Innenminister Karner sieht Erfolg seiner harten Asylpolitik bestätigt
945 Asylanträge stehen 1.083 Abschiebungen gegenüber. Die niedrigsten Antragszahlen seit fast sechs Jahren zeigen laut Innenministerium Wirkung.
Österreich verzeichnet einen deutlichen Rückgang bei den Asylanträgen: Im Jänner 2026 wurden lediglich 945 Asylanträge gestellt – die niedrigste Zahl seit fast sechs Jahren. Dem gegenüber stehen 1.083 Abschiebungen im selben Zeitraum. Innenminister Gerhard Karner sieht darin einen Beleg für die Wirksamkeit seiner restriktiven Asylpolitik.
Die aktuellen Zahlen zeigen einen markanten Wandel in der österreichischen Asylstatistik. Mit 945 Asylanträgen im Jänner 2026 verzeichnet Österreich einen Rückgang von rund 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als noch 1.918 Anträge gestellt wurden. Besonders bemerkenswert ist, dass nur 44,5 Prozent der Anträge – insgesamt 421 – Erstanträge von Menschen sind, die erstmals nach Österreich gekommen sind.
Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies bei den Erstanträgen einen Rückgang um fast 34 Prozent. Die übrigen Anträge betreffen hauptsächlich nachgeborene Kinder von bereits in Österreich lebenden Asylwerbern. Die meisten Anträge im Jänner stammten von syrischen Staatsangehörigen (264), wobei der Großteil davon in Österreich geborene Kinder betrifft.
Eine der wirksamsten Maßnahmen war offenbar der vorübergehende Stopp des Familiennachzugs. Während im Jänner 2024 noch mehr als 830 Einreisen über den Familiennachzug erfolgten, gab es im Jänner 2026 lediglich eine einzige Einreise auf diesem Weg. Um diese Entwicklung nachhaltig abzusichern, wurde der Familiennachzug per Verordnung mit Anfang Jänner für weitere sechs Monate ausgesetzt.
Diese Maßnahme entlastet nach Angaben des Innenministeriums Österreichs Gesundheits-, Bildungs-, Integrations- und Sozialsystem erheblich. Die Verlängerung der Aussetzung zeigt, dass die Regierung diese restriktive Linie fortsetzen will.
Auch die verstärkten Grenzschutzmaßnahmen zeigen nach Darstellung des Innenministeriums deutliche Erfolge. Die Schlepperrouten konnten demnach auch im Osten Österreichs zerschlagen werden, vor allem entlang der sogenannten Balkan-Küstenroute. Maßnahmen wie die Operation Fox auf ungarischem Staatsgebiet sind Teil eines umfassenden Maßnahmenbündels.
Der massive Rückgang der Aufgriffe illegaler Grenzübertritte ist beeindruckend: Wurden im Zeitraum von Jänner bis Mitte Februar 2023 noch rund 3.000 Aufgriffe illegaler Fremder im Burgenland verzeichnet, waren es im Vergleichszeitraum 2026 nur 65 Personen. Nur sieben der in diesem Jahr aufgegriffenen Personen stellten einen Asylantrag, die anderen mussten Österreich verlassen.
Die Grenzkontrollen zu Ungarn, Slowenien, Tschechien und der Slowakei wurden Mitte Dezember 2025 um vorerst weitere sechs Monate verlängert. Gleichzeitig wurde der Assistenzeinsatz des Bundesheeres zum Schutz der österreichischen Grenzen fortgesetzt und das polizeiliche Grenzschutz-Konzept weiterentwickelt.
Das neue Grenzschutzkonzept setzt auf einen verbreiterten Kontrollgürtel an der Grenze und ein abgestimmtes Zusammenspiel zwischen stationären Kontrollen an der Grenze sowie mobilen Maßnahmen im Grenzraum. Diese Strategie soll verhindern, dass Schlepper alternative Routen finden.
Von den 1.083 Personen, die im Jänner Österreich verlassen mussten, wurden 602 (56 Prozent) zwangsweise abgeschoben, während 481 (44 Prozent) eigenständig ausreisten. Bemerkenswert ist, dass rund 41,5 Prozent der Abgeschobenen in Österreich strafrechtlich verurteilt waren.
Das Innenministerium betont die Bedeutung der eigenständigen Ausreise, da sie im Vergleich zu zwangsweisen Außerlandesbringungen die wesentlich kostengünstigere Variante darstellt. Im Jänner wurden außerdem 89 Dublin-Überstellungen durchgeführt, bei denen 17 Algerier, neun Afghanen und sechs Marokkaner Österreich verlassen mussten.
Die Erfolgsaussichten für Asylwerber sind weiterhin gering: Bis Ende Jänner wurden 1.949 Verfahren negativ beschieden oder eingestellt. 125 Personen verzichteten freiwillig auf Schutz und verließen Österreich während des Verfahrens. In nur 653 Fällen wurde Asyl oder subsidiärer Schutz gewährt.
Besonders schlecht waren die Aussichten für Antragsteller aus Georgien, Indien und Tunesien – für alle drei Länder wurden 100 Prozent der Anträge negativ beschieden. Für Länder mit geringer Bleibewahrscheinlichkeit setzt das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl weiter auf Schnell- und Eilverfahren. Bis Ende Jänner wurden 46 negative Entscheidungen innerhalb von 28 Tagen bzw. 72 Stunden in der ersten Instanz getroffen.
Österreich steht mit diesem Rückgang nicht alleine da: In Europa (inklusive Schweiz und Norwegen) gab es im Jänner 2026 mit 66.034 Asylanträgen um rund 17 Prozent weniger Anträge als im Vergleichszeitraum 2025 (79.675). Besonders starke Rückgänge verzeichneten Polen (-66 Prozent), Slowenien (-45 Prozent) und Deutschland (-32 Prozent).
Gestiegen sind die Anträge hingegen in Ungarn (+167 Prozent, jedoch nur 16 Asylanträge), Litauen (+26 Prozent) und den Niederlanden (+24 Prozent). Auch Griechenland (-11 Prozent) und Frankreich (-10 Prozent) verzeichneten Rückgänge.
Die niedrigeren Zahlen wirken sich auch auf die Kosten der Grundversorgung aus. Aktuell befinden sich 51.935 Menschen in der Grundversorgung, davon 1.239 Menschen in der Bundesbetreuung. Der Großteil – mehr als 29.700 – sind Kriegsvertriebene aus der Ukraine.
Im Vergleich zu Jahresbeginn 2023, als noch knapp 93.000 Menschen in der Grundversorgung waren, bedeutet dies eine deutliche Entlastung. Die Rückgänge ermöglichten konkrete Einsparungen: Die Zahl der Bundesquartiere konnte in den vergangenen beiden Jahren von mehr als 30 auf aktuell acht gesenkt werden.
Innenminister Gerhard Karner sieht in den Zahlen eine Bestätigung seiner Politik: "Maßnahmen wirken. Um die Bevölkerung noch stärker zu entlasten, muss die harte und konsequente Asylpolitik fortgesetzt werden." Die Regierung plant offenbar, den eingeschlagenen Kurs beizubehalten und die restriktiven Maßnahmen weiterzuführen.
Die aktuellen Statistiken zeigen, dass Österreichs Asylpolitik der letzten Jahre messbare Auswirkungen hat. Ob diese Entwicklung nachhaltig ist und welche längerfristigen Folgen sie hat, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Kritiker bemängeln dabei oft die humanitären Aspekte solcher Maßnahmen, während Befürworter auf die Entlastung der öffentlichen Systeme verweisen.