Landesrat Kasser präsentiert Fortschritte bei regionaler Gesundheitsversorgung
Niederösterreich baut tagesklinische Operationen aus. 99,4% der Patienten empfehlen das neue Behandlungskonzept weiter.
Die niederösterreichische Gesundheitslandschaft befindet sich im Wandel. Bei einer Pressekonferenz in Klosterneuburg präsentierte Landesrat Anton Kasser gemeinsam mit Experten der NÖ Landesgesundheitsagentur die aktuellen Fortschritte des Gesundheitsplans 2040+ für die Region Mitte. Ein zentraler Baustein dabei: der massive Ausbau tagesklinischer Operationen.
"Ziel ist eine bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige Versorgung in allen Regionen", betonte Landesrat Kasser einleitend. Der vor knapp einem Jahr parteiübergreifend mit mehr als 50 Fachleuten entwickelte Gesundheitsplan zeigt bereits erste konkrete Erfolge.
Für die Region Mitte bedeutet die Umsetzung des Gesundheitsplans eine klare Struktur: Das Universitätsklinikum St. Pölten fungiert weiterhin als zentrales Versorgungszentrum der Region. Ergänzt wird es durch strategische Entwicklungen in Lilienfeld, wo 2026 die Akutgeriatrie und Remobilisation schrittweise in Betrieb gehen werden. Der Vollbetrieb ist ab 1. Jänner 2027 geplant.
Bereits jetzt zeigen sich erste Erfolge der Neustrukturierung: Die Klinische Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin wurde bereits eröffnet, der geplante Vollbetrieb soll noch im ersten Halbjahr 2026 erreicht werden.
Das Universitätsklinikum Krems wird seine Position als Kompetenzzentrum in der Krebstherapie weiter ausbauen, insbesondere bei Lungen- und Prostatakarzinomen. "Die Strahlentherapie wird bis 2027 um zwei zusätzliche Linearbeschleuniger auf insgesamt fünf Geräte erweitert", erklärte Kasser. Zusätzlich wird die Spezialisierung in der Roboterchirurgie weiter ausgebaut.
Die vertiefte Zusammenarbeit zwischen Krems und Melk soll künftig die Expertise bündeln und die regionale Versorgung nachhaltig stärken.
Als wesentliches Element für die Region Mitte präsentierte sich der Klinikverband Tulln-Klosterneuburg. Durch die strategische Bündelung der geburtshilflichen Leistungen in Tulln konnten in Klosterneuburg Kapazitäten für HNO-Operationen bei Kindern geschaffen werden, wodurch Wartezeiten erheblich reduziert werden konnten.
"Tagesklinische Eingriffe sind ein zukunftsweisendes Konzept", betonte Kasser. "Sie finden an einem Tag statt, benötigen keinen längeren Krankenhausaufenthalt und bedeuten eine schnellere, weniger belastende Behandlung für die Patientinnen und Patienten."
Gleichzeitig ermöglicht die Verlagerung tagesklinischer, elektiver Eingriffe nach Klosterneuburg zusätzliche OP-Kapazitäten in Tulln, auch für onkologische Eingriffe.
Elisabeth Bräutigam, Vorständin der NÖ Landesgesundheitsagentur, präsentierte beeindruckende Zahlen: 44.000 tageschirurgische Eingriffe werden jährlich in den niederösterreichischen Kliniken durchgeführt. "Tageschirurgische Eingriffe entflechten kurze, kleinere Eingriffe von komplizierten, langen oder auch akuten", erklärte sie die Systematik.
Diese Strukturierung macht OP-Kapazitäten besser planbar und führt letztendlich zu einer größeren Patientenzufriedenheit. Die Zahlen sprechen für sich: Im Zuge der Umstellung 2024 wurden 9.600 Patientinnen und Patienten zu tageschirurgischen Eingriffen befragt – 99,4 Prozent von ihnen empfahlen tagesklinische Eingriffe weiter.
"Dies war eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges und Basis dafür, dass wir diese Eingriffe in Niederösterreich weiter ausrollen wollen", so Bräutigam.
Herbert Huscsava, Ärztlicher Direktor des Klinikums Klosterneuburg, kann auf eine bereits zehnjährige Erfahrung mit operativen Tageskliniken zurückblicken. "Mit dem Gesundheitsplan konnten wir diese noch weiter ausbauen und schlagkräftige, versorgungsrelevante Leistungen für diesen Bereich entwickeln."
Die Vorteile für Patienten sind evident: "Der Patient kommt morgens, wird operativ versorgt und geht abends wieder nach Hause – das ist sowohl innerklinisch effizienter als auch ein besserer Service für Patientinnen und Patienten", erläuterte Huscsava. Zusätzlich erhöhen tagesklinische Eingriffe die OP-Leistung, wodurch Wartelisten schneller abgearbeitet und Wartezeiten auf Operationen verkürzt werden.
Franz Laback, Geschäftsführer der Gesundheitsregion Mitte, verdeutlichte die Dringlichkeit der Reformen anhand demografischer Daten: "Die Anzahl der 85-Jährigen wird bis 2040 um 70 Prozent ansteigen, während die Geburten um vier Prozent zurückgehen."
Diese demografische Entwicklung stellt das Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen. Der Gesundheitsplan 2040+ sei laut Laback die alternativlose Antwort auf diese Entwicklungen. Er fasste zusammen, was in der Region Mitte bereits umgesetzt wurde, was sich derzeit in Umsetzung befindet und was noch geplant ist.
Besonders unterstrich Laback die Wichtigkeit der Klinikverbände: "Die damit einhergehende Bündelung der Expertise in den Kliniken bedeutet eine qualitative Verbesserung für die Versorgung in der Region."
Diese strategische Neuausrichtung ermöglicht es, Spezialisierungen gezielt zu fördern und gleichzeitig eine flächendeckende Grundversorgung sicherzustellen.
Die positive Resonanz der Patienten und die messbaren Erfolge bei der Effizienzsteigerung machen deutlich, dass tagesklinische Operationen ein zentraler Baustein der künftigen Gesundheitsversorgung in Niederösterreich sein werden. Die Landesregierung plant daher eine weitere Expansion dieses Konzepts in anderen Regionen des Bundeslandes.
Mit dem Gesundheitsplan 2040+ positioniert sich Niederösterreich als Vorreiter bei der Modernisierung der Gesundheitsversorgung in Österreich. Die Kombination aus demografischem Wandel und technologischen Möglichkeiten erfordert neue Ansätze – die tagesklinische Versorgung zeigt einen vielversprechenden Weg auf.
Die nächsten Jahre werden zeigen, ob das niederösterreichische Modell auch für andere Bundesländer als Vorlage dienen kann. Die ersten Ergebnisse sind jedenfalls vielversprechend und geben Grund zur Hoffnung, dass die Herausforderungen der alternden Gesellschaft erfolgreich gemeistert werden können.