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Wirtschaft

Hauch von Erholung: Österreichs Handwerk atmet auf!

8. Juli 2025 um 10:40
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Ein zartes Lüftchen der Erholung weht durch Österreichs Gewerbe- und Handwerksbetriebe. Nach Jahren der Unsicherheit und wirtschaftlichen Herausforderungen zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer am Horizont ab. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hat in ihrer jüngsten Pressemitteilung vom 8. Juli 20

Ein zartes Lüftchen der Erholung weht durch Österreichs Gewerbe- und Handwerksbetriebe. Nach Jahren der Unsicherheit und wirtschaftlichen Herausforderungen zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer am Horizont ab. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) hat in ihrer jüngsten Pressemitteilung vom 8. Juli 2025 spannende Einblicke in die aktuelle Lage der Branche gegeben.

Ein Blick auf die Zahlen: Licht und Schatten

Die jüngsten Ergebnisse der vierteljährlichen Konjunkturbeobachtung von KMU Forschung Austria, vorgestellt im Rahmen eines Pressegesprächs, zeigen eine vorsichtige Aufwärtsbewegung. Während das erste Quartal 2025 noch ein nominelles Minus von 2,0 Prozent verzeichnete, ergibt sich unter Berücksichtigung der Preisentwicklung ein reales Minus von 4,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Rückgang noch bei 8,1 Prozent lag, ist dies eine signifikante Verbesserung.

Einige Branchen, darunter Gärtner und Floristen, Kunsthandwerke, Gesundheitsberufe und Friseure, konnten bereits nominelle Zuwächse erzielen. Doch real sind alle, mit Ausnahme der chemischen Gewerbe, noch im Minus. Diese Diskrepanz zwischen nominellen und realen Zahlen zeigt, wie stark die Preisentwicklung die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Lage beeinflusst.

Das zweite Quartal: Ein Hoffnungsschimmer

Im zweiten Quartal 2025 wird die Aufwärtstendenz noch deutlicher. 23 Prozent der Betriebe melden eine gute Geschäftslage, während 48 Prozent eine saisonübliche Entwicklung verzeichnen. Doch 29 Prozent berichten von einer schlechten Geschäftslage, was den Saldo auf negative 6 Prozentpunkte drückt. Dennoch ist dies eine Verbesserung gegenüber dem Vorquartal mit minus 11 Prozentpunkten.

Besonders in den konsumnahen Branchen zeigt sich ein heterogenes Bild. Während Kunsthandwerke, Gesundheitsberufe sowie Mode und Bekleidungstechnik positive Entwicklungen verzeichnen, kämpfen exportlastige Branchen wie die Mechatronik sowie die Personaldienstleistung und das Sicherheitsgewerbe noch mit negativen Überhängen.

Investitionsgüter und Baugewerbe: Stabilität in Sicht

Ein Lichtblick ist der stabile durchschnittliche Auftragsbestand in den investitionsgüternahen Branchen, der im zweiten Quartal 2025 bei rund 13 Wochen liegt. Besonders erfreulich ist die positive Entwicklung im Baugewerbe mit einem Plus von 2,7 Prozent. Diese Entwicklung ist von entscheidender Bedeutung, da mehr als die Hälfte des Umsatzes im Gewerbe und Handwerk direkt oder indirekt vom Baugewerbe abhängt.

Manfred Denk, seit Juni neuer Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ, zeigt sich optimistisch: „Das Anspringen der Baukonjunktur ist eine sehr gute Nachricht, denn es wird in vielen nachgelagerten Branchen mit etwas Verzögerung ankommen.“

Die Rolle der Zinsen und der KIM-Verordnung

Ein weiterer positiver Faktor ist die Senkung der Zinsen sowie das Auslaufen der KIM-Verordnung am 30. Juni 2025. Diese Entwicklungen haben das Potenzial, die wirtschaftliche Dynamik weiter zu beflügeln. Die KIM-Verordnung, die strenge Kriterien für die Kreditvergabe im Immobilienbereich festlegte, wurde oft als Hemmschuh für Investitionen gesehen.

Der Weg zu einem stabilen Wachstumspfad

Denk betont die Notwendigkeit, den zarten Stimmungsumschwung aufzugreifen und sich auf die Stärken der österreichischen Wirtschaft zu besinnen. „Zuversicht statt Konsumverzicht ist die Devise. Wir können Österreichs Konjunktur auf einen stabilen selbsttragenden Wachstumspfad steuern.“

Besonders im Fokus steht das Know-how der Betriebe im Gewerbe und Handwerk, die als „praktische Umsetzer der Klima-, Energie- und Mobilitätswende“ gefragt sind. Denk plädiert dafür, frühere Gießkannen-Förderungen durch punktgenaue Anreize zu ersetzen. Dies würde sowohl Konsumenten als auch Unternehmen zugutekommen.

Bürokratieabbau: Ein Schlüssel zur Entlastung

Ein weiterer Aspekt, den Denk anspricht, ist der Bürokratieabbau. „Ich habe den Eindruck, der ‚Peak Bürokratie‘ ist überschritten. Die Betriebe brauchen kein Korsett von Vorschriften, sondern mehr Luft zum Atmen.“ Auf EU-Ebene und auch in Österreich setzt sich die Einsicht durch, dass der Bogen überspannt wurde.

Er sieht viel Potenzial für Verbesserungen, etwa in der Vereinfachung der neun unterschiedlichen Bauordnungen. Diese Vereinfachungen könnten nicht nur die Betriebe entlasten, sondern auch die Konjunktur ankurbeln.

Bildung als Schlüssel zur Zukunft

Ein weiterer Meilenstein ist die Einführung der neuen Höheren Beruflichen Bildung (HBB) in Österreich. Die erste Qualifikation, die Höhere Berufsqualifikation (HBQ) „Technische Beratung für Energieeffizienz“, wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben. Diese Qualifikation wurde von den Branchenvertretungen der Rauchfangkehrer sowie Heizungs- und Gebäudetechniker entwickelt.

Reinhard Kainz, Geschäftsführer der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ, erläutert: „Das ist ein Meilenstein der beruflichen Bildung in Österreich und wertet unser duales Ausbildungssystem enorm auf.“

Die Zukunft der HBB

Der mit der Pilotqualifikation aufgesetzte Prozess ebnet vielen weiteren Branchen den Weg zu eigenständigen und offiziell anerkannten Abschlüssen. Auch in Bereichen wie E-Mobilität, Handel, Tourismus oder Metalltechnik sind bereits eigene HBB-Qualifikationen in Vorbereitung.

Fazit: Ein vorsichtiger Optimismus

Die aktuellen Entwicklungen in Österreichs Gewerbe- und Handwerksbetrieben sind ein zarter Hoffnungsschimmer in einer von Krisen geprägten Zeit. Die Kombination aus einer stabilen Baukonjunktur, gesunkenen Zinsen und der Einführung neuer Bildungswege könnte das Fundament für eine nachhaltige Erholung legen.

Doch der Weg ist noch lang. Die Betriebe müssen weiterhin vorsichtig agieren und sich auf ihre Stärken konzentrieren. Die kommenden Monate werden zeigen, ob der eingeschlagene Kurs beibehalten werden kann und ob Österreichs Wirtschaft auf einen stabilen Wachstumspfad zurückkehrt.

Schlagworte

#Baukonjunktur#Bildung#Erholung#Gewerbe#Handwerk#Österreich#Wirtschaft

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