Zurück
OTS-MeldungGrüne/Wien/Termin/Rechtsruck/Kunst & Kultur/Menschenrechte/Literatur

Grüne Wien laden zum Kultur-Empfang: Diskussion über Kunstfreiheit

Internationale Expert:innen debattieren am 19. Februar 2026 im Wiener Rathaus über demokratische Kulturarbeit in Zeiten politischer Umbrüche

16. Februar 2026 um 10:26
Teilen:

Die Grünen Wien veranstalten ihren jährlichen Kultur-Empfang unter dem Motto "Kultur unter Druck" mit hochkarätigen Gästen aus Ungarn, der Slowakei und Österreich.

Die Wiener Grünen setzen mit ihrem diesjährigen Kultur-Empfang ein deutliches Zeichen für die Kunstfreiheit. Am 19. Februar 2026 versammeln sich internationale und nationale Expert:innen im Wappensaal des Wiener Rathauses, um unter dem Motto "Kultur unter Druck: Strategien der Selbstbehauptung in Zeiten des Rechtsrucks" über aktuelle Herausforderungen für die Kulturszene zu diskutieren.

Warum dieses Thema gerade jetzt?

Die Veranstaltung greift ein Thema auf, das in den vergangenen Jahren zunehmend an Brisanz gewonnen hat. In mehreren europäischen Ländern beobachten Kulturschaffende und Wissenschaftler:innen eine Verschärfung des politischen Drucks auf Kunst- und Kulturinstitutionen. Aufführungsverbote, Kürzungen von Fördermitteln und subtile Formen der Zensur werden von Betroffenen vermehrt thematisiert.

Ursula Berner, Landtagsabgeordnete und Kultursprecherin der Grünen Wien, wird die Veranstaltung eröffnen. Die Begrüßung übernimmt Judith Pühringer, Parteivorsitzende der Grünen Wien. Damit unterstreicht die Partei die politische Bedeutung, die sie dem Thema beimisst.

Blick nach Ungarn: Ein Jahrzehnt kulturpolitischer Veränderungen

Einen zentralen Beitrag zum Abend liefert Magdalena Marsovszky, die als Sozialwissenschaftlerin, Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin seit Jahren die Entwicklungen in Ungarn dokumentiert. Sie gilt als eine der profiliertesten Expertinnen für die kulturpolitischen Veränderungen unter der Regierung von Viktor Orbán.

In ihrer Keynote wird Marsovszky konkrete Fallbeispiele präsentieren, die zeigen, wie sich die ungarische Kulturlandschaft seit 2010 verändert hat. Theater, Museen und andere Kultureinrichtungen haben in den vergangenen Jahren tiefgreifende Umstrukturierungen erlebt. Kritiker:innen sprechen von einer systematischen Neuausrichtung der Kulturpolitik nach ideologischen Gesichtspunkten.

Die Erfahrungen aus Ungarn sind für österreichische Beobachter:innen aus mehreren Gründen relevant. Zum einen zeigen sie, welche Entwicklungen in einem EU-Mitgliedstaat möglich sind. Zum anderen bieten sie Ansatzpunkte, um frühzeitig ähnliche Tendenzen zu erkennen und Gegenstrategien zu entwickeln.

Steiermark im Fokus: Kulturpolitik unter neuen Vorzeichen

Den österreichischen Bezug stellt Heidrun Primas her. Die Kulturredakteurin, freie Beraterin für das Land Steiermark und Sprecherin des Kulturbeirates der Stadt Graz wird über Veränderungen in der steirischen Kulturlandschaft berichten. Die politische Konstellation in der Steiermark macht das Bundesland zu einem interessanten Beobachtungsfeld für kulturpolitische Entwicklungen.

Primas bringt mehrere Perspektiven mit: Als Journalistin hat sie die Kulturszene über Jahre hinweg begleitet, als Beraterin kennt sie die Innensicht der Kulturverwaltung, und als Sprecherin des Grazer Kulturbeirates vertritt sie die Interessen der Kulturschaffenden auf institutioneller Ebene. Diese Kombination verspricht eine differenzierte Analyse der aktuellen Situation.

Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion

Nach den beiden Keynotes und einer Pause folgt das Herzstück der Veranstaltung: eine Podiumsdiskussion unter dem Titel "Strategien zum Erhalt demokratischer Kulturräume". Die zentrale Frage lautet, welche Rahmenbedingungen Kulturpolitik schaffen muss, um eine zeitgemäße und liberale Kulturlandschaft zu gewährleisten.

Die Besetzung des Podiums spiegelt die Vielfalt der Perspektiven wider, die für eine umfassende Diskussion notwendig sind. Aus dem internationalen Kontext bringt der slowakische Schriftsteller und Journalist Michal Hvorecký seine Erfahrungen ein. Die Slowakei durchlebt derzeit ebenfalls turbulente politische Zeiten, in denen Fragen der Pressefreiheit und künstlerischen Autonomie verstärkt diskutiert werden.

