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LEADER-Förderung: 50 Millionen Euro Investitionen im Kamptal

25. März 2026 um 11:04
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Eine beeindruckende Erfolgsbilanz präsentierte sich am Mittwoch in Gföhl: Die neu gestartete #LEADERwirkt-Tour machte Station in der LEADER-Region Kamptal und enthüllte, wie EU-Fördergelder seit me...

Eine beeindruckende Erfolgsbilanz präsentierte sich am Mittwoch in Gföhl: Die neu gestartete #LEADERwirkt-Tour machte Station in der LEADER-Region Kamptal und enthüllte, wie EU-Fördergelder seit mehr als 25 Jahren die ländliche Entwicklung in Niederösterreich revolutionieren. Landesrat Anton Kasser verkündete eine Investitionssumme von 50 Millionen Euro, die durch LEADER-Projekte in der Region ausgelöst wurde – ein Beweis dafür, wie europäische Regionalförderung konkret vor der Haustür wirkt.

LEADER-Programm: Das Fundament für ländliche Innovation

Das LEADER-Programm (Liaison entre actions de développement de l'économie rurale) ist eine Initiative der Europäischen Union zur Förderung der ländlichen Entwicklung, die seit 1991 existiert. Der innovative Ansatz: Nicht Brüssel oder Wien entscheiden über Projekte, sondern die lokalen Akteure selbst. "Die Ideen kommen von den Gemeinden und den Bürgerinnen und Bürgern, die die Projekte tragen und umsetzen", betonte Landesrat Kasser bei der Präsentation. Dieses Bottom-up-Prinzip unterscheidet LEADER grundlegend von herkömmlichen Förderprogrammen und macht es zu einem Erfolgsmodell für dezentrale Regionalentwicklung.

Die Finanzierung erfolgt nach einem bewährten Dreisäulensystem: 50 Prozent der Fördermittel stammen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), je 25 Prozent übernehmen Bund und Land. Dieses Modell ermöglicht es auch kleineren Gemeinden, ambitionierte Projekte zu realisieren, die ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen würden.

Kamptal: Vorreiterregion mit beeindruckender Bilanz

Die LEADER-Region Kamptal umfasst seit 1997 insgesamt 25 Gemeinden mit knapp 50.000 Einwohnern und erstreckt sich vom südlichen Waldviertel bis ins Herz dieser charakteristischen niederösterreichischen Landschaft. Landtagsabgeordneter Josef Edlinger, der als Obmann der Region fungiert, präsentierte stolz die Erfolgszahlen: "Seit 1997 wurden 620 Projekte umgesetzt. 22 Millionen Euro an Fördermitteln wurden eingesetzt."

Diese beachtliche Summe verteilte sich strategisch auf verschiedene Bereiche: 60 Prozent flossen in Tourismus und Wirtschaft, 20 Prozent in soziale Projekte und Gemeinschaftsinitiativen, 18 Prozent in die Bereiche Freizeit, Kultur und Natur sowie zwei Prozent in Klimaschutz und Klimawandelanpassungsmaßnahmen. Diese Verteilung spiegelt die ausgewogene Herangehensweise der Region wider, die sowohl wirtschaftliche Entwicklung als auch Lebensqualität im Fokus hat.

Konkrete Projekte mit direktem Bürgerbezug

Die Vielfalt der LEADER-Projekte im Kamptal zeigt eindrucksvoll, wie breit das Spektrum möglicher Initiativen ist. Andreas Pichler, Bürgermeister der Marktgemeinde Lichtenau, stellte die "VOLT-Radrunde" vor – ein grenzüberschreitendes Radwegeprojekt, das sieben Gemeinden verbindet und sowohl den Tourismus stärkt als auch die regionale Mobilität fördert. "Dieses Projekt wäre ohne LEADER unmöglich", betonte Pichler und verdeutlichte damit die katalytische Wirkung der EU-Förderung.

