht alles Gold zu sein, was glänzt. Am 8. Juli 2025 sorgte eine Pressemitteilung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) für Aufsehen, die sich mit den brisanten Arbeitsbedingungen im Tourismus auseinandersetzt. Die Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, Eva Eberhart, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Politik und fordert tiefgreifende Veränderungen.
Eva Eberhart begrüßt die Weiterentwicklung des sogenannten Plans T, der darauf abzielt, den österreichischen Tourismus zu stärken. Doch sie warnt davor, den Fokus auf die Beschäftigten zu verlieren. „Nur durch den großen Einsatz und Fleiß der Beschäftigten ist der Tourismus nach der Pandemie wieder als ein österreichischer Wirtschaftsmotor erstarkt“, betont Eberhart. Doch wie genau sieht dieser Plan aus und was bedeutet er für die Betroffenen?
Der Plan T wurde ins Leben gerufen, um die Tourismusbranche nach den verheerenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie wiederzubeleben. Österreich, bekannt für seine malerischen Landschaften und kulturellen Highlights, ist stark auf den Tourismus angewiesen. Laut Statistik Austria trug der Tourismus im Jahr 2023 rund 15% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Doch die Pandemie hinterließ tiefe Spuren: Geschlossene Hotels, leere Skigebiete und ein dramatischer Rückgang der Besucherzahlen.
Die Regierung reagierte mit einer Reihe von Maßnahmen, um den Sektor wiederzubeleben. Dazu gehörten finanzielle Hilfen, Marketingkampagnen und eben der Plan T, der unter anderem auf die Verbesserung der Infrastruktur und die Förderung nachhaltiger Tourismuspraktiken abzielt.
Doch trotz dieser positiven Ansätze sieht Eberhart dringenden Handlungsbedarf bei den Arbeitsbedingungen. „Ohne eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen bleibt der Arbeitsmarkt im Tourismus ein Fass ohne Boden“, warnt sie. Doch was bedeutet das konkret für die Beschäftigten?
In der Tourismusbranche sind prekäre Arbeitsverhältnisse keine Seltenheit. Viele Beschäftigte arbeiten in Saisonjobs, die oft schlecht bezahlt und mit wenig Sicherheit verbunden sind. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Politik seit Jahren auf billige Arbeitskräfte aus dem Ausland setzt, um den Arbeitskräftemangel zu kompensieren. Saisonniers aus dem Westbalkan oder Arbeitskräfte aus Drittstaaten, die über die Rot-Weiß-Rot-Karte nach Österreich kommen, sind oft bereit, für niedrige Löhne zu arbeiten. Doch diese Strategie führt zu einem Lohndruck und verschlechtert die Bedingungen für alle Beschäftigten.
„Die Not von Menschen aus Billiglohnländern auszunutzen und sie für die Saisonarbeit anzuwerben, macht die Tourismusbranche alles andere als attraktiver“, so Eberhart. Diese Praxis schreckt auch heimische Arbeitsuchende ab, die keine attraktiven Angebote vorfinden.
Ein Blick auf andere Bundesländer zeigt, dass der Arbeitskräftemangel im Tourismus ein österreichweites Problem ist. In Tirol, einem der touristischen Hotspots des Landes, sind ähnliche Tendenzen zu beobachten. Auch dort wird immer wieder auf ausländische Arbeitskräfte zurückgegriffen, um die hohe Nachfrage in der Hauptsaison zu decken. Doch die Gewerkschaften warnen, dass ohne langfristige Lösungen der Personalverschleiß weiter zunehmen wird.
Die Gewerkschaft vida fordert daher langfristige Perspektiven für die Beschäftigten. „Die Arbeitskräfte sind bereits hier, man muss sie nur in Österreich und in der EU mit den richtigen Angeboten abholen“, betont Eberhart. Doch wie könnte eine solche Lösung aussehen?
Die Gewerkschaft fordert die Bundesregierung auf, aktiv zu werden. „Darüber lässt sich auch mit einem Plan T und einer gutgemeinten Umfrage nicht hinwegsehen“, warnt Eberhart. Doch welche Rolle spielt die Politik tatsächlich in diesem komplexen Geflecht?
Die österreichische Politik steht vor der Herausforderung, die Interessen der Wirtschaft mit den Bedürfnissen der Arbeitnehmer in Einklang zu bringen. Einerseits gibt es den Druck, die Tourismusbranche als wichtigen Wirtschaftszweig zu stärken. Andererseits müssen die Arbeitsbedingungen verbessert werden, um den Sektor langfristig attraktiv zu halten.
Ein Experte aus dem Bereich Arbeitsmarktpolitik erklärt: „Die Politik muss den Spagat schaffen zwischen kurzfristigen Lösungen, um den akuten Arbeitskräftemangel zu beheben, und langfristigen Strategien, um die Branche zukunftsfähig zu gestalten.“
Wie könnte die Zukunft des österreichischen Tourismus aussehen, wenn die Forderungen der Gewerkschaft umgesetzt werden? Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen könnte nicht nur die Attraktivität der Branche steigern, sondern auch dazu beitragen, dass mehr heimische Arbeitskräfte im Sektor bleiben. Dies würde langfristig zu einem stabileren Arbeitsmarkt führen und den Personalverschleiß reduzieren.
Darüber hinaus könnte eine verstärkte Investition in die Qualifizierung der Beschäftigten die Innovationskraft des Sektors stärken. Neue Technologien und nachhaltige Praktiken könnten Einzug halten und Österreichs Tourismus international wettbewerbsfähiger machen.
Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die Diskussionen um den Plan T und die Arbeitsbedingungen im Tourismus werden sicherlich weitergehen. Eines ist jedoch klar: Ohne die engagierten Beschäftigten wäre die österreichische Tourismusbranche nicht das, was sie heute ist – ein unverzichtbarer Motor der heimischen Wirtschaft.