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Löwin der Toleranz: Kunst gegen Stigmatisierung in Mauer

13. März 2026 um 12:48
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Ein kraftvolles Symbol für Toleranz und gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen wurde am Freitag beim Landesklinikum Mauer enthüllt. Die "Löwin der Toleranz" des renommierten Künstlers H...

Ein kraftvolles Symbol für Toleranz und gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen wurde am Freitag beim Landesklinikum Mauer enthüllt. Die "Löwin der Toleranz" des renommierten Künstlers Helmut Swoboda ist die 14. Statue des Charity-Projekts "Die Löwinnen sind los" des Lions Club Neuhofen – Wiege Österreichs. Mit der Präsentation der außergewöhnlichen Skulptur wurde nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Entstigmatisierung geleistet, sondern auch ein beeindruckendes Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Niederösterreich gesetzt.

Charity-Initiative sammelt über 32.000 Euro für psychische Gesundheit

Das ambitionierte Projekt des Lions Club konnte beeindruckende 32.800 Euro für Projekte sammeln, die der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zugutekommen. "Das wird in der Gesellschaft gerade jetzt dringend gebraucht", betonte Brigitte Bartmann, Präsidentin des Lions Club Neuhofen – Wiege Österreichs, bei der feierlichen Enthüllung. Die Spendensumme unterstreicht das große gesellschaftliche Engagement der Region und zeigt, wie wichtig den Menschen das Thema mentale Gesundheit geworden ist.

Landesrat Anton Kasser würdigte das Projekt als "Vorzeigeinitiative" und hob besonders die Zusammenarbeit mit den Gemeinden hervor. "Von der ersten Stunde an hat der Lions-Club den Kontakt zu den Gemeinden gesucht, um Sponsorengelder für Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu organisieren. Besonders die Gemeinden wissen, wo der Bedarf ist", erklärte Kasser während der Präsentation.

Psychische Erkrankungen: Ein Tabuthema bricht auf

In Österreich leiden etwa 20 Prozent der Bevölkerung an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Dennoch herrscht nach wie vor ein gesellschaftliches Schweigen rund um mentale Gesundheitsprobleme. Begriffe wie "Stigmatisierung" beschreiben den Prozess, bei dem Menschen aufgrund ihrer psychischen Erkrankung ausgegrenzt oder diskriminiert werden. Diese gesellschaftliche Ächtung führt oft dazu, dass Betroffene ihre Probleme verschweigen und keine professionelle Hilfe suchen.

Das Landesklinikum Mauer, eine Spezialklinik für Psychiatrie und Neurologie, behandelt jährlich tausende Patienten mit verschiedensten psychischen Erkrankungen. Regina Bauer, kaufmännische Direktorin des Klinikums, sieht in der Löwin-Statue ein wichtiges Signal: "Die Löwin steht für Toleranz und was passt besser zu unserem Standort als Toleranz? Diese Aktion hilft auch Betroffenen und deren Angehörigen, denn das Tabuthema der psychischen Erkrankungen wird aufgegriffen."

Entstigmatisierung als gesellschaftliche Aufgabe

Die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen ist eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung. Während körperliche Leiden meist mit Verständnis und Mitgefühl begegnet wird, stoßen psychische Probleme oft auf Unverständnis oder Angst. Christian Haberhauer, Bürgermeister von Amstetten, betonte: "Das Thema Toleranz der zweiten Löwin, die in unserem Gemeindegebiet steht, trägt zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen bei."

  • Aufklärungsarbeit in Schulen und Gemeinden
  • Öffentliche Diskussionen über mentale Gesundheit
  • Kunst als Medium zur Bewusstseinsbildung
  • Professionelle Unterstützung für Betroffene und Angehörige

Künstlerische Vision: Abstraktion schafft Verständnis

Helmut Swoboda, der renommierte österreichische Bildhauer, schuf mit seiner "Löwin der Toleranz" ein außergewöhnliches Kunstwerk. In einer Videobotschaft erklärte der Künstler seine Intention: "Ich habe bewusst keinen realistischen Tierkopf gestaltet, sondern über die Abstraktion Bewegungen und Gegenbewegungen in einen Dialog treten lassen. Durch das Miteinander ist letztendlich ein Löwinnen-Kopf entstanden."

