Ist der Mensch von Natur aus korrupt oder macht ihn das System dazu? Diese fundamentale Frage stand im Mittelpunkt des Österreichischen Anti-Korruptionstags 2026, der am 8. April in Wien stattfand.
Ist der Mensch von Natur aus korrupt oder macht ihn das System dazu? Diese fundamentale Frage stand im Mittelpunkt des Österreichischen Anti-Korruptionstags 2026, der am 8. April in Wien stattfand.
Otto Kerbl, Direktor des Bundesamts zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung (BAK), formulierte in seinen Begrüßungsworten die Fragen: „Trägt der Mensch etwas Korruptes in sich? Gibt es so etwas wie einen 'Homo corruptus'? Oder sind es die äußeren Einflüsse, das organisationale und gesellschaftliche Umfeld, die einen Menschen korrupt werden lassen?"
Der Begriff „Homo corruptus" spielt bewusst auf den evolutionsbiologischen Begriff des „Homo sapiens" an und stellt die provokante Frage, ob Korruption ein inhärenter Bestandteil der menschlichen Natur ist. In der wissenschaftlichen Diskussion steht dieser Ansatz im Gegensatz zu strukturellen Erklärungsmodellen, die Korruption als Produkt mangelhafter Institutionen und falscher Anreizsysteme betrachten.
In seinen einleitenden Worten betonte BMI-Sektionschef Mathias Vogl die Bedeutung interdisziplinärer Perspektiven: „Durch die Kombination aus psychologischen, soziologischen und politikwissenschaftlichen Perspektiven kann ein umfangreich(er)es Verständnis von Korruption (weiter)entwickelt werden, das die komplexen Wechselwirkungen zwischen individuellen, organisationalen und institutionellen Faktoren berücksichtigt. Nur so können effektive Strategien zur Prävention und Bekämpfung von Korruption erfolgreich umgesetzt werden."
Der Kriminalpsychologe, Fallanalytiker und Buchautor Thomas Müller ordnete das Thema Korruption aus kriminalpsychologischer Sicht bei seiner Keynote-Rede ein: „Das Phänomen Korruption ist derart komplex, dass nur eine interdisziplinäre Betrachtungsweise Hoffnung auf ein breiteres Verständnis von Ursache, Wirkung und vor allem Prävention ermöglicht."
Auch Markus Pohlmann, Professor für Soziologie am Max-Weber-Institut der Universität Heidelberg, erläuterte in seiner Rede mit dem Titel „Geld ist nur die halbe Wahrheit – Organisationale Kriminalität und Korruption", dass aktive Korruption nicht allein als individuelle Kriminalität zu verstehen sei, sondern durch unternehmensinterne Regeln erleichtert werden könne.
Abschließend wurde Ina Kubbe, Politologin und Adjunct Professor an der Tel Aviv University, aufgrund der Sicherheitslage online zugeschaltet. In ihrer Keynote „Fehlverhalten mit System: Warum Korruption individuell beginnt – und politisch stabil bleibt" hob sie die Wichtigkeit einer mehrdimensionalen Betrachtung des Themas hervor und betonte, dass Korruption in institutionellen Strukturen und politischen Ordnungen verankert sein könne.