Inmitten der anhaltenden Diskussionen über die Medikamentenversorgung in Österreich hat die PHARMIG, die freiwillige Interessenvertretung der österreichischen Pharmaindustrie, eine eindringliche Warnung ausgesprochen. Am 8. Juli 2025 betonte Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, dass die vi
Inmitten der anhaltenden Diskussionen über die Medikamentenversorgung in Österreich hat die PHARMIG, die freiwillige Interessenvertretung der österreichischen Pharmaindustrie, eine eindringliche Warnung ausgesprochen. Am 8. Juli 2025 betonte Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG, dass die viel diskutierte „Wirkstoffverschreibung“ keine Lösung für die bestehenden Versorgungsprobleme darstellt. Doch was steckt hinter diesem Begriff und warum ist die Debatte so hitzig?
Unter Wirkstoffverschreibung versteht man die Praxis, dass Ärzte auf Rezepten nicht mehr spezifische Medikamentennamen, sondern nur noch die Wirkstoffe angeben. Die Idee dahinter ist, den Patienten mehr Flexibilität zu bieten und die Kosten zu senken, indem preisgünstigere Generika statt Markenmedikamente verschrieben werden. Doch Herzog warnt: „Diese Maßnahme könnte zu mehr Verunsicherung führen, ohne das Problem der Engpässe zu lösen.“
Die Diskussion um Wirkstoffverschreibungen ist keineswegs neu. Bereits in den 1990er Jahren wurde in verschiedenen europäischen Ländern damit experimentiert, um die Gesundheitskosten zu senken. In Deutschland beispielsweise wurde im Jahr 2002 die Möglichkeit der Wirkstoffverschreibung eingeführt. Die Erfahrungen waren gemischt: Während einerseits die Kosten für Medikamente sanken, kam es andererseits zu Verwirrung bei Patienten und Apothekern.
Österreich steht nun vor einer ähnlichen Herausforderung. Die PHARMIG argumentiert, dass die Einführung der Wirkstoffverschreibung in Österreich nicht nur zu Verunsicherung führen könnte, sondern auch das Risiko von Engpässen erhöhen würde. Denn nicht immer sind Generika in ausreichender Menge verfügbar, und die Umstellung könnte die Lieferketten zusätzlich belasten.
Engpässe bei der Medikamentenversorgung sind kein rein österreichisches Phänomen. Auf europäischer Ebene wurden bereits mehrere Initiativen gestartet, um das Problem anzugehen. Eine dieser Initiativen ist die European Shortages Monitoring Plattform, die seit Anfang des Jahres für mehr Transparenz sorgt und Engpässe besser erfassen soll.
„Wir müssen auf europäischer Ebene zusammenarbeiten, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, betont Herzog. „Neue Regelungen der EU-Pharmagesetzgebung und der Critical Medicines Act sind entscheidende Schritte in diese Richtung.“
Für die Bürger könnte die aktuelle Situation bedeuten, dass sie sich auf längere Wartezeiten und mögliche Engpässe bei bestimmten Medikamenten einstellen müssen. Besonders betroffen sind dabei chronisch Kranke, die auf kontinuierliche Medikamentenversorgung angewiesen sind.
„Es ist wichtig, dass die Patienten weiterhin Zugang zu den Medikamenten haben, die sie benötigen“, so ein fiktiver Experte. „Die Einführung von Sicherheitsbeständen durch Zulassungsinhaber ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es bedarf weiterer Maßnahmen.“
Ein weiterer Aspekt, der die Diskussion beeinflusst, ist die Preispolitik für Medikamente in Österreich. Herzog kritisiert die Niedrigpreispolitik, die seiner Meinung nach zu den aktuellen Problemen beiträgt. „Wenn die Preise durch gesetzliche Regelungen niedrig gehalten werden, können die Unternehmen ihre Kosten nicht decken, was letztendlich zu Engpässen führt“, erklärt er.
Die Inflation der letzten Monate hat die Situation weiter verschärft. Unternehmen stehen unter Druck, da ihre Produktionskosten steigen, sie jedoch die Preise ihrer Medikamente nicht entsprechend anpassen können. „Das führt dazu, dass einige Hersteller gezwungen sind, Produkte vom Markt zu nehmen“, warnt Herzog. „Dies erhöht die Gefahr von Engpässen.“
Ein Blick auf andere europäische Länder zeigt, dass Österreich nicht allein mit diesem Problem kämpft. In Spanien und Italien beispielsweise sind ähnliche Herausforderungen zu beobachten, wo ebenfalls Maßnahmen zur Sicherstellung der Medikamentenversorgung diskutiert werden.
In den Niederlanden hat man hingegen positive Erfahrungen mit der Einführung von Mindestbeständen bei Apotheken gemacht, was die Versorgungssicherheit erhöht hat. Diese Maßnahme könnte auch für Österreich ein Modell sein.
Wie könnte die Zukunft der Medikamentenversorgung in Österreich aussehen? Experten sind sich einig, dass eine Kombination aus nationalen und europäischen Maßnahmen notwendig ist, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dazu gehören:
„Langfristig ist es wichtig, dass wir die gesamte Lieferkette im Blick behalten und eng mit unseren europäischen Partnern zusammenarbeiten“, betont ein weiterer fiktiver Experte. „Nur so können wir sicherstellen, dass die Patienten die Medikamente bekommen, die sie benötigen.“
Die PHARMIG und ihre Mitgliedsfirmen sind entschlossen, ihren Beitrag zur Sicherstellung der Versorgung zu leisten. Mit rund 120 Mitgliedern, die den Medikamentenmarkt zu 95 Prozent abdecken, spielt der Verband eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen.
Die Diskussion um die Wirkstoffverschreibung und die Medikamentenversorgung in Österreich ist komplex und vielschichtig. Während die PHARMIG vor den Risiken einer solchen Maßnahme warnt, ist klar, dass Handlungsbedarf besteht. Durch eine Kombination aus nationalen Initiativen und europäischer Zusammenarbeit könnte es gelingen, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und Engpässe zu vermeiden.
Für die Bürger bedeutet dies, dass sie sich auf Veränderungen einstellen müssen, aber auch hoffen können, dass durch die ergriffenen Maßnahmen eine stabile Medikamentenversorgung sichergestellt wird. Die nächsten Monate werden zeigen, wie erfolgreich die Bemühungen auf nationaler und europäischer Ebene sind und ob Österreich einen Weg aus der Medikamentenkrise finden kann.