Diese künstlerische Herangehensweise spiegelt das Thema Toleranz auf mehreren Ebenen wider. Swoboda versteht seine Skulptur als Metapher für gesellschaftliche Prozesse: "So wie sich die freien Formen zu einem Tierkopf zusammenfügen, ist es auch im Leben: Die Menschen entwickeln sich im Miteinander zu humanen Wesen." Die abstrakte Gestaltung fordert die Betrachter heraus, eigene Interpretationen zu entwickeln und sich aktiv mit dem Thema Toleranz auseinanderzusetzen.

Landesausstellung 2026: "Wenn die Welt Kopf steht"

Die Präsentation der Löwin-Statue steht in direktem Zusammenhang mit der Niederösterreichischen Landesausstellung 2026, die unter dem programmatischen Titel "Wenn die Welt Kopf steht" im Landesklinikum Mauer stattfinden wird. Landesrat Kasser betonte: "Das Thema Toleranz der 14. Löwin ist auch ein zentrales Thema bei der Landesausstellung 2026. Die Landesausstellung ist voll angelaufen und bringt wichtige Impulse für die gesamte Region – auch in den nächsten Jahrzehnten."

Die Entscheidung, eine Landesausstellung in einem aktiven Krankenhaus durchzuführen, ist europaweit einzigartig. Erwin Klissenbauer, Geschäftsführer der NÖ Landesausstellung, erklärte: "Es ist einzigartig in Niederösterreich, Österreich und wahrscheinlich in ganz Europa, dass eine Landesausstellung in einem Krankenhaus bei laufendem Betrieb stattfindet, die mehrere 100.000 Besucher anziehen soll."

Wirtschaftliche und kulturelle Impulse für die Region

Michaela Hinterholzer, Obfrau der LEADER-Region Moststraße, verwies auf die positiven Auswirkungen vergangener Landesausstellungen: "Sie gibt den Menschen Selbstbewusstsein und ist ein großer wirtschaftlicher Impuls." Die Region Moststraße, die geografisch zwischen St. Pölten und Steyr liegt, profitiert traditionell stark von kulturellen Großveranstaltungen.

Die LEADER-Region Moststraße umfasst 29 Gemeinden mit insgesamt etwa 120.000 Einwohnern. Durch die Landesausstellung werden nicht nur touristische Besucherströme erwartet, sondern auch nachhaltige Infrastrukturinvestitionen getätigt. Hinterholzer betonte: "Wichtig war auch, durch die Renovierung der Gebäude die Wertschätzung gegenüber diesem Klinikum zu heben."

Lions Club: Internationale Hilfsorganisation mit lokaler Verankerung

Der Lions Club, der das Projekt "Die Löwinnen sind los" initiierte, ist die größte Service-Club-Organisation der Welt. Gegründet 1917 in Chicago, zählt Lions International heute über 1,4 Millionen Mitglieder in mehr als 200 Ländern. In Österreich gibt es etwa 4.500 Lions-Mitglieder in rund 160 Clubs, die sich für gemeinnützige Zwecke engagieren.

Der Lions Club Neuhofen – Wiege Österreichs wurde nach der historischen Bedeutung der Region benannt. Die Moststraße und das angrenzende Gebiet gelten als "Wiege Österreichs", da hier im Jahr 996 erstmals der Name "Ostarrichi" urkundlich erwähnt wurde. Diese historische Verbindung spiegelt sich auch in den Aktivitäten des Clubs wider, der sich besonders für regionale Projekte einsetzt.

