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Wirtschaft

Österreichs Arbeitsplätze am Pranger: Macht unsere Jobs die Menschen krank?

2. Juli 2025 um 09:42
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Wien (OTS) - Ein neuer Fehlzeitenreport hat die österreichische Arbeitswelt erschüttert: Trotz eines leichten Rückgangs der Krankenstandstage im Jahr 2024 bleibt die Belastung durch lange Krankenstände alarmierend hoch. Ein Fünftel aller Krankenstände dauert 40 Tage oder länger und macht mehr als di

Wien (OTS) - Ein neuer Fehlzeitenreport hat die österreichische Arbeitswelt erschüttert: Trotz eines leichten Rückgangs der Krankenstandstage im Jahr 2024 bleibt die Belastung durch lange Krankenstände alarmierend hoch. Ein Fünftel aller Krankenstände dauert 40 Tage oder länger und macht mehr als die Hälfte aller Fehltage aus. Dies wirft die dringende Frage auf: Macht die Arbeit in Österreich krank?

Die alarmierenden Zahlen des Fehlzeitenreports

Der jüngste Bericht zeigt, dass die Zahl der Krankenstandstage zwar leicht gesunken ist, doch die Dauer und Intensität der Erkrankungen, die durch die Arbeit verursacht werden, sind besorgniserregend. Besonders betroffen sind Arbeitnehmer, die unter Muskel- und Skeletterkrankungen leiden, meist verursacht durch schweres Heben und körperlich belastende Tätigkeiten. Der Anstieg psychischer Erkrankungen verstärkt die Sorge um die Gesundheit der österreichischen Arbeitnehmer.

Was sind Muskel- und Skeletterkrankungen?

Muskel- und Skeletterkrankungen umfassen eine breite Palette von Beschwerden, die Muskeln, Knochen, Gelenke und Bänder betreffen. Diese Erkrankungen können durch wiederholte Belastungen, schlechte Körperhaltungen oder plötzliches Heben schwerer Lasten entstehen. Sie sind eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit und können langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen.

ÖGB fordert dringende Reformen

Claudia Neumayer-Stickler, Leiterin des Referats für Gesundheitspolitik im ÖGB, äußert sich besorgt: „Arbeit darf nicht krank machen. Wir brauchen endlich bessere Maßnahmen gegen körperliche und psychische Belastungen im Job.“ Zu den Forderungen des ÖGB gehört die Modernisierung des Arbeitnehmer:innenschutzes, einschließlich verbindlicher Grenzwerte für das Heben und Tragen schwerer Lasten sowie der Einsatz von Arbeitspsychologen als dritte Präventivkraft in allen Betrieben.

Was bedeutet Arbeitnehmer:innenschutz?

Der Begriff Arbeitnehmer:innenschutz bezieht sich auf gesetzliche Maßnahmen, die darauf abzielen, die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zu gewährleisten. Dies umfasst Regelungen zur Vermeidung von Unfällen und zur Minimierung von Gesundheitsrisiken durch gefährliche Arbeitsumgebungen oder -praktiken.

Psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch

Ein weiterer besorgniserregender Trend ist der Anstieg psychischer Erkrankungen unter österreichischen Arbeitnehmern. Stress, Überlastung und mangelnde Work-Life-Balance tragen erheblich zu dieser Entwicklung bei. Die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist ein Thema, das nicht länger ignoriert werden kann.

Vergleich mit anderen Ländern

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass Österreich mit diesen Herausforderungen nicht allein ist. In Deutschland beispielsweise sind ähnliche Trends zu beobachten, wobei die Zahl der durch Stress verursachten Erkrankungen ebenfalls zunimmt. In skandinavischen Ländern hingegen wird der Arbeitnehmer:innenschutz durch umfassende Präventionsprogramme gestärkt, was zu einer Verringerung der Krankheitsfälle geführt hat.

Konkrete Auswirkungen auf die Bürger

Für den Einzelnen bedeutet ein langer Krankenstand nicht nur gesundheitliche, sondern auch finanzielle Belastungen. Die Unsicherheit über den Arbeitsplatz und mögliche Einkommensverluste kann zusätzlichen Stress verursachen. Unternehmen stehen ebenfalls vor Herausforderungen, da lange Ausfallzeiten die Produktivität und Effizienz beeinträchtigen.

Expertenmeinung: Handlungsbedarf ist dringend

Ein Experte für Arbeitsrecht betont: „Die gesetzlichen Regelungen müssen dringend angepasst werden, um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden. Nur so können wir die Gesundheit der Arbeitnehmer schützen und gleichzeitig die wirtschaftliche Stabilität der Unternehmen gewährleisten.“

Ein Blick in die Zukunft

Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, wie Österreich auf diese Herausforderungen reagiert. Eine stärkere gesetzliche Verankerung von Prävention und betrieblicher Gesundheitsförderung könnte der Schlüssel zur Lösung dieser Probleme sein. Die Erweiterung der Berufskrankheitenliste und die Einführung neuer Präventionsmaßnahmen sind Schritte in die richtige Richtung.

Politische Zusammenhänge

Die Modernisierung des Arbeitnehmer:innenschutzes ist nicht nur eine gesundheitspolitische, sondern auch eine wirtschaftspolitische Notwendigkeit. Die Regierung steht unter Druck, Maßnahmen zu ergreifen, die sowohl die Gesundheit der Arbeitnehmer verbessern als auch die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft sichern.

Der Fehlzeitenreport des ÖGB ist ein Weckruf für alle Beteiligten. Es liegt nun an der Politik, die notwendigen Schritte einzuleiten, um die Arbeitsbedingungen in Österreich nachhaltig zu verbessern. Die Gesundheit der Arbeitnehmer darf nicht länger auf dem Spiel stehen.

Schlagworte

#Arbeitnehmer:innenschutz#Fehlzeitenreport#Gesundheitsförderung#Muskel- und Skeletterkrankungen#ÖGB#Prävention#psychische Erkrankungen

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