Besonders innovativ zeigt sich das Projekt "Zeitpolster" in Gföhl, das Bürgermeister Franz Holzer präsentierte. Dieses System funktioniert nach dem Prinzip einer sozialen Zeitbank: Freiwillige unterstützen ältere oder hilfsbedürftige Mitbürger bei Einkäufen, Behördengängen oder leisten einfach Gesellschaft. Die geleisteten Stunden werden gutgeschrieben und können später selbst "konsumiert" werden – ein nachhaltiges Modell für nachbarschaftliche Solidarität.

Wirtschaftsförderung und Leerstandsbekämpfung

Ein weiteres Vorzeigeprojekt stellt die "Wirtschaftsinitiative Langenlois" dar, mit der Bürgermeister Harald Leopold das Problem des Innenstadtleerstands angeht. Durch professionelles Leerstandsmanagement und die gezielte Vermittlung zwischen Immobilieneigentümern und Wirtschaftstreibenden wird die Ortskernbelebung vorangetrieben. Solche Initiativen sind österreichweit von großer Bedeutung, da viele ländliche Zentren mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen.

Franz Aschauer, Bürgermeister von Jaidhof, demonstrierte mit dem Projekt "Unser Laden" eine besonders pragmatische Lösung: Auf dem Areal einer ehemaligen Tankstelle entstand ein Verkaufscontainer für regionale Produkte. Die strategische Lage an der Bundesstraße B37 sorgt für hohe Frequenz und unterstützt gleichzeitig die lokalen Produzenten – ein Beispiel für die Verbindung von Standortvorteil und regionaler Wertschöpfung.

Kultur und Bildung als Entwicklungsmotor

Das kulturelle Erbe der Region wird durch Projekte wie den Kultur- und Naturerlebnisweg "Fanny von Galgenberg" in Stratzing erlebbar gemacht. Margit Steinmetz, Geschäftsführende Gemeinderätin, erklärte das Konzept: Rund um den bedeutenden archäologischen Fund der Venus von Galgenberg entstand ein Eiszeitwanderweg mit informativen Thementafeln. Das neu errichtete Fannyloft mit Veranstaltungssaal und der zusätzliche Motorikpark schaffen einen multifunktionalen Erlebnisraum, der Bildung, Kultur und Gesundheitsförderung verbindet.

Das "Besucherzentrum Allentsteig", vorgestellt von Bürgermeister Karl Elsigan, zeigt beispielhaft, wie durch Kooperationen zwischen verschiedenen Ebenen – Kleinregion, Gemeinde und Bundesministerium für Landesverteidigung – innovative Bildungseinrichtungen entstehen. Als Ortskernentwicklungsprojekt konzipiert, wird es sowohl touristische als auch wirtschaftliche Impulse setzen.

Österreichweiter Vergleich und Bedeutung

Die Erfolge im Kamptal stehen exemplarisch für die österreichweite LEADER-Bilanz. Insgesamt gibt es in Österreich 79 LEADER-Regionen, die in der aktuellen Förderperiode 2014-2020 über 320 Millionen Euro an EU-Mitteln zur Verfügung hatten. Niederösterreich nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein: Mit 19 LEADER-Regionen deckt das Bundesland nahezu das gesamte ländliche Gebiet ab und mobilisiert so systematisch das Entwicklungspotenzial seiner Regionen.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern zeigt sich die besonders hohe Projektdichte in Niederösterreich. Während in alpinen Regionen oft touristische Großprojekte im Vordergrund stehen, setzt das Kamptal auf eine breite Palette kleinerer bis mittlerer Initiativen, die verschiedene Lebensbereiche abdecken. Dieser Ansatz ermöglicht es, eine größere Anzahl von Bürgern direkt zu erreichen und gleichzeitig das soziale Gefüge zu stärken.

Herausforderungen und Zukunftsperspektiven

Trotz der beeindruckenden Erfolge stehen LEADER-Regionen wie das Kamptal vor neuen Herausforderungen. Der demografische Wandel, die Digitalisierung und der Klimawandel erfordern innovative Lösungsansätze. Die neue Förderperiode 2021-2027 setzt daher verstärkt auf Themen wie Smart Villages, nachhaltige Mobilität und Klimawandelanpassung.

