Von der Dachanlage bis zum Balkonkraftwerk – aktuelle Kosten, Fördersituation und praktische Tipps für den Einstieg in die private Stromerzeugung
Photovoltaik wird für Privathaushalte immer attraktiver. Ein Überblick über Voraussetzungen, Kosten und die aktuellen Fördermöglichkeiten in Österreich.
Die Energiewende beginnt auf dem eigenen Dach – oder zumindest am Balkon. Immer mehr österreichische Haushalte setzen auf Solarstrom, um ihre Energiekosten zu senken und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die gute Nachricht: Die Preise für Photovoltaikanlagen sind in den vergangenen Jahren deutlich gefallen, während die Technologie kontinuierlich effizienter geworden ist. Doch welche Möglichkeiten gibt es konkret, und worauf sollten Interessierte achten?
Grundsätzlich stehen Privathaushalten zwei Optionen zur Verfügung, um Sonnenstrom zu erzeugen: die klassische Photovoltaikanlage auf dem Hausdach sowie das sogenannte Balkonkraftwerk. Beide Varianten haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile, die je nach Wohnsituation und Budget unterschiedlich ins Gewicht fallen.
Die Dachanlage ist der Klassiker unter den Solarlösungen und bietet den mit Abstand höchsten Ertrag. Wer ein Eigenheim besitzt und über ausreichend Dachfläche verfügt, kann hier den größten wirtschaftlichen Nutzen erzielen. Das Balkonkraftwerk hingegen richtet sich vor allem an Mieter und Wohnungseigentümer ohne eigenes Dach. Diese kompakten Systeme ermöglichen auch ohne großen baulichen Aufwand den Einstieg in die private Stromerzeugung.
Für die Installation einer Solaranlage auf dem Hausdach sollten einige grundlegende Bedingungen erfüllt sein. Als optimal gilt eine freie, unverschattete Dachfläche von etwa 30 bis 50 Quadratmetern. Die Ausrichtung des Daches spielt dabei eine entscheidende Rolle für den Energieertrag: Süddächer liefern erwartungsgemäß die besten Ergebnisse, doch auch Ost- und Westausrichtungen sind durchaus wirtschaftlich sinnvoll. Tatsächlich kann eine Ost-West-Kombination sogar Vorteile bieten, da sie den Stromertrag gleichmäßiger über den Tag verteilt.
Die Dachneigung beeinflusst ebenfalls die Effizienz der Anlage. In Österreich gelten Neigungswinkel zwischen 25 und 35 Grad als ideal. Flachdächer können mit Aufständerungen ausgestattet werden, um den optimalen Winkel zu erreichen. Wichtig ist zudem der Zustand der Dachkonstruktion: Sie muss das zusätzliche Gewicht der Module tragen können, weshalb bei älteren Gebäuden eine statische Prüfung empfehlenswert ist.
In den meisten österreichischen Bundesländern sind Photovoltaikanlagen auf Dächern genehmigungsfrei, solange sie gewisse Größen nicht überschreiten und das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes nicht wesentlich verändern. Dennoch ist eine Anmeldung beim zuständigen Netzbetreiber verpflichtend. Dieser prüft die technischen Voraussetzungen für den Netzanschluss und genehmigt die Einspeisung von überschüssigem Strom ins öffentliche Netz.
Balkonkraftwerke, auch Stecker-Solargeräte oder Mini-PV-Anlagen genannt, haben sich in den vergangenen Jahren zu einer echten Alternative für all jene entwickelt, die keine eigene Dachfläche zur Verfügung haben. Diese kompakten Systeme bestehen typischerweise aus ein bis zwei Solarmodulen und einem integrierten Wechselrichter, der den erzeugten Gleichstrom in netzkonformen Wechselstrom umwandelt.
Die Anforderungen an den Aufstellort sind überschaubar: Benötigt wird eine sonnige Stellfläche – sei es ein Balkon, eine Terrasse oder ein Garten – sowie eine stabile Befestigungsmöglichkeit an einer Brüstung oder Hauswand. Die Verbindung zum Hausnetz erfolgt über eine herkömmliche Schuko-Steckdose, was den Namen "steckerfertig" erklärt.
In Österreich sind Balkonkraftwerke mit einer Einspeiseleistung von bis zu 800 Watt genehmigungsfrei. Diese Grenze wurde vor einiger Zeit von ursprünglich 600 Watt angehoben, was die Attraktivität dieser Systeme zusätzlich gesteigert hat. Dennoch besteht auch hier eine Meldepflicht beim Netzbetreiber. Diese Anmeldung ist in der Regel unkompliziert und kann meist online erfolgen.
