In Wiens Stadtentwicklungsgebiet Oberes Hausfeld im 22. Wiener Gemeindebezirk bahnt sich eine energetische Revolution an, die das Potenzial hat, die Art und Weise, wie wir über Wärmeversorgung denken, grundlegend zu verändern. Wien Energie hat ein innovatives Konzept entwickelt, das nicht nur umwelt
In Wiens Stadtentwicklungsgebiet Oberes Hausfeld im 22. Wiener Gemeindebezirk bahnt sich eine energetische Revolution an, die das Potenzial hat, die Art und Weise, wie wir über Wärmeversorgung denken, grundlegend zu verändern. Wien Energie hat ein innovatives Konzept entwickelt, das nicht nur umweltfreundlich, sondern auch zukunftsweisend ist. Am 1. August 2025 wurde bekannt gegeben, dass im Oberen Hausfeld erstmals der Rücklauf der Fernwärme für die Versorgung genutzt wird. Doch was bedeutet das genau und warum ist das so revolutionär?
Die Fernwärme ist ein System, das in vielen Städten weltweit genutzt wird, um Gebäude mit Wärme zu versorgen. Normalerweise fließt das abgekühlte Wasser, nachdem es seine Wärmeenergie abgegeben hat, zurück zu den Kraftwerken. Diese Rückführung wird als Fernwärme-Rücklauf bezeichnet. Im Oberen Hausfeld jedoch wird dieser Rücklauf als Wärmequelle genutzt. Dies geschieht in Verbindung mit der Tiefengeothermie-Anlage Aspern, wodurch das System noch effizienter wird.
Der Fernwärme-Rücklauf ist ein integraler Bestandteil des Fernwärmesystems. Nachdem das Wasser seine Wärme abgegeben hat, wird es normalerweise zurück zu den Heizkraftwerken geleitet, um erneut erhitzt zu werden. Im Oberen Hausfeld jedoch wird dem bereits abgekühlten Wasser noch zusätzliche Wärme entzogen. Dies ist möglich, da für die Quartiersversorgung nur Temperaturen von etwa 40 Grad Celsius benötigt werden. Der innovative Ansatz ermöglicht es, auch die verbleibende Wärmeenergie effizient zu nutzen.
Ein weiterer Meilenstein in der Wärmeversorgung des Oberen Hausfelds ist die Einbindung der Tiefengeothermie-Anlage Aspern. Geothermie nutzt die im Erdinneren gespeicherte Wärme. Diese Form der Energiegewinnung ist besonders umweltfreundlich und nachhaltig. Durch die Synergie mit der Fernwärme kann die Temperatur des Wassers weiter angehoben werden, wodurch die Effizienz des Systems erheblich gesteigert wird.
Die Bewohner des Oberen Hausfelds können sich auf eine verlässliche, kostengünstige und klimaschonende Wärmeversorgung freuen. Das Quartiersnetz versorgt die Häuser mit etwa 40 Grad warmem Wasser, das für Flächenheizungen ideal ist. Zusätzlich können die Temperaturen für Warmwasser erhöht werden, was durch die Nutzung von Erdsonden, Brunnen oder Luftwärmetauschern in den Häusern selbst möglich ist.
Das Stadtentwicklungsgebiet Oberes Hausfeld erstreckt sich über 26 Hektar und bietet Platz für rund 3.700 Wohnungen, die etwa 8.000 Menschen beherbergen werden. Das Gebiet ist mehr als nur ein Wohnort; es ist ein Vorreiter in Sachen nachhaltiger Stadtentwicklung. Geplant sind umfangreiche Grünflächen, Schulen, Kindergärten und eine nahezu autofreie Umgebung. Zwei Stationen der U-Bahn-Linie U2 sorgen für eine hervorragende Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz.
Wien Energie hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Angesichts der Herausforderungen im Bereich der Raumwärme ist dies keine leichte Aufgabe. Doch mit Projekten wie dem Oberen Hausfeld zeigt Wien Energie, dass innovative Lösungen möglich sind. In den dicht besiedelten Bestandsgebieten wird auf den Ausbau und die Dekarbonisierung der Fernwärme gesetzt, während in neuen Quartieren wie dem Oberen Hausfeld innovative Energiekonzepte zum Einsatz kommen.
Während Wien mit Projekten wie dem Oberen Hausfeld eine Vorreiterrolle einnimmt, gibt es auch in anderen Bundesländern und Städten ähnliche Bestrebungen. In Graz wird beispielsweise ein großer Fokus auf die Nutzung von Solarthermie gelegt, während in Salzburg vermehrt auf Biomasse gesetzt wird. International betrachtet, ist das Konzept des Fernwärme-Rücklaufs jedoch selten. Städte wie Kopenhagen oder Stockholm sind bekannt für ihre fortschrittlichen Fernwärmesysteme, doch der Ansatz, den Rücklauf als zusätzliche Wärmequelle zu nutzen, ist einzigartig.
Die Entwicklungen im Oberen Hausfeld könnten als Blaupause für zukünftige Stadtentwicklungsprojekte dienen. Die Kombination aus Fernwärme, Tiefengeothermie und intelligentem Energiemanagement bietet ein enormes Potenzial für die Energieversorgung der Zukunft. Experten sind sich einig, dass solche Konzepte maßgeblich dazu beitragen können, die Klimaziele zu erreichen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Ein ungenannter Experte kommentiert: "Solche Projekte sind der Schlüssel zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Sie zeigen, dass es möglich ist, wirtschaftliches Wachstum und Umweltschutz zu vereinen."
Das Projekt im Oberen Hausfeld ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie innovative Technologien und kluge Planung zusammenkommen können, um zukunftsfähige Lösungen zu schaffen. Es ist ein Modell, das nicht nur für Wien, sondern für Städte weltweit von Interesse sein dürfte. Mit der Fertigstellung im Frühling 2026 wird es spannend zu sehen, wie sich das Quartier entwickelt und welche Auswirkungen es auf zukünftige Stadtentwicklungsprojekte haben wird.