Arbeitgeber erfüllen Kernforderung nach Ist-Lohn-Erhöhung - Gewerkschaft lehnt dennoch ab
Trotz Zugeständnissen bei Ist-Löhnen und Mindestgehältern bleibt eine Einigung im IT-Kollektivvertrag aus. Wirtschaftslage belastet Verhandlungen.
Die Verhandlungen zum IT-Kollektivvertrag bleiben auch nach der sechsten Runde ohne Ergebnis. Obwohl die Arbeitgeberseite der zentralen Forderung der Gewerkschaft nach einer Erhöhung der Ist-Löhne nachgekommen ist, lehnte die GPA das Angebot ab. Diese Entwicklung sorgt für Frustration auf beiden Seiten und zeigt die angespannte Situation in der österreichischen IT-Branche.
Martin Zandonella, Verhandlungsleiter der Arbeitgeber im Fachverband Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Österreich, zeigt sich enttäuscht über die ablehnende Haltung der Gewerkschaft. "Die Ablehnung ist vor allem deshalb unverständlich, weil sie trotz unseres Angebots kommt, die Ist-Löhne zu erhöhen", erklärt Zandonella.
Das konkrete Angebot der Arbeitgeberseite umfasst eine Erhöhung der Ist-Gehaltssumme um zwei Prozent sowie eine Steigerung der Mindestgehälter um 2,5 Prozent. Damit ist die Arbeitgeberseite der seit langem erhobenen Kernforderung der Gewerkschaft nachgekommen, auch die tatsächlich bezahlten Löhne und nicht nur die Mindestlöhne anzuheben.
Zandonella stellt klar, dass weitere Zugeständnisse wirtschaftlich nicht vertretbar seien. "Bei einem Personalkostenanteil von bis zu 80 Prozent gibt es keinen weiteren Spielraum", betont der Arbeitgeber-Chefverhandler. Überzogenen Forderungen der Gewerkschaft erteilt er eine klare Absage: "Mehr ist für uns wirtschaftlich nicht vertretbar."
Diese Aussage verdeutlicht die besondere Situation in der IT-Branche, wo Personalkosten den größten Ausgabenposten darstellen. Im Gegensatz zu produktionsorientierten Branchen haben IT-Unternehmen weniger Möglichkeiten, durch Effizienzsteigerungen oder Automatisierung Kostensteigerungen zu kompensieren.
Die schwierige Wirtschaftslage macht sich in der IT-Branche besonders bemerkbar. Zandonella berichtet aus der Praxis: "Das spüren IT-Betriebe bei ihren Kundinnen und Kunden sowie bei der Auftragslage schmerzhaft." Die Auswirkungen sind vielfältig und betreffen verschiedene Geschäftsmodelle:
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung im Vergleich zu Deutschland. "Mittlerweile kann selbst in Deutschland billiger entwickelt werden. Dort sind die IT-Gehälter weit weniger stark gestiegen als hierzulande", warnt Zandonella. Diese Entwicklung stellt die österreichische IT-Branche vor große Herausforderungen, da Deutschland traditionell als teurerer Standort galt.
Die starken Gehaltssteigerungen der vergangenen Jahre in Österreich, die zunächst als positives Signal für die Attraktivität des IT-Standorts gewertet wurden, erweisen sich nun als Wettbewerbsnachteil. IT-Projekte werden zunehmend in Länder mit günstigeren Kostenstrukturen verlagert.
Im Zentrum der Arbeitgeberargumente steht die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze. "Den Arbeitgebern und der Wirtschaft ist es wichtig, Arbeitsplätze langfristig zu erhalten", unterstreicht Zandonella. Diese Perspektive soll auch die Gewerkschaft zu einem Umdenken bewegen.
Der Verhandlungsleiter appelliert an die GPA: "Mit Blick auf die Beschäftigten ist die Gewerkschaft GPA daher aufgefordert, mehr Vernunft und Augenmaß walten zu lassen." Damit wird deutlich, dass die Arbeitgeberseite die Verantwortung für eine Einigung primär bei der Gewerkschaft sieht.
Der IT-Kollektivvertrag unterscheidet sich von anderen Branchen-KVs durch seine spezielle Struktur. Die Differenz zwischen Mindestlöhnen und tatsächlich bezahlten Ist-Löhnen ist in der IT-Branche besonders groß. Während in anderen Branchen viele Beschäftigte nahe den Mindestlöhnen entlohnt werden, liegen die realen Gehälter in der IT deutlich darüber.
Die Forderung der Gewerkschaft nach Erhöhung der Ist-Löhne zielt darauf ab, diese Schere zu schließen und sicherzustellen, dass Lohnsteigerungen auch tatsächlich bei den Beschäftigten ankommen. Die Arbeitgeberseite ist diesem Wunsch nun entgegengekommen, was die Ablehnung umso unverständlicher macht.
Mit der sechsten erfolglosen Verhandlungsrunde zeichnet sich ab, dass eine Einigung schwieriger wird als ursprünglich erwartet. Die verhärteten Fronten zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft spiegeln die angespannte wirtschaftliche Situation wider.
Beide Seiten stehen unter Druck: Die Gewerkschaft muss ihren Mitgliedern Erfolge vorweisen, während die Arbeitgeber angesichts der schwierigen Marktlage ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten müssen. Eine Lösung wird nur möglich sein, wenn beide Parteien kompromissbereit sind und die wirtschaftlichen Realitäten anerkennen.
Die IT-Branche ist für Österreich von strategischer Bedeutung und ein wichtiger Wachstumstreiber. Eine langwierige Blockade bei den Kollektivvertragsverhandlungen könnte die Position des Standorts weiter schwächen und Unternehmen dazu veranlassen, ihre Aktivitäten in andere Länder zu verlagern.