Eine neue Verordnung des Gesundheitsministeriums zur Tierhaltung in Österreich sorgt für heftige Kritik bei Tierschutzorganisationen. Ab sofort müssen Halter von Hunden, Reptilien, Amphibien und be
Eine neue Verordnung des Gesundheitsministeriums zur Tierhaltung in Österreich sorgt für heftige Kritik bei Tierschutzorganisationen. Ab sofort müssen Halter von Hunden, Reptilien, Amphibien und bestimmten Papageienvögeln einen verpflichtenden Sachkundenachweis absolvieren. Das Problem: Für die Kursleiter gibt es praktisch keine Qualitätsanforderungen. Die Begutachtungsfrist für die umstrittenen Verordnungen endete am 13. März 2024, und die Tierschutzszene läuft Sturm gegen die geplanten Regelungen.
Ein Sachkundenachweis ist ein offizielles Dokument, das bestätigt, dass eine Person über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt, um bestimmte Tiere artgerecht zu halten. In Österreich wird dieser Nachweis nun zur Pflicht für Halter verschiedener Tierarten. Der Sachkundenachweis soll sicherstellen, dass Tierbesitzer über grundlegende Kenntnisse in der Tierpflege, Gesundheitsvorsorge, artgerechten Haltung und dem Verhalten ihrer Tiere verfügen. Dies umfasst Wissen über Fütterung, Unterbringung, Beschäftigung und medizinische Grundversorgung. In anderen europäischen Ländern wie Deutschland existieren bereits ähnliche Systeme, die sich jedoch in ihrer Umsetzung und den Qualitätsstandards erheblich unterscheiden.
Die österreichische Regelung sieht vor, dass angehende Tierhalter einen Kurs besuchen müssen, der mit einer Prüfung abschließt. Nur wer diesen Sachkundenachweis erfolgreich absolviert, darf die entsprechenden Tiere halten. Das Ziel ist es, Tierleid durch Unwissen und falsche Haltung zu reduzieren und gleichzeitig den Schutz von Mensch und Tier zu gewährleisten.
Der Kern der Kritik liegt in den schwammigen Anforderungen an die Kursleiter. Die Verordnung nennt lediglich „fachliche Eignung" und „langjährige praktische Erfahrung" als Kriterien – ohne diese Begriffe näher zu definieren. Dies führt dazu, dass praktisch jeder, der behauptet, Erfahrung mit Tieren zu haben, als Kursleiter fungieren könnte.
Veronika Weissenböck, Kampagnenleiterin bei VIER PFOTEN, bringt die Problematik auf den Punkt: „Es kann nicht sein, dass künftig Hinz und Kunz den angehenden Haltern beibringen dürfen, wie Hunde zu halten sind! Wenn es nach der Verordnung geht, werden nicht nur sämtliche selbsternannte Hundetrainer als Kursleiter zugelassen, deren Kenntnisse nicht dem neuesten wissenschaftlichen Stand entsprechen, sondern es können auch Personen, die mit Gewalt in der Hundeerziehung arbeiten, zugelassen werden."
Diese Kritik ist besonders brisant, da Gewalt in der Tiererziehung längst als überholt und schädlich gilt. Moderne Tierverhaltensforschung zeigt eindeutig, dass positive Verstärkung und gewaltfreie Methoden nicht nur ethischer, sondern auch effektiver sind. Wenn nun Personen, die noch immer auf veraltete, gewaltbasierte Methoden setzen, als Ausbilder fungieren dürfen, könnte dies zu einer Verschlechterung der Tierhaltungsstandards führen.
Die Tierschutzorganisationen schlagen eine konkrete Alternative vor: Sie fordern, dass nur „tierschutzqualifizierte Hundetrainer" die Sachkundekurse abhalten dürfen. Dieses Gütesiegel wird vom Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien vergeben und stellt sicher, dass die Trainer über fundiertes, wissenschaftlich basiertes Wissen verfügen.
Das Messerli Forschungsinstitut ist eine weltweit anerkannte Einrichtung für Tierverhaltensforschung und wurde nach der Philosophin und Tierrechtlerin Anna Messerli benannt. Das Institut arbeitet eng mit der Veterinärmedizinischen Universität Wien zusammen und entwickelt kontinuierlich neue Erkenntnisse über Tierverhalten, Mensch-Tier-Beziehungen und Tierschutz. Die dort ausgebildeten tierschutzqualifizierten Hundetrainer durchlaufen eine umfassende Ausbildung, die sowohl theoretisches Wissen als auch praktische Fertigkeiten umfasst.
Brigid Weinzinger vom Verband pro-tier bezeichnet die aktuelle Situation als „wahren Schildbürgerstreich": „Das Gütesiegel ‚Tierschutzqualifizierter Hundetrainer' entstand auf Initiative des Ministeriums als Qualitätssicherung im Hundetraining und wurde aus Steuermitteln aufgebaut. Nun erklärt das selbe Ministerium das Gütesiegel für praktisch wertlos, wenn alle anderen genauso gut die Sachkunde prüfen dürfen."
Die Kritik kommt nicht von einer einzelnen Organisation, sondern von einem breiten Bündnis führender österreichischer Tierschutzorganisationen. Dazu gehören VIER PFOTEN, der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN, Tierschutz Austria, der Verein Freunde der Tierecke, der Verein Pfotenhilfe, der Verband pro-tier und das Tierheim Krems. Diese Geschlossenheit zeigt, wie gravierend die Bedenken in der Tierschutzszene sind.
Besonders das Tierheim Krems und Tierschutz Austria können aus ihrer täglichen Arbeit berichten, welche Auswirkungen falsche Trainingsmethoden haben. „Schon jetzt ist es so, dass unsere tierschutzqualifizierten Hundetrainer sich regelmäßig um Hunde kümmern müssen, die - bedingt durch falsche Trainingsmethoden - in unserem Tierheim auf einen neuen Platz warten und nur mit größter Mühe wieder Vertrauen zu Menschen aufbauen lernen