Die Lenzing AG, ein führender Anbieter von regenerierten Cellulosefasern, hat am 29. September 2025 eine umfassende Weiterentwicklung ihrer Unternehmensstrategie bekanntgegeben. Diese Anpassungen zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens in einem zunehmend schwierigen globalen Umfe
Die Lenzing AG, ein führender Anbieter von regenerierten Cellulosefasern, hat am 29. September 2025 eine umfassende Weiterentwicklung ihrer Unternehmensstrategie bekanntgegeben. Diese Anpassungen zielen darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens in einem zunehmend schwierigen globalen Umfeld zu stärken. Die Herausforderungen auf den internationalen Textil- und Vliesstoffmärkten, gepaart mit geopolitischen Entwicklungen, erfordern von Lenzing eine strategische Neuausrichtung, die sowohl auf Effizienz als auch auf Innovation setzt.
Ein zentraler Bestandteil der neuen Strategie ist der verstärkte Fokus auf margenstarke Marktsegmente und Premiumfasern. Lenzing plant, sich schrittweise aus margenschwachen Commodity-Segmenten zurückzuziehen und stattdessen auf hochwertige Produkte wie TENCEL™, VEOCEL™ und LENZING™ ECOVERO™ zu setzen. Diese Premiumfasern versprechen nicht nur höhere Margen, sondern auch eine stärkere Marktstellung in wertschöpfungsstarken Endmärkten.
Parallel dazu werden umfassende Kostensenkungsmaßnahmen umgesetzt, die auch einen signifikanten Stellenabbau am österreichischen Hauptsitz beinhalten. Bis Ende 2025 sollen 250 Stellen, vorwiegend im Verwaltungsbereich, abgebaut werden, was zu jährlichen Einsparungen von mindestens 25 Millionen Euro führen soll. Weitere 300 Stellen könnten bis 2027 im Zuge der Internationalisierung wegfallen. Diese Maßnahmen sind Teil eines neuen Sozialplans, der in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat entwickelt wurde.
Um die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Standorte nachhaltig zu stärken, plant Lenzing strategische Investitionen von über 100 Millionen Euro. Diese Investitionen sollen bis Ende 2027 umgesetzt werden und umfassen sowohl die Standorte in Lenzing als auch in Heiligenkreuz. Letzterer soll durch gezielte Investitionen in neue Technologien seine globale Führungsposition als umweltfreundlichste Produktionsstätte für Spezialfasern weiter ausbauen.
Ein weiterer strategischer Schritt ist die Überprüfung des Produktionsstandorts in Indonesien. Diese Überprüfung könnte zu einer nicht zahlungswirksamen Abschreibung führen und den Fokus noch stärker auf margenstärkere Premium-Markenfasern lenken. Die geplanten Wertberichtigungen für langfristige Vermögenswerte könnten sich negativ auf das konsolidierte EBIT und den Jahresüberschuss auswirken, jedoch keine Auswirkungen auf das EBITDA haben.
Die weltweite Nachfrage nach nachhaltigen Cellulosefasern wird in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich um fünf bis sechs Prozent jährlich steigen. Lenzing plant, von diesem Wachstum zu profitieren, indem es den Fokus auf wachstumsstarke Segmente wie Lyocell und Modal legt. Diese Segmente, obwohl relativ klein, bieten attraktive Wachstumschancen, die Lenzing durch den Ausbau seiner Marktpräsenz in Asien und Nordamerika erschließen möchte.
Die Internationalisierung wird nicht nur durch den Ausbau der Produktionskapazitäten vorangetrieben, sondern auch durch die Stärkung der Innovationszentren für Applikationen. Strategische Partnerschaften mit Kunden sollen die technologische Führungsposition von Lenzing weiter ausbauen und die regionale Vertriebsorganisation stärken.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der neuen Strategie ist die ganzheitliche Energieoptimierung an allen Produktionsstandorten. Lenzing strebt eine Energieverbrauchsreduktion um mehr als fünf Prozent an, um sowohl Kostenvorteile als auch Nachhaltigkeitseffekte zu erzielen. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenden Programms für operative Exzellenz, das darauf abzielt, die Arbeits- und Anlagenproduktivität zu steigern.
Die Lenzing Gruppe verfolgt zudem einen klaren wissenschaftlich fundierten Klimaaktionsplan, der eine deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2030 und ein Netto-Null-Ziel bis 2050 vorsieht. Diese Maßnahmen sind ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie, die darauf abzielt, die Textilindustrie von einem linearen Wirtschaftssystem zu einer Kreislaufwirtschaft umzugestalten.
Mit den eingeleiteten Maßnahmen strebt Lenzing an, seine Position als Premiumanbieter für nachhaltige Cellulosefasern zu stärken. Das Unternehmen erwartet, auch in einem schwierigen Marktumfeld wertsteigernd zu wachsen und die Resilienz zu erhöhen. Eine etwaige Markterholung könnte zusätzlichen Rückenwind für die Unternehmensentwicklung bedeuten.
Der Vorstand von Lenzing bestätigt den Ausblick auf ein EBITDA, das über dem Vorjahreswert für das Geschäftsjahr 2025 liegt. Auf Basis der weiterentwickelten Strategie und der definierten Maßnahmen strebt Lenzing ein EBITDA von rund 550 Millionen Euro für 2027 an, sofern sich das Marktumfeld nicht verändert und geopolitische Stabilität herrscht.
Die kommenden Jahre werden für Lenzing entscheidend sein, um die geplanten Maßnahmen erfolgreich umzusetzen und die angestrebten Ziele zu erreichen. Die Kombination aus strategischen Investitionen, innovativen Produktlösungen und einer klaren Fokussierung auf nachhaltige Geschäftsmodelle wird Lenzing helfen, sich in einem dynamischen und herausfordernden Marktumfeld zu behaupten.