Die Zukunft der Verpackungsindustrie könnte aus den Tiefen der Donau stammen. Was wie ein Science-Fiction-Szenario klingt, ist das Ziel des ambitionierten Projekts „InnoWAP“ der Universität für Bodenkultur Wien. Am 24. September 2025 gab die Universität bekannt, dass Wasser- und Sumpfpflanzen, die b
Die Zukunft der Verpackungsindustrie könnte aus den Tiefen der Donau stammen. Was wie ein Science-Fiction-Szenario klingt, ist das Ziel des ambitionierten Projekts „InnoWAP“ der Universität für Bodenkultur Wien. Am 24. September 2025 gab die Universität bekannt, dass Wasser- und Sumpfpflanzen, die bisher als lästige Gewächse galten, bald zu Verpackungen, Textilfasern und Papier verarbeitet werden können. Diese Nachricht könnte die Art und Weise, wie wir über Rohstoffe denken, grundlegend verändern.
Jeden Sommer sieht man auf der Alten Donau in Wien Amphibien-Mähboote, die die wuchernden Wasserpflanzen, sogenannte Makrophyten, in Schach halten. Diese Pflanzen können innerhalb von nur vier Wochen bis zu zwei Meter wachsen, was sie zu einer schnell nachwachsenden Ressource macht. Bisher wurden sie hauptsächlich kompostiert, doch das Projekt InnoWAP hat das enorme Potenzial dieser Pflanzen erkannt.
Die Forscher der BOKU, darunter die führenden Wissenschaftler Marco Beaumont und Armin Winter, haben Methoden entwickelt, um diese Pflanzen in abbaubares Verpackungsmaterial umzuwandeln. Diese Entwicklung könnte eine Revolution in der Verpackungsindustrie darstellen, die bisher stark auf fossile und holzbasierte Rohstoffe angewiesen ist. Die Prinzipien der „Green Chemistry“ kommen hierbei zum Einsatz, um umweltfreundliche und nachhaltige Alternativen zu schaffen.
Das Projekt InnoWAP, gefördert mit 1,15 Millionen Euro vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, hat sich zum Ziel gesetzt, eine nachhaltige Verwertungsstrategie für Wasserpflanzen zu entwickeln. Neun Partner aus Industrie und Forschung sind an diesem Projekt beteiligt, darunter bekannte Namen wie Lenzing AG und die Stadt Wien. Diese Zusammenarbeit zeigt, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit für die Zukunft der Industrie ist.
Ein zentrales Element von InnoWAP ist die zirkuläre Nutzung der Pflanzen. Jährlich werden in Wien zwischen 3.000 und 4.000 Tonnen submerse Wasserpflanzen geerntet, die bisher größtenteils kompostiert wurden. Mit der neuen Strategie sollen diese Pflanzen in wertvolle Produkte umgewandelt werden, was nicht nur die CO2-Emissionen reduziert, sondern auch neue wirtschaftliche Möglichkeiten schafft.
Die Nutzung von Pflanzen als Rohstoff ist keineswegs neu. Bereits in der Antike wurden Pflanzenfasern für die Herstellung von Kleidung und Papier genutzt. Doch die moderne Industrie hat sich zunehmend auf fossile Rohstoffe konzentriert, was zu den heutigen Umweltproblemen geführt hat. InnoWAP könnte diesen Trend umkehren und eine Rückkehr zu nachhaltigeren Praktiken einleiten.
Während Wien mit der Alten Donau und dem Neusiedlersee über ideale Bedingungen für das Projekt verfügt, könnten auch andere Bundesländer von ähnlichen Initiativen profitieren. Beispielsweise könnten die zahlreichen Seen in Kärnten oder die Flusslandschaften in Oberösterreich ähnliche Projekte unterstützen.
Die Entwicklung von InnoWAP könnte weitreichende Auswirkungen auf den Alltag der Bürger haben. Verpackungen aus Wasserpflanzen könnten in Supermärkten Einzug halten und somit den Plastikverbrauch reduzieren. Dies wäre ein wichtiger Schritt in Richtung einer umweltfreundlicheren Gesellschaft.
Ein Experte für nachhaltige Materialien erklärt: „Die Nutzung von Wasserpflanzen könnte die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen drastisch reduzieren. Dies ist ein entscheidender Schritt für die Bioökonomie und könnte Österreich zu einem Vorreiter in der nachhaltigen Rohstoffnutzung machen.“
Das Projekt InnoWAP hat das Potenzial, die Verpackungsindustrie grundlegend zu verändern. Mit der Unterstützung von Industriepartnern und der Stadt Wien könnte die Initiative in den kommenden Jahren zu einem Leuchtturmprojekt werden. Die Technologien, die im Rahmen von InnoWAP entwickelt werden, könnten nicht nur in Österreich, sondern weltweit Anwendung finden.
Die Förderung durch das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur zeigt, dass die österreichische Regierung großes Interesse an nachhaltigen Projekten hat. Dies könnte auch andere Länder dazu inspirieren, ähnliche Initiativen zu unterstützen und so global einen positiven Einfluss auf die Umwelt zu nehmen.
Angesichts des Klimawandels und der zunehmenden Eutrophierung von Gewässern ist die effiziente Nutzung von Wasserpflanzen von internationaler Bedeutung. InnoWAP könnte eine Blaupause für ähnliche Projekte weltweit sein und zur Erreichung der globalen Klimaziele beitragen.
Das Projekt InnoWAP zeigt eindrucksvoll, wie aus einer vermeintlichen Plage ein wertvoller Rohstoff werden kann. Durch die innovative Nutzung von Wasserpflanzen könnten neue Wege in der Verpackungsindustrie beschritten werden, die nicht nur umweltfreundlich, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sind. Die Zukunft der Verpackungsindustrie könnte also grüner sein, als wir es uns je vorgestellt haben.
Weitere Informationen finden Sie auf der Pressemitteilung der Universität für Bodenkultur Wien.