Kunstprojekt mit gesellschaftlicher Strahlkraft

Das Projekt "Die Löwinnen sind los" verbindet auf innovative Weise Kunst im öffentlichen Raum mit sozialem Engagement. Bereits 13 Löwinnen wurden in Gemeinden im Bezirk Amstetten aufgestellt, wodurch ein zusammenhängendes Netzwerk von Kunstwerken entstanden ist. Jede Skulptur thematisiert dabei verschiedene gesellschaftliche Aspekte und regt zum Nachdenken an.

Die Löwen-Symbolik wurde bewusst gewählt, da sie für Stärke, Mut und Gemeinschaftssinn steht – Eigenschaften, die auch im Kampf gegen gesellschaftliche Vorurteile benötigt werden. Die weibliche Form "Löwin" unterstreicht zusätzlich die fürsorgliche und beschützende Komponente des Projekts.

Vergleich mit anderen Bundesländern

Ähnliche Kunstprojekte mit sozialem Hintergrund gibt es auch in anderen österreichischen Bundesländern. In der Steiermark etwa wurde das Projekt "Bunte Kühe" realisiert, das ebenfalls Spenden für wohltätige Zwecke sammelte. Wien setzte mit den "United Buddy Bears" auf internationale Völkerverständigung, während Tirol mit den "Swarovski-Kristallwelten" Kunst und Tourismus verband.

Das Besondere am niederösterreichischen Projekt liegt jedoch in der direkten Verbindung zu einem so sensiblen Thema wie der psychischen Gesundheit. Während andere Initiativen oft allgemeine wohltätige Zwecke verfolgen, adressiert "Die Löwinnen sind los" gezielt ein gesellschaftliches Tabuthema.

Zukunftsperspektiven: Nachhaltiger Wandel durch Kunst

Die langfristigen Auswirkungen des Löwinnen-Projekts könnten weit über die unmittelbare Spendensumme hinausreichen. Experten für Kunsttherapie und gesellschaftliche Integration sehen in solchen Initiativen wichtige Katalysatoren für Bewusstseinswandel. Kunst im öffentlichen Raum erreicht Menschen, die sich sonst nicht aktiv mit schwierigen Themen auseinandersetzen würden.

Die Kombination aus der bevorstehenden Landesausstellung und dem dauerhaften Verbleib der Kunstwerke in der Region schafft eine nachhaltige Präsenz des Toleranz-Gedankens. Besucher werden auch Jahre nach der Ausstellung an die Botschaft erinnert, wenn sie die Löwinnen in den Gemeinden entdecken.

Impulse für weitere Projekte

Der Erfolg der Initiative könnte als Vorbild für andere Regionen und Organisationen dienen. Die Verbindung von Kunst, sozialer Verantwortung und regionalem Engagement zeigt neue Wege auf, wie gesellschaftliche Herausforderungen kreativ angegangen werden können. Bereits jetzt zeigen andere Lions Clubs Interesse an ähnlichen Projekten.

Das Landesklinikum Mauer wird durch die Landesausstellung und die dauerhafte Präsenz der Löwin zu einem Leuchtturm für die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. Die Mitarbeiter des Klinikums, die laut Landesrat Kasser "sich wirklich mit Herzblut jeden Tag um die Patientinnen und Patienten kümmern", erhalten durch die öffentliche Aufmerksamkeit zusätzliche Anerkennung für ihre wichtige Arbeit.

Die "Löwin der Toleranz" steht somit nicht nur als Kunstwerk im Raum, sondern als Symbol für einen gesellschaftlichen Wandel, der durch kreative Ansätze und gemeinschaftliches Engagement vorangetrieben wird. In einer Zeit, in der psychische Erkrankungen zunehmen und gleichzeitig die Bereitschaft wächst, über mentale Gesundheit zu sprechen, könnte dieses Projekt wegweisend für ganz Österreich werden.

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