Die Künstliche Intelligenz verspricht eine Revolution in der Videoproduktion – doch die Praxis zeigt ein differenzierteres Bild. Bei einer hybriden Fachtagung der Content Performance Group (COPE) diskutierten Expert:innen über die tatsächlichen Möglichkeiten und Grenzen von KI-Tools in der Videoerstellung. Das Fazit der Vortragenden: KI ist ein nützliches Werkzeug, aber kein Allheilmittel für kreative Herausforderungen.
Die Künstliche Intelligenz verspricht eine Revolution in der Videoproduktion – doch die Praxis zeigt ein differenzierteres Bild. Bei einer hybriden DIGITAL INNOVATION SESSION der Content Performance Group (COPE) verfolgten rund 130 Gäste das Event live vor Ort und online. Die Vortragenden kamen zu dem Schluss: KI ist ein nützliches Werkzeug, aber kein Allheilmittel für kreative Herausforderungen.
Hana Greiner, Creative Director bei COPE, warnte vor einer problematischen Entwicklung: „Wir machen uns abhängig von instabilen US-Giganten. Und das Thema Brand Identity bleibt oft auf der Strecke.“ Sie kritisierte, dass viele auf dieselben KI-Tools zugreifen, wodurch Ergebnisse bei KI-Einsatz US-zentriert und einheitlich werden können.
Greiner betonte, dass Video im Marketingmix oft wenig Verständnis erfährt. „Shortform ist für Aufmerksamkeit, Longform ist für Erklärung und Vertrauen. Ideal wäre es, erst mit Longform-Content Vertrauen aufzubauen und Shortform-Content erst im zweiten Schritt einzubauen.“ In der Praxis sei die Reihenfolge oft umgekehrt: „Die meisten starten mit Shortform Content, weil das vermeintlich einfacher ist.“
Bei Shortform würden viele Stolpersteine lauern, etwa das Fehlen geeigneter Personen vor der Kamera, unnatürliche Sprache, fehlende oder falsch platzierte CTAs sowie schlechtes Storytelling. Greiner erläuterte, dass Storytelling bei Shortform anders funktioniere als bei klassischen Langformen, indem es statt auf klassische Spannungsbögen auf sich wiederholende Wellenbewegungen aus Hook, Konflikt und Lösung setzt.
Sie riet außerdem, die klassischen „W-Fragen“ zu bemühen: „Am Anfang sollten dabei immer die Fragen ,Was‘, dann ‚Warum‘ stehen“. Zudem müsse sichergestellt werden, dass der Content teilbar und kompakt erzählt ist. „Das ist Video-Strategie. Sie schafft die besten Voraussetzungen für eine Produktion – mit oder ohne KI“, so Greiner. Einen großen Vorteil sieht sie beim KI-Einsatz als Sparringpartner zum Kritisieren von Ideen und Konzepten, wobei ethische und rechtliche Bedenken zu beachten seien.
Der Videoproducer Alexander Korec sieht Nutzen für KI vor allem in der Pre-Production, etwa bei der Visualisierung für Kund:innenpräsentationen, und in der Post-Production bei Schnitt und Montage für Basisarbeiten. Bei der Produktion selbst sei KI selten sinnvoller als echte Drehs, weil Korrekturschleifen und Iterationen aufwändig sein können. Ausnahmen gebe es etwa bei realitätsfernen Szenen.
Korec sagte: „KI bietet sehr nützliche Tools und Werkzeuge, die wir gern nutzen. Einen Cutter als kreatives Mastermind wird sie so bald aber nicht ersetzen.“ Er wies zudem auf Grenzen bei KI-Stimmen hin, etwa bei Dialekten oder besonderen Tonlagen, und warnte vor unrealistischen Erwartungen an automatische Video‑Produktion per Knopfdruck.
Walter Dominic Berthold, Social Media Specialist und Brandface bei Tchibo, betonte die Bedeutung von Konsistenz und Authentizität für Markenpräsenz in Social Media. Für Tchibo sei es wichtig, als wiedererkennbare und sichtbare Marke aufzutreten; bei einer Kampagne für die Tchibo-Coffeebar etwa erzielte eine komödiantische Umsetzung über den Kampagnenzeitraum hohe Reichweite und Engagement und wird laut Berthold weiterhin organisch angesehen.
Berthold erklärte, dass er Social Media und Offline‑Erlebnisse verbinden wolle und dass er und eine Kollegin selbst vor der Kamera stehen, weil die Community Authentizität schätzt. Er sieht KI eher im strategischen Bereich als bei der eigentlichen Videoproduktion.
Die nächste DIGITAL INNOVATION SESSION wird am 10. Juni 2026 zum Thema KI & Kommunikationsstrategie stattfinden.
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