Neue Umfrage zeigt massive Kritik an politischer Führung
Eine aktuelle Meinungsumfrage offenbart deutliche Unzufriedenheit der Österreicher mit der Arbeit aller Parteichefs. Nur in den eigenen Reihen gibt es Zustimmung.
Die österreichische Bevölkerung zeigt sich mehrheitlich unzufrieden mit der Arbeit ihrer Parteichefs. Das ergab eine aktuelle Meinungsumfrage des renommierten Meinungsforschers Peter Hajek, die in der Sendung "Aktuell: Die Woche" bei ATV präsentiert wird.
Die Online-Befragung von 500 wahlberechtigten Österreichern, die zwischen 23. und 26. Februar 2026 durchgeführt wurde, zeichnet ein ernüchterndes Bild der politischen Stimmung im Land. Keiner der aktuellen Parteichefs kann eine Mehrheit der Bevölkerung von seiner Arbeit überzeugen.
Am schlechtesten schneidet SPÖ-Chef Andreas Babler ab: 69 Prozent der Befragten zeigen sich "eher nicht" oder "gar nicht" zufrieden mit seiner politischen Arbeit. Auch die anderen Parteispitzen erhalten vernichtende Bewertungen: 66 Prozent sind unzufrieden mit GRÜNE-Chefin Leonore Gewessler, 62 Prozent mit NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger und 60 Prozent mit Bundeskanzler und ÖVP-Chef Christian Stocker.
Selbst FPÖ-Chef Herbert Kickl, dessen Partei in aktuellen Umfragen führt, erhält von 58 Prozent der Österreicher eine negative Bewertung seiner Arbeit.
Interessant wird es bei der Betrachtung der Zufriedenheit innerhalb der jeweiligen Wählerschaften. Hier zeigt sich ein komplett anderes Bild: Die Parteichefs genießen bei ihren eigenen Anhängern sehr hohe Zustimmungswerte.
Besonders bemerkenswert sind die Zustimmungswerte bei den GRÜNEN-Wählern: 92 Prozent stehen positiv hinter Leonore Gewesslers Arbeit. Ähnlich hoch ist die Zufriedenheit bei den NEOS-Anhängern mit 91 Prozent für Beate Meinl-Reisinger. FPÖ-Chef Herbert Kickl kann auf 88 Prozent Zustimmung seiner Wählerschaft zählen, ÖVP-Chef Christian Stocker auf 87 Prozent. Selbst der in der Gesamtbevölkerung am schlechtesten bewertete Andreas Babler erhält von 81 Prozent seiner SPÖ-Wähler positive Noten.
Während die Bewertungen zwischen den anderen Parteiwählerschaften ausgeglichener ausfallen, sticht die FPÖ-Wählerschaft durch ihre besonders kritische Haltung gegenüber allen anderen Parteichefs hervor. Die Ablehnung ist nahezu total:
Meinungsforscher Peter Hajek interpretiert die Ergebnisse als deutliches Warnsignal für die österreichische Politik: "Die Bewertungen aller Parteispitzen sind insgesamt negativ, mit klar polarisierten Lagern – Blau gegen alle anderen. Zustimmung gibt es fast nur im eigenen Wählersegment, darüber hinaus fehlt vielen Parteichefs die Breitenakzeptanz."
Besonders problematisch sieht Hajek das sogenannte Reichweitenproblem: "Politisch bedeutet das: Die Parteichefs haben ein Reichweitenproblem. Wer über die eigene Anhängerschaft hinaus überzeugen will, muss deutlich stärker integrieren statt mobilisieren."
Die Umfrageergebnisse spiegeln eine zunehmende Polarisierung der österreichischen Gesellschaft wider. Während Parteichefs früher durchaus auch bei Anhängern anderer Parteien Respekt und Anerkennung finden konnten, scheint diese Zeit vorbei zu sein.
Diese Entwicklung birgt Risiken für die politische Kultur und die Kompromissfähigkeit im parlamentarischen System. Wenn Parteichefs nur noch ihre eigene Basis ansprechen können, wird es schwieriger, gesellschaftliche Mehrheiten für wichtige Reformen zu mobilisieren.
Für die kommenden Wahlkämpfe bedeuten diese Ergebnisse, dass die Parteien vor allem ihre eigene Basis mobilisieren müssen, da Stimmengewinne aus anderen Lagern immer schwieriger werden. Dies könnte zu einer weiteren Verschärfung des politischen Tons führen.
Gleichzeitig zeigen die Zahlen aber auch, dass alle Parteien vor der Herausforderung stehen, über ihre Kernwählerschaft hinaus zu wachsen. Wer dies nicht schafft, läuft Gefahr, in einer immer stärker fragmentierten politischen Landschaft an Bedeutung zu verlieren.
Die vollständige Diskussion der Umfrageergebnisse wird am Freitag um 22:25 Uhr in der Sendung "Aktuell: Die Woche" bei ATV und im Stream auf JOYN zu sehen sein. Moderator Meinrad Knapp diskutiert mit Politikberater Thomas Hofer und Meinungsforscher Peter Hajek über die Bedeutung dieser Zahlen für die österreichische Politik.