Mieter sollten vor der Installation mit ihrem Vermieter Rücksprache halten. Zwar ist die Montage eines Balkonkraftwerks keine bauliche Veränderung im engeren Sinne, doch bei der Befestigung an der Fassade oder Brüstung empfiehlt sich aus rechtlichen Gründen eine Abstimmung. In vielen Fällen zeigen sich Vermieter aufgeschlossen, da die Anlagen rückstandslos entfernt werden können.
Die Preise für Photovoltaik sind in den vergangenen Jahren erfreulich gesunken. Dieser Trend ist hauptsächlich auf die weltweit gestiegene Produktion von Solarmodulen und den damit verbundenen Skaleneffekten zurückzuführen. Für Privathaushalte bedeutet das: Solarstrom ist so erschwinglich wie nie zuvor.
Eine schlüsselfertige Photovoltaikanlage auf dem Dach mit einer Leistung von 5 Kilowatt-Peak (kWp) ist inklusive professioneller Montage bereits ab etwa 7.000 Euro erhältlich. Die Spitzenleistung in kWp gibt an, wie viel Strom die Anlage unter optimalen Bedingungen produzieren kann. Eine 5-kWp-Anlage deckt typischerweise den Strombedarf eines durchschnittlichen Einfamilienhauses.
Bei der Kalkulation sollten Interessierte bedenken, dass größere Anlagen zwar absolut mehr kosten, der Preis pro kWp aber in der Regel sinkt. Eine 10-kWp-Anlage kostet somit nicht doppelt so viel wie eine 5-kWp-Anlage. Hinzu kommen möglicherweise Kosten für notwendige Elektroarbeiten, Gerüststellung oder Dachsanierungen.
Wer den selbst erzeugten Strom optimal nutzen möchte, sollte die Integration eines Stromspeichers in Betracht ziehen. Ohne Speicher können Haushalte typischerweise nur etwa 30 bis 40 Prozent des produzierten Stroms selbst verbrauchen – der Rest wird ins Netz eingespeist. Mit einem passend dimensionierten Speicher lässt sich der Eigenverbrauchsanteil auf bis zu 80 Prozent steigern.
Die Preise für Lithium-Ionen-Speicher sind ebenfalls deutlich gefallen. Ein Speicher mit einer Kapazität von 5 bis 10 Kilowattstunden kostet aktuell zwischen 4.000 und 8.000 Euro. Die Wirtschaftlichkeit hängt stark vom individuellen Verbrauchsverhalten ab: Wer tagsüber wenig zu Hause ist und den Strom hauptsächlich abends benötigt, profitiert besonders von einem Speicher.
Die Anschaffung eines Balkonkraftwerks ist deutlich günstiger. Je nach Leistung und Ausstattung liegen die Preise zwischen etwa 400 und 1.200 Euro. Einfache Systeme mit einem Modul und 400 Watt Leistung sind am unteren Ende der Preisspanne angesiedelt, während hochwertigere Anlagen mit zwei Modulen und 800 Watt Leistung entsprechend mehr kosten.
Die Amortisationszeit von Balkonkraftwerken wird häufig mit fünf bis sechs Jahren angegeben. Diese Rechnung basiert auf den eingesparten Stromkosten und den durchschnittlichen Sonnenstunden in Österreich. Nach Ablauf dieser Zeit produziert die Anlage für die restliche Lebensdauer – in der Regel 20 bis 25 Jahre – quasi kostenlosen Strom.
Die Förderlandschaft für Photovoltaik in Österreich hat sich zuletzt verändert. Eine wichtige Information für alle, die noch abwarten: Die Umsatzsteuerbefreiung für Photovoltaikanlagen bis 35 kWp sowie dazugehörige Stromspeicher ist im März 2025 ausgelaufen. Diese Regelung hatte den effektiven Kaufpreis um 20 Prozent reduziert und stellte eine erhebliche Erleichterung für Investitionswillige dar.
Seit Juni 2025 gibt es eine neue Förderung: den sogenannten "Made-in-Europe-Bonus". Diese Initiative unterstützt gezielt Photovoltaikanlagen, die mit europäischen Komponenten ausgestattet sind. Der Bonus soll einerseits die heimische Solarindustrie stärken und andererseits die Abhängigkeit von asiatischen Herstellern reduzieren.
