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Wirtschaft

Medikamenten-Engpass droht: Wie sicher ist Österreichs Versorgung wirklich?

3. September 2025 um 09:38
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Die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten ist ein Thema, das viele Österreicherinnen und Österreicher umtreibt. Laut dem aktuellen Austrian Health Report 2025, einer Studie, die von Sandoz in Auftrag gegeben und vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) durchgeführt wurde, sehen sechs

Die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten ist ein Thema, das viele Österreicherinnen und Österreicher umtreibt. Laut dem aktuellen Austrian Health Report 2025, einer Studie, die von Sandoz in Auftrag gegeben und vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) durchgeführt wurde, sehen sechs von zehn Personen in Österreich die Gefahr von Versorgungsengpässen als reale Bedrohung. Doch was steckt hinter diesen Zahlen, und wie geht es weiter mit der Medikamentensicherheit in unserem Land?

Die Angst vor dem Engpass: Eine reale Bedrohung?

Versorgungsengpässe sind kein neues Phänomen. Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über Lieferprobleme bei bestimmten Medikamenten. Diese Probleme können aus verschiedenen Gründen entstehen: von Produktionsschwierigkeiten über logistische Herausforderungen bis hin zu geopolitischen Spannungen. Der Austrian Health Report 2025 zeigt, dass 64 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sich durch mögliche Engpässe bei Medikamenten bedroht fühlen. Diese Zahl ist alarmierend und wirft die Frage auf, wie sicher die Versorgung wirklich ist.

Europäische Lösungen gefragt

Interessanterweise sehen viele Befragte die Lösung dieser Problematik auf europäischer Ebene. Sieben von zehn Befragten befürworten eine gemeinsame europäische Strategie zur Sicherstellung der Medikamentenversorgung. Dies deutet darauf hin, dass ein nationales Alleingang nicht ausreicht, um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten. Stattdessen könnte ein koordiniertes Vorgehen auf EU-Ebene die nötige Resilienz schaffen, um zukünftige Engpässe zu vermeiden.

Die Bedeutung der heimischen Produktion

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Produktion von Medikamenten im eigenen Land. Die Studie zeigt, dass 86 Prozent der Befragten die Herstellung von Medikamenten in Österreich für wichtig halten. Diese Zahl unterstreicht das Vertrauen in lokale Produktionen und die Erwartung, dass dies zu einer erhöhten Versorgungssicherheit beitragen könnte. Dies ist besonders in Zeiten globaler Unsicherheiten und geopolitischer Spannungen von Bedeutung, wie sie im Bericht von Experten wie Prof. Dr. Walter Feichtinger und Prof. Dr. Ulrike Holzgrabe hervorgehoben werden.

Prof. Dr. Walter Feichtinger über die geopolitische Lage

Prof. Dr. Walter Feichtinger, sicherheitspolitischer Experte und Präsident des Center for Strategic Analysis in Wien, betont die Wichtigkeit der Versorgungssicherheit als Leitlinie wirtschaftlichen Handelns. Er warnt vor den Risiken hybrider Kampfführung, die von Falschinformationen bis zu Ausfuhrverboten für strategische Güter reichen. Diese Bedrohungen könnten die Medikamentenversorgung empfindlich stören und machen eine lokale Produktion umso wichtiger.

Fortschritt und Vertrauen in die Wissenschaft

Trotz der Bedenken hinsichtlich der Versorgungssicherheit zeigt der Bericht auch positive Entwicklungen. Mehr als drei Viertel der österreichischen Bevölkerung glauben an den Fortschritt der medizinischen Wissenschaft und die Wirksamkeit von Medikamenten. Dies spiegelt ein hohes Maß an Vertrauen in die medizinische Forschung und die Fähigkeit wider, innovative Lösungen für bestehende Probleme zu finden.

Marco Pucci über die Rolle von Generika und Biosimilars

Marco Pucci, Country President von Sandoz Österreich, sieht Generika und Biosimilars als Teil der Lösung für die Herausforderungen im Gesundheitssystem. Diese Medikamente machen bereits die Hälfte aller verschriebenen Medikamente in Österreich aus, verursachen aber nur 16 Prozent der Kosten. Pucci betont, dass faire Rahmenbedingungen und ein europäischer Schulterschluss notwendig sind, um die Versorgungssicherheit nachhaltig zu sichern.

Die Zukunft der Medikamentenversorgung in Österreich

Der Austrian Health Report 2025 bietet auch einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Medikamentenversorgung in Österreich. Experten sind sich einig, dass die Herausforderungen komplex sind, aber nicht unlösbar. Ein verstärkter Fokus auf lokale Produktion, gepaart mit einer paneuropäischen Strategie, könnte die Versorgungssicherheit erheblich verbessern. Zudem wird der Einsatz von digitalen Technologien und Künstlicher Intelligenz in der Medizin als positiv bewertet und könnte die Effizienz im Gesundheitswesen weiter steigern.

Die Rolle der Digitalisierung

Die Digitalisierung der Medizin wird von der Mehrheit der Befragten positiv bewertet. Konkrete digitale Lösungen wie das elektronische Rezept oder der digitale Beipackzettel werden von zwei Dritteln der Befragten befürwortet. Der Einsatz von KI in der Medizin wird ebenfalls als potenziell vorteilhaft angesehen. Diese Entwicklungen könnten dazu beitragen, die Effizienz und Transparenz im Gesundheitswesen zu erhöhen und die Versorgungssicherheit weiter zu stärken.

Insgesamt zeigt der Austrian Health Report 2025, dass die Österreicherinnen und Österreicher sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen im Bereich der Medikamentenversorgung erkennen. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit eines koordinierten Vorgehens auf nationaler und europäischer Ebene, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und das Vertrauen in das Gesundheitssystem zu stärken.

Schlagworte

#Digitalisierung#Europäische Strategie#Gesundheitssystem#Medikamentenversorgung#Österreich#Produktion#Versorgungsengpass

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