Die österreichische Apothekerschaft steht derzeit vor einer ihrer größten Herausforderungen: Medikamenten-Engpässe bedrohen die Versorgungssicherheit der Bevölkerung. Doch dank des unermüdlichen Einsatzes der Apotheken bleibt das Schlimmste aus. Der Austrian Health Report 2025 zeigt, dass in über 95
Die österreichische Apothekerschaft steht derzeit vor einer ihrer größten Herausforderungen: Medikamenten-Engpässe bedrohen die Versorgungssicherheit der Bevölkerung. Doch dank des unermüdlichen Einsatzes der Apotheken bleibt das Schlimmste aus. Der Austrian Health Report 2025 zeigt, dass in über 95 Prozent der Fälle die Apotheken das Problem der nicht lieferbaren Medikamente lösen können. Aber wie funktioniert dieses System, und welche Maßnahmen werden ergriffen, um die Versorgung sicherzustellen?
Der Austrian Health Report 2025 offenbart, dass 64 Prozent der Österreicher sich von längeren Versorgungsengpässen bei Medikamenten bedroht fühlen. Diese Sorge übertrifft sogar die Angst vor Unterbrechungen bei der Belieferung mit Öl, Gas oder Lebensmitteln. Der Pessimismus der Bevölkerung spiegelt sich auch im gesunkenen individuellen Gesundheitsempfinden wider. Zudem erwarten 80 Prozent der Befragten, dass es in den kommenden Jahren Einschränkungen bei den Leistungen der Krankenkassen geben wird.
Angesichts dieser Bedrohungen wird die Rolle der Apotheken als unverzichtbare Säule der Gesundheitsversorgung immer deutlicher. Die Apotheken sind nicht nur die erste Anlaufstelle für Patienten, sondern auch ein entscheidender Faktor bei der Bewältigung von Lieferengpässen. Durch die Beschaffung von Restbeständen bei anderen Apotheken oder den Import von Arzneimitteln aus anderen EU-Staaten stellen die Apotheker sicher, dass die Kontinuität der Arzneimittelversorgung gewährleistet bleibt.
Das Notfallmanagement der Apotheken ist ein komplexer Prozess, der weit über die einfache Lagerhaltung hinausgeht. Apothekerinnen und Apotheker müssen ständig den Markt überwachen, um Lieferprobleme frühzeitig zu erkennen und alternative Lösungen zu finden. Dabei spielt die enge Zusammenarbeit mit Ärzten eine entscheidende Rolle. In Absprache mit den behandelnden Ärzten kann eine generische Substitution des ausgefallenen Arzneimittels mit wirkstoffidenten Präparaten vorgenommen werden.
Ein weiteres Instrument im Kampf gegen Engpässe ist die sogenannte Magistrale Zubereitung. Dabei handelt es sich um die individuelle Herstellung von Arzneimitteln in der Apotheke, wenn der benötigte Wirkstoff in Arzneibuchqualität verfügbar ist. Diese Maßnahme erfordert jedoch eine hohe fachliche Kompetenz und ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden.
Medikamenten-Engpässe sind kein neues Phänomen. Bereits in den 1970er Jahren kam es in Österreich zu Lieferproblemen, die durch geopolitische Krisen und wirtschaftliche Turbulenzen ausgelöst wurden. Doch während damals vor allem Rohstoffknappheit und fehlende Produktionskapazitäten die Hauptursachen waren, sind die heutigen Engpässe oft das Ergebnis globalisierter Lieferketten und Just-in-Time-Produktionsprozesse.
Im Vergleich zu anderen Ländern ist Österreich jedoch relativ gut aufgestellt. Während in Großbritannien und den USA regelmäßig über dramatische Engpässe berichtet wird, bleibt die Lage in Österreich dank der proaktiven Maßnahmen der Apotheken weitgehend stabil.
Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Arbeit der Apotheken ein Stück Sicherheit in unsicheren Zeiten. Der Gedanke, dass lebenswichtige Medikamente plötzlich nicht mehr verfügbar sein könnten, ist beängstigend. Doch dank der engagierten Arbeit der Apotheker bleibt diese Sorge für die meisten Menschen eine theoretische.
Die Belastung für die Apotheken ist jedoch enorm. Der erhöhte Arbeitsaufwand für die Beschaffung und die Suche nach Alternativen geht mit einer hohen Kostenbelastung einher. Zudem geht wertvolle Zeit für andere, patientenzentrierte Aufgaben verloren. Eine pharmazeutische Vollzeitkraft in der Apotheke ist mittlerweile allein damit beschäftigt, von Lieferproblemen betroffene Arzneimittel zu beschaffen.
Ein Experte aus der Gesundheitsbranche erklärt: „Die Herausforderungen werden in den kommenden Jahren nicht weniger werden. Die zunehmende Globalisierung und der Druck auf die Lieferketten werden das Risiko von Engpässen weiter erhöhen. Doch die Apotheken in Österreich haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, auch mit schwierigen Situationen umzugehen.“
Ein weiterer Fachmann ergänzt: „Es wird entscheidend sein, dass die Apotheken weiterhin die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Investitionen in die Digitalisierung und die Verbesserung der Logistik könnten dazu beitragen, die Effizienz weiter zu steigern und Engpässe noch besser abzufedern.“
Die Zukunft der Medikamentenversorgung in Österreich hängt von vielen Faktoren ab. Die Apothekerkammer setzt sich dafür ein, dass die Apotheken auch weiterhin die notwendigen Ressourcen und Unterstützung erhalten, um ihre wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung wahrzunehmen.
Ein möglicher Ansatz zur Verbesserung der Situation könnte die Schaffung eines zentralen Logistikzentrums für Arzneimittel sein, das die Verteilung optimiert und Engpässe schneller erkennt. Auch die Förderung der heimischen Produktion von Arzneimitteln könnte dazu beitragen, die Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu reduzieren.
Der Austrian Health Report 2025 zeigt, dass trotz der Herausforderungen die Apotheken eine unverzichtbare Rolle in der Gesundheitsversorgung spielen. Ihre Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten die Versorgung sicherzustellen, verdient Anerkennung und Unterstützung.