BÖP-Folder nimmt jungen Patienten die Angst vor der Therapie
Ein neuer Folder des Berufsverbands erklärt Kindern verständlich, was sie beim Psychologen erwartet und baut Hemmschwellen ab.
Der Gang zum Psychologen löst bei Kindern oft gemischte Gefühle aus. Unsicherheit, Neugier und manchmal auch Angst prägen die Gedankenwelt der jungen Patienten. Was erwartet mich dort? Muss ich über private Dinge sprechen? Diese und viele weitere Fragen beschäftigen Kinder vor ihrem ersten Termin bei einem Psychologen.
Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) hat auf diese Bedürfnisse reagiert und einen speziellen Folder entwickelt, der sich gezielt an Kinder und deren Bezugspersonen richtet. "Bei einer Psychologin? Was mach ich denn dort?" lautet der Titel der neuen Broschüre, die komplexe psychologische Prozesse in kindgerechte Sprache übersetzt.
Die Initiative zeigt, wie wichtig es ist, bereits die Jüngsten über psychologische Behandlungen aufzuklären. In Österreich nehmen immer mehr Kinder und Jugendliche psychologische Hilfe in Anspruch. Laut aktuellen Studien sind etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen von psychischen Belastungen betroffen, die professionelle Unterstützung benötigen.
Der neue Folder erklärt anhand liebevoll illustrierter Beispiele, wie klinisch-psychologische Diagnostik und Behandlung funktionieren. Dabei werden komplexe Fachbegriffe vermieden und stattdessen auf eine bildhafte, verständliche Sprache gesetzt. Die Broschüre zeigt auf, dass ein Besuch beim Psychologen keineswegs bedrohlich ist, sondern vielmehr eine Gelegenheit bietet, Unterstützung bei Problemen zu finden.
Besonders wertvoll ist die Darstellung verschiedener Behandlungsmethoden. Kinder erfahren, dass sie nicht nur reden müssen, sondern auch spielen, malen oder andere kreative Aktivitäten durchführen können. Diese spielerischen Elemente sind ein wesentlicher Bestandteil der Kinderpsychologie und helfen dabei, eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen.
Die BÖP-Fachsektion Kinder-, Jugend- und Familienpsychologie, die den Folder entwickelt hat, verfolgt klare Ziele: Hemmschwellen sollen abgebaut, Transparenz geschaffen und sowohl Kindern als auch deren Bezugspersonen Sicherheit vermittelt werden. Diese Herangehensweise spiegelt einen wichtigen Wandel in der psychologischen Behandlung wider, bei dem Patienten nicht mehr passive Empfänger von Therapie sind, sondern aktiv in den Prozess einbezogen werden.
BÖP-Präsidentin a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger unterstreicht die Bedeutung einer altersgerechten Kommunikation: "Kinder haben ein Recht darauf zu wissen, was sie bei einem psychologischen Termin erwartet. Wenn wir ihre Fragen ernst nehmen und verständlich beantworten, schaffen wir Vertrauen – und genau dieses Vertrauen ist die Grundlage für eine gelingende Unterstützung."
Diese Aussage verdeutlicht einen fundamentalen Wandel in der Behandlung von Kindern im Gesundheitswesen. Lange Zeit wurden junge Patienten nicht ausreichend über medizinische oder therapeutische Maßnahmen informiert. Heute weiß man jedoch, dass gut informierte Kinder kooperativer und weniger ängstlich sind.
Der Folder vermittelt eine wichtige Botschaft: Bei einer Psychologin darf man fragen, erzählen, spielen und gemeinsam Lösungen finden. Diese Herangehensweise nimmt den oft angstbesetzten Charakter psychologischer Behandlungen und zeigt stattdessen die positiven Aspekte auf. Kinder lernen, dass sie aktiv an ihrer Genesung teilhaben können und dass ihre Meinung und Gefühle ernst genommen werden.
Die Broschüre richtet sich nicht nur an Kinder, sondern auch an deren Bezugspersonen. Eltern, Großeltern oder andere wichtige Personen im Leben des Kindes erhalten ebenfalls wertvolle Informationen darüber, wie sie ihr Kind optimal unterstützen können. Dies ist besonders wichtig, da die Haltung der Bezugspersonen maßgeblich beeinflusst, wie ein Kind eine psychologische Behandlung erlebt.
Häufig sind es gerade die Erwachsenen, die Vorbehalte gegenüber psychologischen Behandlungen haben. Diese Ängste können sich auf Kinder übertragen und den Therapieerfolg beeinträchtigen. Der neue Folder trägt dazu bei, auch bei Erwachsenen Verständnis und Akzeptanz für psychologische Hilfe zu schaffen.
Ein besonderer Schwerpunkt der Broschüre liegt auf der Erklärung verschiedener Behandlungsformen. Kinder erfahren, dass es unterschiedliche Arten von Tests gibt, die spielerisch durchgeführt werden und dabei helfen, ihre Stärken und Herausforderungen besser zu verstehen. Gleichzeitig wird erklärt, dass Gespräche in einer sicheren, vertraulichen Atmosphäre stattfinden.
Die Darstellung von Therapiemethoden ist besonders gelungen, da sie zeigt, dass psychologische Behandlung nicht bedeutet, "krank" zu sein, sondern vielmehr eine Möglichkeit darstellt, Fähigkeiten zu entwickeln und Probleme zu lösen. Diese Sichtweise ist entscheidend für die Entstigmatisierung psychologischer Hilfe.
Der neue Folder steht ab sofort online zur Verfügung und kann auch in gedruckter Form bestellt werden. Diese niederschwellige Verfügbarkeit ist wichtig, da sie sicherstellt, dass möglichst viele Familien Zugang zu diesen wertvollen Informationen haben.
Die Initiative des BÖP zeigt, wie wichtig Präventionsarbeit und Aufklärung im Bereich der psychischen Gesundheit sind. Durch die frühzeitige und altersgerechte Information können Vorurteile abgebaut und der Grundstein für eine positive Einstellung zu psychologischer Hilfe gelegt werden.
Die Bedeutung solcher Aufklärungsarbeit geht weit über den einzelnen Arztbesuch hinaus. Kinder, die positive Erfahrungen mit psychologischer Betreuung machen, werden als Erwachsene eher bereit sein, bei Bedarf professionelle Hilfe zu suchen. Dies kann langfristig dazu beitragen, die Behandlung psychischer Erkrankungen zu verbessern und Stigmatisierung zu reduzieren.
Der neue BÖP-Folder stellt somit nicht nur eine praktische Hilfe für den aktuellen Bedarf dar, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Entstigmatisierung psychologischer Behandlungen. Er zeigt, dass der Weg zu einem offeneren Umgang mit psychischer Gesundheit bereits bei den Jüngsten beginnen sollte.