Besonders die Digitalisierung bietet Chancen für ländliche Räume: Durch Breitbandausbau und innovative digitale Dienste können Nachteile peripherer Lagen ausgeglichen werden. Coworking-Spaces, Telemedizin und E-Government-Lösungen sind nur einige Beispiele für zukunftsweisende LEADER-Projekte der kommenden Jahre.

Bürgerbeteiligung als Erfolgsfaktor

Der besondere Erfolg des LEADER-Ansatzes liegt in der aktiven Einbindung der Bevölkerung. Anders als bei top-down organisierten Förderprogrammen entwickeln die Menschen vor Ort ihre eigenen Ideen und setzen diese eigenverantwortlich um. Dies führt zu einer hohen Identifikation mit den Projekten und gewährleistet deren nachhaltige Wirkung.

Die Lokalen Aktionsgruppen (LAG) fungieren dabei als zentrale Steuerungsinstanz. Sie bestehen aus Vertretern der Gemeinden, der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft und entscheiden über die Vergabe der Fördermittel. Dieses partizipative Modell stärkt die demokratische Teilhabe und fördert die regionale Kooperation über Gemeindegrenzen hinweg.

Wirtschaftliche Multiplikatoreffekte

Die Investitionssumme von 50 Millionen Euro im Kamptal verdeutlicht den beachtlichen Hebel-Effekt der LEADER-Förderung. Für jeden eingesetzten Förder-Euro werden durchschnittlich 2,3 Euro an Gesamtinvestitionen ausgelöst. Dies geschieht durch die verpflichtenden Eigenanteile der Projektträger sowie durch indirekte Effekte wie Folgeaufträge und touristische Mehreinnahmen.

Besonders kleine und mittlere Unternehmen profitieren von dieser Förderlogik. Sie erhalten durch LEADER-Unterstützung Zugang zu Investitionsmöglichkeiten, die ihre eigenen finanziellen Ressourcen übersteigen. Gleichzeitig entstehen durch die Projekte neue Geschäftsfelder und Kooperationsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Branchen.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Obwohl bisher nur zwei Prozent der Mittel explizit in Klimaschutzmaßnahmen flossen, haben viele LEADER-Projekte positive Umwelteffekte. Radwegenetze fördern nachhaltige Mobilität, regionale Vermarktungsinitiativen reduzieren Transportwege, und innovative Energieprojekte unterstützen die Energiewende auf lokaler Ebene.

Die neue Förderperiode wird Umwelt- und Klimaschutz noch stärker gewichten. Smart Villages-Konzepte integrieren beispielsweise intelligente Energiesysteme, nachhaltige Mobilität und digitale Verwaltung zu ganzheitlichen Lösungen für zukunftsfähige Dörfer.

Ausblick: LEADER als Modell für Europa

Die #LEADERwirkt-Tour, die im Kamptal ihren Auftakt nahm, wird in den kommenden Monaten weitere niederösterreichische LEADER-Regionen besuchen. Ziel ist es, die Erfolgsgeschichten sichtbar zu machen und Best-Practice-Beispiele zu dokumentieren. Diese Erkenntnisse fließen in die Weiterentwicklung des Programms ein und dienen anderen Regionen als Orientierung.

International gilt das österreichische LEADER-Modell als besonders erfolgreich. Die hohe Projektdichte, die effiziente Verwaltung und die starke Bürgerbeteiligung werden von anderen EU-Mitgliedstaaten als Vorbild betrachtet. Österreichische Experten sind daher häufig als Berater in anderen Ländern tätig und tragen zur europaweiten Verbreitung bewährter Praktiken bei.

Die Bilanz von 620 umgesetzten Projekten in nur einer Region zeigt eindrucksvoll: LEADER ist mehr als nur ein Förderprogramm – es ist ein Instrument der Demokratisierung der Regionalentwicklung. Indem es den Menschen vor Ort die Gestaltung ihrer Heimat ermöglicht, stärkt es sowohl die wirtschaftliche Basis als auch den sozialen Zusammenhalt ländlicher Räume. Für die Zukunft der europäischen Landentwicklung wird dieser partizipative Ansatz noch wichtiger werden.

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