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Wirtschaft

Österreichs Einzelhandel in der Krise: Hoffnungsschimmer oder trügerische Ruhe?

22. August 2025 um 08:40
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Der neue Konjunkturreport des Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und des Handelsverbands zeichnet ein düsteres Bild für den Einzelhandel in Österreich. Trotz eines leichten Umsatzanstiegs im Juni bleibt die Gesamtlage angespannt. Hohe Energiekosten, steigende Insolvenzen und e

Der neue Konjunkturreport des Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) und des Handelsverbands zeichnet ein düsteres Bild für den Einzelhandel in Österreich. Trotz eines leichten Umsatzanstiegs im Juni bleibt die Gesamtlage angespannt. Hohe Energiekosten, steigende Insolvenzen und eine rückläufige Beschäftigung belasten die Branche schwer.

Ein kurzer Lichtblick im Juni

Der Juni 2025 brachte einen kleinen Hoffnungsschimmer für den Einzelhandel. Die Umsätze stiegen kalenderbereinigt um 3,6% im Vergleich zum Vorjahr. Doch dieser Anstieg sollte nicht über die strukturellen Probleme hinwegtäuschen, warnt der Handelsverband. Die Konsumdynamik bleibt schwach, und das Wachstum ist weiterhin nur minimal.

Die strukturellen Herausforderungen

Die österreichische Wirtschaft kämpft mit mehreren Herausforderungen. Hohe Energiekosten und steigende Rohstoffpreise auf den Weltmärkten drücken auf die Margen der Händler. Diese Faktoren treiben auch die Inflation in die Höhe. Im Juli lag die Inflationsrate gemäß dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) bei 3,7%, deutlich über dem Durchschnitt des Euro-Raumes von 2,0%.

Inflation als drängendes Problem

Die steigende Inflation ist ein zentrales Problem für die österreichische Wirtschaft. Besonders die Ausgabengruppe 'Wohnen, Wasser und Energie' hat erheblich zur Teuerung beigetragen. Ein WIFO-Ökonom betont, dass der Preisauftrieb in Österreich im internationalen Vergleich weiterhin hoch ist.

Branchen im Wandel

Während der Lebensmittelhandel in den letzten Jahren relativ stabil war, zeigt sich im Nichtnahrungsmittelsektor eine andere Entwicklung. Besonders im Einzelhandel mit Sport- und Spielwaren sowie im Buch- und Zeitschriftenhandel sind die Umsätze rückläufig. Diese Divergenz zwischen den Branchen könnte sich jedoch langsam angleichen.

Beschäftigung und Insolvenzen

Auch im Bereich der Beschäftigung zeigt sich ein gemischtes Bild. Im Juli waren 333.000 Menschen unselbstständig im Einzelhandel beschäftigt, ein Rückgang von 2% im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig gibt es rund 11.000 offene Stellen, darunter mehr als 9.000 Vollzeit-Jobs. Die hohe Zahl an offenen Stellen könnte ein Indikator für die Schwierigkeiten sein, qualifiziertes Personal zu finden.

Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Insolvenzen. Im zweiten Quartal 2025 wurden 185 Insolvenzen im Handel eröffnet, ein Anstieg von 6,9% gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht mehr als zwei Insolvenzen pro Tag.

Ein Vergleich mit Deutschland

Vergleicht man die Situation in Österreich mit der in Deutschland, so zeigt sich ein differenziertes Bild. Während die allgemeine Inflation in Österreich höher ist, steigen die Nahrungsmittelpreise dort langsamer als in Deutschland. Dies könnte darauf hindeuten, dass der österreichische Lebensmittelhandel in den letzten Jahren inflationsdämpfend gewirkt hat.

Verbrauchervertrauen und Ausblick

Das Verbrauchervertrauen hat sich im Juli leicht verbessert und erreichte den höchsten Wert seit neun Monaten. Dennoch bleibt es im pessimistischen Bereich. Die Sparquote ist hoch, und die privaten Konsumausgaben werden 2025 voraussichtlich nur minimal wachsen.

Wie geht es weiter?

Der Ausblick für 2026 ist vorsichtig optimistisch. Experten erwarten, dass die reale Wertschöpfung im Handel 2025 um 0,2% zurückgehen wird. Erst 2026 könnte die Ausgabenbereitschaft der privaten Haushalte wieder steigen. Der Handelsverband fordert gezielte Maßnahmen zur Unterstützung kleiner Handelsbetriebe und zur Schaffung eines fairen Wettbewerbs im Onlinehandel.

Die Herausforderungen für den österreichischen Einzelhandel sind groß. Doch mit gezielten Maßnahmen und einer verbesserten wirtschaftlichen Zuversicht könnte ein wirtschaftliches Comeback nach drei Rezessionsjahren gelingen.

Schlagworte

#Energiepreise#Handelsverband#Inflation#Insolvenzen#Konjunkturreport#Österreichischer Einzelhandel#WIFO

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