Der Herbst hat Wien fest im Griff, und mit ihm kommt ein Trend, der nicht nur die Herzen der Sportbegeisterten, sondern auch der Modefans höher schlagen lässt: Funktionskleidung als Lifestyle-Statement. Was einst als rein praktisches Outfit für Bergsteiger und Extremsportler galt, hat sich nun als u
Der Herbst hat Wien fest im Griff, und mit ihm kommt ein Trend, der nicht nur die Herzen der Sportbegeisterten, sondern auch der Modefans höher schlagen lässt: Funktionskleidung als Lifestyle-Statement. Was einst als rein praktisches Outfit für Bergsteiger und Extremsportler galt, hat sich nun als unverzichtbarer Bestandteil des urbanen Alltags etabliert. Doch was steckt hinter diesem Boom, und welche Auswirkungen hat er auf die Wiener Wirtschaft und den Einzelhandel?
Mit den kühleren Temperaturen zieht es die Wienerinnen und Wiener verstärkt nach draußen. Die Natur wird zum Fitnessraum, und das spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen der 342 Wiener Sportartikelhändler wider. Laut der Wirtschaftskammer Wien erleben diese Händler im September und Oktober Hochsaison. Wetterfeste Jacken, robuste Schuhe und praktisches Outdoor-Zubehör sind die Verkaufsschlager dieser Zeit.
„Die Nachfrage nach Outdoor-Artikeln zieht derzeit spürbar an. Besonders gefragt sind Produkte, die Schutz vor Wind und Wetter bieten und gleichzeitig vielseitig einsetzbar sind“, erklärt ein Branchenexperte der Wirtschaftskammer Wien. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Trends, der sich in den letzten Jahren immer stärker abzeichnet: der sogenannte Gorpcore-Trend.
Der Begriff Gorpcore leitet sich von „Good Ol' Raisins and Peanuts“ ab, einer beliebten Mischung für Wanderer. Doch was hat das mit Mode zu tun? Ganz einfach: Gorpcore beschreibt den Trend, funktionale Outdoor-Kleidung in den urbanen Alltag zu integrieren. Was einst als reine Funktion galt, ist heute ein Modestatement.
„Outdoor ist nicht länger ein Nischenthema für Berg- oder Extremsportler, sondern Teil des urbanen Lebensstils geworden“, so der Experte weiter. Die Grenzen zwischen Freizeitaktivität und urbanem Lebensstil verschwimmen zunehmend. Ob beim Laufen im Prater, beim Wandern am Stadtrand oder beim Radfahren im Alltag – Funktionskleidung ist überall präsent.
Diese Kleidungsstücke sind nicht mehr nur für die Berge reserviert, sondern haben ihren Weg in die Stadt gefunden. In einer Metropole wie Wien, wo Sport und urbanes Leben eng verwoben sind, ist diese Entwicklung besonders sichtbar.
Für Sportartikelhändler ist der Verkauf von Outdoor-Artikeln ein wichtiger Umsatzbringer. Rund ein Viertel des Umsatzes im Sportfachhandel wird bereits mit Outdoor-Sportartikeln erwirtschaftet. Nach einem kräftigen Umsatzschub während der Corona-Pandemie hat sich der Markt auf einem stabilen Niveau eingependelt. Im letzten Jahr lag das Volumen österreichweit bei fast 600 Millionen Euro.
Bekleidung macht dabei rund 46 Prozent des Umsatzes aus, Schuhe über 40 Prozent. Zubehör wie Stöcke, Trinksysteme oder Stirnlampen tragen etwa 14 Prozent bei. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Outdoor-Boom nicht nur ein vorübergehendes Phänomen ist, sondern eine langfristige Entwicklung darstellt.
Ein weiterer Faktor, der den Outdoor-Trend antreibt, ist das zunehmende Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Immer mehr Wienerinnen und Wiener wollen in langlebige, multifunktionale Produkte investieren, die möglichst ressourcenschonend produziert sind. Der Trend zum bewussteren Konsum zeigt sich deutlich im Kaufverhalten: Während ein Teil der Kundschaft stärker auf den Preis achtet, legt ein anderer Teil besonderen Wert auf Qualität, Materialauswahl und Beratung.
„Für den Fachhandel bedeutet das die Chance, durch Spezialisierung und Service zu punkten. Betriebe mit hoher Beratungskompetenz haben klare Vorteile. Das ist für viele kleinere Händler das entscheidende Erfolgsrezept“, erklärt der Experte. Insgesamt beschäftigt die Branche rund 2.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die steigenden Energie- und Personalkosten sowie die Konkurrenz durch den Online-Handel stellen den stationären Handel vor Herausforderungen. Doch gleichzeitig bieten ein breites Sortiment, individuelle Beratung und die große Begeisterung der Wienerinnen und Wiener für Bewegung im Freien eine stabile Basis.
„Der Trend zu mehr Bewegung und Vitalität bleibt in Wien hoch. Für die Branche ist das eine solide Grundlage für weiteres Wachstum“, resümiert der Branchenexperte. Der Outdoor-Boom könnte also nicht nur ein kurzfristiger Trend sein, sondern langfristig die Wiener Wirtschaft und den Einzelhandel prägen.
Was erwartet uns in den kommenden Jahren? Experten sind sich einig, dass der Trend zur Funktionskleidung als Lifestyle-Element weiter anhalten wird. Die Zielgruppen werden vielfältiger, sowohl in Alter und Leistungsniveau als auch durch den zunehmenden Zulauf junger Menschen und Frauen. Die Nachfrage nach nachhaltigen und multifunktionalen Produkten wird weiter steigen.
Für den Fachhandel bedeutet das, sich weiter zu spezialisieren und den Kunden ein einzigartiges Einkaufserlebnis zu bieten. Beratungskompetenz und Service werden entscheidende Faktoren für den Erfolg sein. Gleichzeitig müssen sich die Händler den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und innovative Lösungen entwickeln, um im Wettbewerb mit dem Online-Handel bestehen zu können.
Insgesamt zeigt der Outdoor-Boom, dass Funktionskleidung weit mehr ist als nur ein Modetrend. Sie ist Ausdruck eines Lebensstils, der Gesundheit, Nachhaltigkeit und Funktionalität vereint. Und Wien scheint bereit zu sein, diesen Trend voll und ganz zu leben.