Ein 29-jähriger Mann wird seit Monaten in einem iranischen Gefängnis systematisch gefoltert. Borna Naimi, Angehöriger der Bahá'í-Religionsgemeinschaft, erleidet in Kerman Elektroschocks, die schwer...
Ein 29-jähriger Mann wird seit dem 1. März in Kerman festgehalten und wiederholt gefoltert. Borna Naimi, Angehöriger der Bahá'í-Religionsgemeinschaft, erleidet in Kerman Elektroschocks, die schwere Verbrennungen verursachen. Zu Beginn seiner Haft wurde er in der sogenannten "Todes-Suite" festgehalten – einem Trakt, in dem Gefangene in den letzten 48 Stunden vor ihrer Hinrichtung untergebracht werden sollen. Dort soll ihm eine Hinrichtung simuliert worden sein. Neben körperlicher Gewalt wurden auch Drohungen gegen seine Ehefrau und seine dreijährige Tochter ausgeübt. Unter diesen Bedingungen wurde Naimi gezwungen, eine vorbereitete Erklärung zu unterzeichnen; in dieser sollen Anschuldigungen gegen die Bahá’í konstruiert worden sein.
Die Bahá'í-Gemeinde in Österreich schlägt Alarm und warnt vor der Kriminalisierung der Bahá’í im Iran. Die erzwungenen Geständnisse, darunter eines seines Cousins Peyvand Naimi, werden im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt und lösen internationale Besorgnis aus. Menschenrechtsorganisationen, Politikerinnen und Politiker sowie internationale Medien äußern Kritik. Vertreter in Österreich haben in UN-Gremien sowie öffentlich Stellung bezogen; Isma Forghani, Menschenrechtsbeauftragte der Bahá’í-Religionsgemeinschaft in Österreich, bezeichnete die Stellungnahmen als ein wichtiges Zeichen der Unterstützung und Hoffnung.
Petra Bayr, Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses des österreichischen Nationalrats, verurteilte die Inhaftierung und Folter von Peyvand Naimi und forderte seine sofortige Freilassung. Nationalrat Robert Laimer sowie der Europaabgeordnete Helmut Brandstätter äußerten ebenfalls Kritik an den Vorgängen.
Die wöchentlichen "Bahá’í Iran News Bulletins", herausgegeben von der Bahá’í International Community (BIC) und zugänglich über Archives of Bahá’í Persecution in Iran, dokumentieren zahlreiche Verfolgungsfälle. In den Bulletins wird unter anderem berichtet, dass in Kerman weitere Bahá’í inhaftiert sind, namentlich Shakila Ghasemi und Adib Shahbazpour. Auch wird darauf hingewiesen, dass Angehörige von Betroffenen telefonische Berichte über erlittene Verfolgung geben.
Die Grazer Schriftstellerin Nava Ebrahimi thematisierte in einer Kolumne die Scheinhinrichtungen von Peyvand Naimi und äußerte sich besorgt über die Situation der Familie. Simin Fahandej, Vertreterin der Bahá’í International Community bei den Vereinten Nationen in Genf, würdigte den Mut junger Bahá'í angesichts der Verfolgung.