In Kärnten brodelt es: Ein Thema, das für viele Betriebe existenzbedrohend ist, rückt in den Fokus der öffentlichen Debatte. Der Krankenstandsmissbrauch in der Kärntner Gastronomie sorgt für hitzige Diskussionen und lässt Unternehmer sowie Arbeitnehmer gleichermaßen aufhorchen. Am 19. September 2025
In Kärnten brodelt es: Ein Thema, das für viele Betriebe existenzbedrohend ist, rückt in den Fokus der öffentlichen Debatte. Der Krankenstandsmissbrauch in der Kärntner Gastronomie sorgt für hitzige Diskussionen und lässt Unternehmer sowie Arbeitnehmer gleichermaßen aufhorchen. Am 19. September 2025 veröffentlichte die Wirtschaftskammer Kärnten eine Pressemitteilung, die deutlich macht, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht.
Die Wirtschaftskammer Kärnten hat im Frühjahr 2025 eine Umfrage unter ihren Mitgliedsbetrieben durchgeführt, deren Ergebnisse alarmierend sind. 96 Prozent der befragten Betriebe waren im Vorjahr von Krankenständen betroffen. Über 70 Prozent der Unternehmen registrierten eine Zunahme der Krankenstände, wobei mehr als zwei Drittel fehlende Kontrollen als wesentliche Ursache dafür sehen. Besonders besorgniserregend ist, dass mehr als 40 Prozent der Betriebe von wiederholten kurzen Krankenständen berichten.
Diese Zahlen sind nicht nur statistische Werte, sondern spiegeln eine Realität wider, die für viele Betriebe in Kärnten existenzbedrohend ist. Der Fachgruppenobmann der Kärntner Gastronomie, Stefan Sternad, beschreibt die Situation als dramatisch und fordert sofortige Maßnahmen. „Die Belastung durch Scheinkrankenstände ist enorm. Sie treten oft an Fenstertagen auf und werden mitunter rückwirkend bekanntgegeben, besonders häufig in der Kündigungsfrist“, erklärt Sternad.
Krankenstandsmissbrauch bezeichnet die ungerechtfertigte Inanspruchnahme von Krankenstandstagen. Das bedeutet, dass Arbeitnehmer ihre Krankheitstage nutzen, obwohl sie nicht wirklich krank sind. Dieses Verhalten belastet nicht nur die Betriebe finanziell, sondern auch das gesamte Sozialversicherungssystem.
Krankenstände sind kein neues Phänomen. Bereits seit Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung im 19. Jahrhundert gibt es Regelungen, die Arbeitnehmer im Krankheitsfall absichern sollen. Doch mit der Zeit haben sich die Herausforderungen verändert. Während früher vor allem schwere Erkrankungen im Vordergrund standen, sind es heute oft psychische Belastungen oder stressbedingte Erkrankungen, die zu Krankenständen führen.
In den letzten Jahrzehnten hat sich der Fokus zunehmend auf die Prävention von Krankenständen verlagert. Gesundheitsfördernde Maßnahmen am Arbeitsplatz und eine stärkere Sensibilisierung für psychische Gesundheit sind nur einige der Ansätze, die verfolgt werden. Dennoch bleibt der Missbrauch von Krankenstandstagen ein ungelöstes Problem.
Der Missbrauch von Krankenstandstagen hat weitreichende Folgen, die über die betroffenen Betriebe hinausgehen. Für die Arbeitnehmer bedeutet es, dass sie in einem Umfeld arbeiten, in dem Misstrauen herrscht. Arbeitgeber könnten versuchen, die Kontrollen zu verschärfen, was zu einem angespannten Arbeitsklima führen kann.
Für die Betriebe sind die finanziellen Belastungen erheblich. Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist gesetzlich geregelt und stellt für viele Unternehmen eine große Belastung dar. Besonders kleine und mittlere Betriebe, die ohnehin mit knappen Margen arbeiten, sind hiervon betroffen.
Auch das Gesundheitssystem leidet unter dem Missbrauch. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) sieht sich mit steigenden Kosten konfrontiert, die letztlich von allen Versicherten getragen werden müssen. „Es ist unerlässlich, dass wir hier gegensteuern und die Kontrollen verstärken“, fordert ein anonymer Experte aus dem Gesundheitswesen.
Kärnten ist nicht das einzige Bundesland, das mit dem Problem des Krankenstandsmissbrauchs zu kämpfen hat. Auch in anderen Teilen Österreichs gibt es ähnliche Herausforderungen. In Wien beispielsweise ist die Zahl der Krankenstandstage ebenfalls gestiegen, was auf ähnliche Ursachen wie in Kärnten zurückzuführen ist.
Ein Vergleich mit Tirol zeigt jedoch, dass es auch positive Beispiele gibt. Dort wurden in den letzten Jahren verstärkte Maßnahmen zur Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz eingeführt, die zu einem Rückgang der Krankenstandstage geführt haben. Diese Maßnahmen könnten als Vorbild für Kärnten dienen.
Die Problematik des Krankenstandsmissbrauchs ist eng mit politischen Entscheidungen verknüpft. Die gesetzlichen Regelungen zur Entgeltfortzahlung und die Zuständigkeiten der ÖGK sind politische Entscheidungen, die direkten Einfluss auf die Situation haben. „Es ist wichtig, dass die Politik hier Verantwortung übernimmt und die notwendigen Schritte einleitet, um den Missbrauch einzudämmen“, betont ein politischer Analyst.
Die Forderungen der Wirtschaftskammer Kärnten nach verstärkten Kontrollen und einer Chefarztpflicht ab dem zehnten Krankheitstag sind konkrete Vorschläge, die politisch umgesetzt werden könnten. Doch dies erfordert einen breiten Konsens und die Bereitschaft, auch unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen.
Um das Problem des Krankenstandsmissbrauchs nachhaltig zu lösen, bedarf es eines umfassenden Ansatzes. Präventive Maßnahmen zur Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz müssen mit verstärkten Kontrollen und klaren gesetzlichen Regelungen einhergehen. „Nur wenn alle Akteure – Arbeitgeber, Arbeitnehmer und die Politik – an einem Strang ziehen, können wir eine Lösung finden“, so ein weiterer Experte.
Ein möglicher Ansatz könnte die Einführung eines digitalen Systems zur Erfassung und Kontrolle von Krankenständen sein. Dieses könnte sowohl die Transparenz erhöhen als auch die Effizienz der Kontrollen verbessern. Zudem könnte eine stärkere Sensibilisierung der Arbeitnehmer für die Folgen des Missbrauchs zu einem Umdenken führen.
Die nächsten Monate werden zeigen, ob die politischen Entscheidungsträger bereit sind, die notwendigen Schritte zu gehen, um das Problem des Krankenstandsmissbrauchs in Kärnten und darüber hinaus zu lösen. Eines ist sicher: Die Zeit drängt, und die Betriebe in Kärnten brauchen dringend Unterstützung.