Neues Verkehrskonzept soll mit Zwei-Richtungs-Radhighway Sicherheit und Qualität für alle bringen
Der ÖAMTC schlägt einen baulich getrennten Rad-Highway für die Ringstraße vor. Das Konzept soll Unfälle reduzieren und allen Verkehrsteilnehmern gerecht werden.
Die Wiener Ringstraße soll eine komplette Neugestaltung erfahren. Am 26. Februar 2026 präsentierte der ÖAMTC ein ambitioniertes Verkehrskonzept, das die historische Prachtstraße sicherer und effizienter machen soll. Im Mittelpunkt steht ein innovativer Zwei-Richtungs-Radhighway, der alle Verkehrsteilnehmer entzerren soll.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 73 Verkehrsunfälle mit Personenschaden unter Beteiligung von Radfahrenden gab es 2024 allein am Ring – ein Anstieg von 97 Prozent seit 2018. Diese dramatische Entwicklung macht deutlich, warum der ÖAMTC Handlungsbedarf sieht.
"Die Ringstraße ist verkehrstechnisch aktuell überlastet", erklärt ÖAMTC-Verkehrsexperte Matthias Nagler die problematische Situation. Dabei befindet sich dort der meistbefahrene Radweg der Stadt: 2024 wurden an den Zählstellen am Opernring knapp 1,8 Millionen Radfahrten registriert, an Spitzentagen waren es rund 10.000.
"Der Rad- und Fußverkehr am Ring ist ein Durcheinander mit verwirrendem Zickzack-Kurs für Radfahrende und Fußgänger", beschreibt Nagler die aktuelle Situation. Besonders die Kreuzungsbereiche mit Autoverkehr und öffentlichen Verkehrsmitteln seien eine große Gefahrenquelle.
Das ÖAMTC-Konzept "Platz für alle am Ring" setzt auf eine konsequente Trennung aller Verkehrsformen. "Unser 360-Grad-Verkehrskonzept sieht eine konsequente Trennung von Fuß-, Rad- und Kfz-Verkehr vor. Herzstück ist ein baulich getrennter Zwei-Richtungs-Radhighway", erklärt ÖAMTC-Direktor Ernst Kloboucnik.
Der geplante Rad-Highway soll über eine durchschnittliche Breite von vier Metern verfügen und baulich vom restlichen Verkehr getrennt werden. Durch die neue Platzierung an der Innenseite des Rings stehen dem Radverkehr rund 17.000 Quadratmeter Fläche exklusiv zur Verfügung.
"Die bauliche Trennung ermöglicht eine durchgängige Radschnellverbindung, die das Konflikt- und Unfallrisiko um ein Vielfaches reduziert", erläutert Nagler die Vorteile. Durch die einfache Anbindung an andere Fahrrad-Langstrecken könnte der Ring endlich auch im Radverkehr seiner Verteilungsfunktion gerecht werden.
Während eine Seite der Ringstraße dem Radverkehr vorbehalten sein soll, wird die andere Seite zu einer Flaniermeile für Fußgänger umgestaltet. Die herkömmlichen Gehsteige entlang der Gebäude bleiben bestehen, werden aber durch Bäume, Grünflächen und verschiedene Verkehrssicherheitsmaßnahmen aufgewertet.
Mögliche Konflikte zwischen ein- oder aussteigenden Fahrgästen und Radfahrenden im Bereich von Öffi-Haltestellen sollen durch die getrennte Führung des Radverkehrs komplett unterbunden werden. "Die konsequente Trennung von Fuß- und Radverkehr bringt Vorteile für alle: Mehr Sicherheit und Klarheit in der Verkehrsführung, schnelles Vorankommen, gute Sichtbarkeit und keine Verwirrung mehr", betont Nagler.
Ein wichtiger Aspekt des ÖAMTC-Konzepts: Der Autoverkehr soll nicht eingeschränkt werden. "Unser Konzept ist der beste Beweis dafür, dass die Ringstraße ausreichend Platz bietet, um den Bedürfnissen aller Mobilitätsformen gerecht zu werden – und das ohne Fahrverbote oder Spurreduktionen für den Kfz-Verkehr", betont Kloboucnik.
Auch der Kfz-Verkehr wird konsequent abgetrennt, was das Unfallrisiko zusätzlich verringern soll. Das Konzept setzt somit auf eine Lösung, die alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt, ohne einzelne Gruppen zu benachteiligen.
"Platz für alle am Ring" ist Teil des umfassenderen ÖAMTC-Verkehrskonzepts "Gemeinsam mehr bewegen", das 2025 adaptiert wurde. Dieses nachhaltige Konzept für ganz Wien basiert auf klar definierten "Lebensnetzen", auf denen Rad- und Autoverkehr gebündelt fließen können.
Das Gesamtkonzept enthält konkrete Planungsprojekte und klare Vorschläge zum Ausbau zahlreicher Öffi-Verbindungen, zur Erweiterung von Park-and-Ride-Anlagen und zur Schaffung eines S-Bahn-Rings. Innovative Lösungen zur Aufwertung des öffentlichen Raums runden das Konzept ab.
Das 360-Grad-Verkehrskonzept sieht nicht nur verkehrstechnische Verbesserungen vor, sondern auch eine optische Neugestaltung des Rings. Die zusätzliche Begrünung öffentlicher Flächen soll den gesamten Straßenraum aufwerten und zu einer angenehmeren Atmosphäre beitragen.
"Mit unserem Lösungsvorschlag schaffen wir eine klare und eindeutige Verkehrsführung, die Unfällen und Konflikten vorbeugt und zugleich eine effiziente Nutzung des vorhandenen Raums ermöglicht", fasst Kloboucnik die Ziele zusammen.
Das ÖAMTC-Konzept stellt eine konkrete Antwort auf die wachsenden Herausforderungen der Wiener Ringstraße dar. Steigende Bevölkerungszahlen und zunehmender Tourismus erhöhen den Nutzungsdruck kontinuierlich. Gleichzeitig steigt seit 2014 der Radverkehr stetig an.
Ob und wann das Konzept umgesetzt wird, hängt nun von den politischen Entscheidungsträgern ab. Die dramatische Entwicklung der Unfallzahlen und der steigende Verkehrsdruck machen jedoch deutlich, dass Handlungsbedarf besteht.
Das ÖAMTC-Konzept zeigt auf, dass auch auf einer historischen Prachtstraße wie der Ringstraße moderne Verkehrslösungen möglich sind, die allen Verkehrsteilnehmern gerecht werden. Die Frage ist nun, ob Wien bereit ist, diesen mutigen Schritt zu gehen.