Innenministerium und WEISSER RING laden zur Fachveranstaltung über Medienberichterstattung bei Verbrechensopfern
Am 17. Februar 2026 findet im Innenministerium ein Symposium zum Schutz von Kriminalitätsopfern in der Medienberichterstattung statt.
Das Bundesministerium für Inneres veranstaltet gemeinsam mit der Verbrechensopferhilfe WEISSER RING am 17. Februar 2026 ein Symposium anlässlich des europäischen Tags der Kriminalitätsopfer. Unter dem Titel "Zwischen Schlagzeile und Schutz – Kriminalitätsopfer in den Medien" werden Expertinnen und Experten die Herausforderungen der Medienberichterstattung über Verbrechensopfer beleuchten.
Die Veranstaltung im Festsaal des Bundesministeriums für Inneres in der Wiener Herrengasse wird um 9 Uhr mit Begrüßungsworten von Innenminister Gerhard Karner eröffnet. Im Anschluss werden Justizministerin Anna Sporrer und Sozialministerin Korinna Schumann ihre Statements abgeben. Vizekanzler Andreas Babler, der auch als Bundesminister für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport fungiert, wird sich mit einer Videobotschaft an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wenden.
Die prominente Besetzung der Eröffnung unterstreicht die politische Bedeutung, die dem Schutz von Kriminalitätsopfern in Österreich beigemessen wird. Mit der Beteiligung von vier Bundesministerien – Inneres, Justiz, Soziales sowie Medien – wird die Thematik ressortübergreifend adressiert.
Ab 10:15 Uhr werden renommierte Expertinnen und Experten in Impulsvorträgen verschiedene Aspekte der Medienberichterstattung über Kriminalitätsopfer beleuchten. Die Vortragenden werden dabei sowohl rechtliche Fragestellungen als auch praktische Erfahrungen aus der Polizeiarbeit und der Opferhilfe thematisieren.
Die mediale Berichterstattung über Verbrechen und ihre Opfer bewegt sich stets in einem Spannungsfeld zwischen öffentlichem Informationsinteresse und dem Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen. Für Opfer von Straftaten kann eine unsensible oder reißerische Berichterstattung zu einer zusätzlichen Belastung werden – ein Phänomen, das in der Fachwelt als sekundäre Viktimisierung bezeichnet wird.
Die rechtlichen Aspekte der Medienberichterstattung über Kriminalitätsopfer sind vielschichtig. Das Medienrecht, der Persönlichkeitsschutz und die Pressefreiheit müssen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Journalistinnen und Journalisten stehen vor der Herausforderung, wahrheitsgemäß und umfassend zu berichten, ohne dabei die Würde und Privatsphäre der Opfer zu verletzen.
In Österreich regeln verschiedene Gesetze den Umgang mit personenbezogenen Daten und Bildern in der Berichterstattung. Das Mediengesetz enthält Bestimmungen zum Schutz vor Bekanntgabe der Identität von Opfern, insbesondere bei Sexualdelikten. Dennoch zeigt die Praxis, dass es immer wieder zu Grenzverletzungen kommt, die für die Betroffenen schwerwiegende Folgen haben können.
Auch für die Polizei stellt die Kommunikation mit Medien im Zusammenhang mit Straftaten eine sensible Aufgabe dar. Einerseits besteht ein legitimes öffentliches Interesse an Informationen über Kriminalitätsfälle, andererseits müssen Ermittlungen geschützt und die Rechte aller Beteiligten gewahrt werden. Die Polizei fungiert häufig als erste Informationsquelle für Medien und trägt damit eine besondere Verantwortung für den Schutz der Opfer.
Organisationen wie der WEISSE RING, die Verbrechensopfer unterstützen, erleben täglich, welche Auswirkungen Medienberichte auf die Betroffenen haben können. Eine sensible und respektvolle Berichterstattung kann das Vertrauen der Opfer in das Rechtssystem stärken, während eine unsachgemäße Darstellung zu Retraumatisierung und sozialem Rückzug führen kann.
Um 11:10 Uhr schließt das Symposium mit einer Podiumsdiskussion, bei der die verschiedenen Perspektiven zusammengeführt und diskutiert werden. Diese Diskussionsrunde bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Standpunkte auszutauschen und gemeinsam nach Lösungsansätzen für einen besseren Schutz von Kriminalitätsopfern in der Medienberichterstattung zu suchen.
Der europäische Tag der Kriminalitätsopfer wird jährlich am 22. Februar begangen und soll das Bewusstsein für die Situation von Menschen schärfen, die Opfer von Straftaten geworden sind. Der Tag geht auf eine Initiative der europäischen Opferhilfeorganisationen zurück und wird in vielen Ländern mit Veranstaltungen und Aktionen begangen.
In Österreich nimmt der WEISSE RING als älteste und größte Opferhilfeorganisation eine zentrale Rolle ein. Die Organisation unterstützt Verbrechensopfer kostenlos mit rechtlicher, psychologischer und materieller Hilfe. Die Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Inneres bei der Ausrichtung des Symposiums unterstreicht die enge Kooperation zwischen staatlichen Stellen und zivilgesellschaftlichen Organisationen im Bereich der Opferhilfe.
Die Frage, wie Medien über Verbrechen und ihre Opfer berichten sollten, ist von grundlegender gesellschaftlicher Bedeutung. Medien prägen das öffentliche Bild von Kriminalität und beeinflussen damit auch, wie die Gesellschaft mit Opfern umgeht. Eine verantwortungsvolle Berichterstattung kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und Verständnis für die Situation der Betroffenen zu schaffen.
Gleichzeitig steht die Medienbranche unter wirtschaftlichem Druck, der die Versuchung verstärken kann, auf sensationalistische Darstellungen zu setzen. Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit im digitalen Zeitalter hat diese Tendenz noch verstärkt. Das Symposium bietet eine wichtige Gelegenheit, diese Entwicklungen kritisch zu reflektieren und Standards für eine opfersensible Berichterstattung zu diskutieren.
Die Veranstaltung findet im Festsaal des Bundesministeriums für Inneres in der Herrengasse 7 in Wien statt. Medienvertreterinnen und -vertreter, die persönlich teilnehmen möchten, müssen sich vorab akkreditieren. Das Akkreditierungsformular ist online verfügbar, und nach Überprüfung der Daten wird die Bestätigung per E-Mail zugesandt.
Für alle Interessierten, die nicht persönlich teilnehmen können, wird die Veranstaltung auch via Livestream übertragen. Der Stream ist über die Facebook-Seiten des Bundesministeriums für Inneres sowie des WEISSEN RINGS abrufbar. Diese digitale Teilnahmemöglichkeit ermöglicht es einem breiten Publikum, die Fachvorträge und die Podiumsdiskussion mitzuverfolgen.
Das Symposium "Zwischen Schlagzeile und Schutz – Kriminalitätsopfer in den Medien" verspricht, einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über den verantwortungsvollen Umgang mit Verbrechensopfern in der Medienberichterstattung zu leisten. Die Kombination aus politischen Statements, Fachvorträgen und Podiumsdiskussion bietet einen umfassenden Überblick über ein Thema, das sowohl für die Medienbranche als auch für die gesamte Gesellschaft von Bedeutung ist.