Die genauen Förderbedingungen und -höhen sollten Interessierte beim Bundesministerium oder der zuständigen Förderstelle erfragen, da sich diese Regelungen regelmäßig ändern können. Grundsätzlich empfiehlt es sich, vor dem Kauf einer Anlage die aktuell verfügbaren Förderprogramme zu recherchieren und gegebenenfalls Anträge rechtzeitig einzureichen.
Zusätzlich zu den Bundesförderungen bieten viele österreichische Bundesländer eigene Förderprogramme für erneuerbare Energien an. Diese unterscheiden sich teilweise erheblich in Bezug auf Förderhöhe, Voraussetzungen und Antragsprozess. Ein Blick auf die jeweiligen Landeswebseiten oder eine Beratung bei der regionalen Energieagentur kann helfen, keine Fördermöglichkeit zu übersehen.
Die zentrale Frage für viele Haushalte lautet: Rechnet sich eine Solaranlage finanziell? Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Anschaffungskosten, der Eigenverbrauchsanteil, die lokalen Einstrahlungswerte und die Entwicklung der Strompreise.
Grundsätzlich gilt: Je mehr des selbst erzeugten Stroms auch selbst verbraucht wird, desto wirtschaftlicher ist die Anlage. Denn während eingespeister Strom nur mit einigen Cent pro Kilowattstunde vergütet wird, liegen die Kosten für Bezugsstrom deutlich höher. Der finanzielle Vorteil entsteht also primär durch die eingesparten Stromkosten, nicht durch die Einspeisevergütung.
Eine 5-kWp-Anlage erzeugt in Österreich je nach Standort und Ausrichtung etwa 4.500 bis 5.500 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Bei einem Eigenverbrauchsanteil von 40 Prozent und einem angenommenen Strompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde ergibt sich eine jährliche Ersparnis von etwa 450 bis 550 Euro. Hinzu kommt eine kleine Vergütung für den eingespeisten Überschussstrom.
Bei Anschaffungskosten von 7.000 Euro amortisiert sich die Anlage somit nach etwa 12 bis 15 Jahren – ohne Berücksichtigung von Förderungen oder Strompreiserhöhungen. Mit einem Speicher verkürzt sich diese Zeit tendenziell, da der Eigenverbrauch steigt. Allerdings müssen die zusätzlichen Kosten für den Speicher berücksichtigt werden.
Wer sich für eine Solaranlage interessiert, sollte einige grundlegende Schritte beachten. An erster Stelle steht die Analyse des eigenen Stromverbrauchs. Die Jahresabrechnung des Stromanbieters gibt Aufschluss über den Gesamtverbrauch und hilft bei der Dimensionierung der Anlage.
Bei Dachanlagen empfiehlt sich die Einholung mehrerer Angebote von verschiedenen Installateuren. Die Preise und Leistungen können erheblich variieren. Achten Sie dabei nicht nur auf den Gesamtpreis, sondern auch auf die Qualität der Komponenten, die Garantiebedingungen und die Erfahrung des Anbieters.
Für Balkonkraftwerke ist der Markt mittlerweile sehr transparent. Online-Vergleichsportale und Tests von Verbraucherorganisationen helfen bei der Auswahl. Wichtig ist, auf Zertifizierungen zu achten und nur bei seriösen Händlern zu kaufen.
Die aktuellen Bedingungen für den Einstieg in die private Solarstromerzeugung sind trotz des Wegfalls der Umsatzsteuerbefreiung weiterhin attraktiv. Die gesunkenen Modulpreise und die neuen Fördermöglichkeiten wie der Made-in-Europe-Bonus können einen Teil des Wegfalls kompensieren.
Wer über ein Eigenheim verfügt, sollte die Option einer Dachanlage ernsthaft prüfen. Die Kombination aus Kostensenkung und Umweltschutz macht Photovoltaik zu einer sinnvollen Investition – zumal die Anlagen über Jahrzehnte zuverlässig Strom produzieren und sich die Technik bewährt hat.
Für Mieter und Wohnungseigentümer ohne eigene Dachfläche stellen Balkonkraftwerke eine niederschwellige Alternative dar. Mit überschaubaren Kosten und einfacher Installation ermöglichen sie den Einstieg in die Welt des selbst erzeugten Ökostroms – ein erster Schritt, der sich sowohl finanziell als auch ökologisch auszahlt.