Die Welt der Plattformarbeit hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Mit dem Aufkommen von Apps und Online-Diensten, die schnelle und bequeme Lösungen für alltägliche Bedürfnisse bieten, hat sich auch die Arbeitswelt verändert. Doch nicht alles, was glänzt, ist Gold. Die jüngsten Enthüllun
Die Welt der Plattformarbeit hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Mit dem Aufkommen von Apps und Online-Diensten, die schnelle und bequeme Lösungen für alltägliche Bedürfnisse bieten, hat sich auch die Arbeitswelt verändert. Doch nicht alles, was glänzt, ist Gold. Die jüngsten Enthüllungen der Finanzpolizei und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) werfen ein düsteres Licht auf die Arbeitsbedingungen in diesem Sektor.
Am 12. Juli 2025 veröffentlichte der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) eine Pressemitteilung, die die Ergebnisse eines bundesweiten Kontrollschwerpunkts zusammenfasste. Dieser richtete sich gegen Essenszustelldienste, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Die Kontrollen ergaben, dass bei rund zwei Drittel der überprüften Zusteller:innen eine falsche Dienstnehmereigenschaft festgestellt wurde. Das bedeutet, dass viele dieser Arbeiter:innen in einer rechtlichen Grauzone agieren, die sie ihrer grundlegenden Arbeitsrechte beraubt.
Plattformarbeit bezieht sich auf Jobs, die über digitale Plattformen vermittelt werden. Diese Plattformen agieren als Vermittler zwischen Kunden und Dienstleistern. Ein Beispiel dafür sind Essenslieferdienste, bei denen Kunden über eine App bestellen und ein Fahrer das Essen liefert. Auf den ersten Blick ein einfaches Konzept, doch die rechtlichen und sozialen Implikationen sind komplex.
Markus Petritsch, Vorsitzender des vida Fachbereichs Straße, äußerte sich in der Pressemitteilung besorgt über den systematischen Missbrauch der Plattformarbeit. „Was jetzt aufgedeckt wurde, ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagte er. Die Umwandlung echter Dienstverhältnisse in freie Dienstverhältnisse ist keine Seltenheit. Dies bedeutet, dass viele Arbeiter:innen, die eigentlich Anspruch auf Sozialversicherung, geregelte Arbeitszeiten und andere arbeitsrechtliche Vorteile haben sollten, in die Scheinselbstständigkeit gedrängt werden.
Plattformarbeit ist ein globales Phänomen, das in vielen Ländern ähnliche Probleme hervorruft. In den USA beispielsweise kämpfen Plattformarbeiter:innen seit Jahren um die Anerkennung als Angestellte, um Zugang zu Sozialleistungen und arbeitsrechtlichem Schutz zu erhalten. In Europa gibt es ebenfalls Bemühungen, die Rechte von Plattformarbeiter:innen zu stärken. Die EU hat eine Richtlinie vorgeschlagen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und rechtliche Klarheit zu schaffen.
Die Gewerkschaft vida ist der Meinung, dass punktuelle Kontrollen nicht ausreichen, um die Missstände in der Plattformarbeit zu beheben. Sie fordert verbindliche Regeln, die sicherstellen, dass Plattformbeschäftigte als echte Arbeitnehmer:innen anerkannt werden. „Wer weisungsgebunden und in betriebliche Abläufe integriert arbeitet, muss auch rechtlich abgesichert sein“, betonte Petritsch.
Die Politik steht in der Verantwortung, die notwendigen gesetzlichen Regelungen zu schaffen. Dies ist nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch der wirtschaftlichen Fairness. Ohne klare Regeln können Unternehmen Arbeitsstandards umgehen und Risiken auf die Beschäftigten abwälzen. Dies führt zu einem unfairen Wettbewerb, bei dem verantwortungsbewusste Unternehmen benachteiligt werden.
Für die Bürger:innen bedeutet die aktuelle Situation, dass sie möglicherweise unwissentlich ein System unterstützen, das auf Ausbeutung basiert. Wenn sie über Plattformen bestellen, sollten sie sich der Arbeitsbedingungen der Lieferanten bewusst sein. Ein fiktiver Experte könnte sagen: „Die Kunden tragen eine Mitverantwortung. Sie sollten sich für Plattformen entscheiden, die faire Arbeitsbedingungen garantieren.“
Um die Situation zu verbessern, sind mehrere Schritte notwendig:
Die Gewerkschaft vida fordert die Politik auf, den Schutz der Plattformarbeiter:innen nicht weiter zu verzögern. „Wer täglich im Regen, bei Hitze oder Schnee Essen quer durch die Stadt liefert, verdient mehr als nur ein Schulterklopfen“, sagte Petritsch. Es ist an der Zeit, dass die Politik handelt und den Arbeiter:innen die Rechte und die Würde gibt, die sie verdienen.
Die vollständige Pressemitteilung der Gewerkschaft vida kann auf der OTS-Website nachgelesen werden.