Die Diskutant:innen im Überblick

Neben den bereits erwähnten Expertinnen Marsovszky und Primas nehmen weitere profilierte Persönlichkeiten am Podium teil:

  • Kian Kaiser, bekannt als "der Kuseng", vertritt die Perspektive des deutschsprachigen Kabaretts. Die satirische Kunstform ist traditionell ein Seismograph für gesellschaftliche Stimmungen und politische Verwerfungen.
  • Tanja Prušnik bringt als Präsidentin des Künstlerhauses, bildende Künstlerin, Kuratorin und Architektin sowohl die künstlerische als auch die institutionelle Perspektive ein.
  • Christoph Thun-Hohenstein verfügt als Jurist, Diplomat und ehemaliger Kulturbeauftragter im Außenministerium über umfangreiche Erfahrungen an der Schnittstelle von Kultur und Politik. Seine Expertise im Bereich des internationalen Kulturaustauschs erweitert den Blick auf die globale Dimension des Themas.

Die Moderation übernimmt Vanessa Spanbauer, die als Zeithistorikerin, Journalistin und Kuratorin die verschiedenen Fäden zusammenführen wird.

Kunstfreiheit als demokratisches Grundrecht

Die Diskussion berührt fundamentale Fragen des demokratischen Zusammenlebens. Die Kunstfreiheit ist in Österreich als Grundrecht verankert und gilt als wesentliches Element einer offenen Gesellschaft. Kunst und Kultur erfüllen wichtige Funktionen: Sie ermöglichen kritische Reflexion, schaffen Räume für unterschiedliche Perspektiven und tragen zur gesellschaftlichen Debatte bei.

Wenn diese Freiheiten unter Druck geraten, hat das Auswirkungen, die weit über den Kultursektor hinausreichen. Die Geschichte zeigt, dass Einschränkungen der Kunstfreiheit oft Vorboten für umfassendere demokratische Rückschritte sind. Umgekehrt können lebendige Kulturszenen Widerstandskräfte entwickeln und gesellschaftliche Resilienz stärken.

Praktische Strategien im Fokus

Der Titel der Veranstaltung betont bewusst die "Strategien der Selbstbehauptung". Es geht also nicht nur um eine Analyse der Probleme, sondern auch um konkrete Handlungsoptionen. Welche Netzwerke können Kulturschaffende aufbauen? Wie lassen sich alternative Finanzierungsquellen erschließen? Welche rechtlichen Instrumente stehen zur Verfügung?

Diese praktische Ausrichtung unterscheidet die Veranstaltung von rein akademischen Diskussionen. Die anwesenden Expert:innen bringen Erfahrungen aus verschiedenen Kontexten mit und können aufzeigen, welche Strategien in anderen Ländern erfolgreich waren und welche Fallstricke es zu vermeiden gilt.

Wien als Ort der Debatte

Dass die Veranstaltung im Wiener Rathaus stattfindet, hat symbolische Bedeutung. Wien positioniert sich traditionell als Kulturstadt mit einem breiten und vielfältigen Angebot. Die städtische Kulturpolitik unterscheidet sich in manchen Punkten von jener in anderen Bundesländern und auf Bundesebene.

Der Wappensaal als Veranstaltungsort unterstreicht die Bedeutung, die dem Thema beigemessen wird. Der repräsentative Rahmen signalisiert, dass es sich nicht um eine Nischenveranstaltung handelt, sondern um ein Anliegen von gesamtgesellschaftlicher Relevanz.

Anmeldung erforderlich

Die Veranstaltung findet am Donnerstag, dem 19. Februar 2026, von 16:00 bis circa 21:00 Uhr statt. Der lange Zeitrahmen ermöglicht eine ausführliche Behandlung des Themas und bietet Raum für Vernetzung und informellen Austausch.

Interessierte können sich online unter der Adresse mailchi.mp/gruene/kultur-unter-druck anmelden. Der Eintritt ist frei. Die Grünen Wien rechnen mit regem Interesse aus der Kulturszene, aber auch aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Kulturpolitik als Demokratiepolitik

Die Veranstaltung reiht sich ein in eine breitere Debatte über die Zukunft der europäischen Demokratien. In einer Zeit, in der viele als selbstverständlich erachtete Errungenschaften auf dem Prüfstand stehen, gewinnen Fragen der Kulturpolitik an Bedeutung. Die Art und Weise, wie Gesellschaften mit Kunst und Kultur umgehen, sagt viel über ihren demokratischen Zustand aus.

Der Kultur-Empfang der Grünen Wien bietet eine Gelegenheit, diese Zusammenhänge zu reflektieren und mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die in verschiedenen Ländern und Kontexten an diesen Fragen arbeiten. Ob sich daraus konkrete politische Initiativen entwickeln, wird sich zeigen. Zunächst geht es darum, das Bewusstsein für die Bedeutung demokratischer Kulturräume zu schärfen und den Dialog zwischen den verschiedenen Akteur:innen zu fördern.

Schlagworte

#Kulturpolitik#Kunstfreiheit#Grüne Wien#Veranstaltung#Demokratie

Weitere Meldungen

OTS
Grüne

Grüne setzen auf Mobilität und Klimaschutz: Intensive Woche

20. März 2026
Lesen
OTS
Termin

Grüne NÖ starten Kampagne vor Landtagssitzung

20. März 2026
Lesen
OTS
Grüne

30 Jahre Grüne Andersrum: Kampf für LGBTIQ+ Rechte geht weiter

20. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen