Am 21. August 2025 trat in Frankfurt am Main eine Allianz aus europäischen Gewerkschaften zusammen, um eine industriepolitische Offensive zu fordern. In einem beispiellosen Schulterschluss riefen die IG Metall aus Deutschland, PRO-GE aus Österreich und UNIA aus der Schweiz zu einer engeren Zusammena
Am 21. August 2025 trat in Frankfurt am Main eine Allianz aus europäischen Gewerkschaften zusammen, um eine industriepolitische Offensive zu fordern. In einem beispiellosen Schulterschluss riefen die IG Metall aus Deutschland, PRO-GE aus Österreich und UNIA aus der Schweiz zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der EU auf. Die zentrale Botschaft: Wer in Europa verkaufen will, muss auch in Europa fertigen!
Der Ruf nach einer verstärkten europäischen Produktion ist nicht neu, gewinnt jedoch angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen an Brisanz. Die Gewerkschaften fordern klare Kriterien zur Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen. So genannte Local Content-Bestimmungen sollen Unternehmen verpflichten, lokal zu produzieren und Sozial- sowie Umweltstandards einzuhalten. Dies sei der richtige Weg, um die industriellen Stärken Europas auszubauen, so die Gewerkschaften.
Besonderes Augenmerk legen die Gewerkschaften auf Schlüsseltechnologien wie die Halbleiterindustrie und die Kreislaufwirtschaft. Diese Bereiche sind entscheidend für den zielgerichteten Ausbau europäischer Ressourcen. Ein starker Fokus auf diese Technologien könnte die Wertschöpfung in Europa sichern und zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen.
Die Gewerkschaften betonen, dass starke industrielle Strukturen nur mit starken Beschäftigten möglich sind. Der Mangel an Fachkräften hemmt das Wirtschaftswachstum und mindert die Innovationskraft. Laut den Arbeitnehmervertretungen sind Investitionen in die Aus- und Weiterbildung, in Betreuungsstrukturen für Kinder sowie in die gelungene Integration in den Arbeitsmarkt unerlässlich für eine gute Fachkräfteentwicklung.
Ohne einen starken Sozialstaat sei die europäische Position erheblich geschwächt, so die Gewerkschaften. Sie positionieren sich klar gegen die verschärften Angriffe auf Arbeitnehmerrechte und sozialstaatliche Errungenschaften, die oft unter dem Deckmantel des vermeintlichen Bürokratieabbaus erfolgen. Die Debatten zu Karenztagen, Höchstarbeitszeiten oder sozialer Absicherung zeigen laut den Gewerkschaften deutlich, dass in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten Politik und Wirtschaft oftmals gegen Arbeitnehmer und den Sozialstaat agieren, anstatt echte Lösungen zu finden.
Yves Defferrard von der UNIA betont die Notwendigkeit einer koordinierten Industriepolitik, insbesondere angesichts der von den USA erhobenen Zölle in Höhe von 39 %. Diese Zölle stellen potenzielle Risiken für Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen dar. Die Schweiz sieht sich mehr denn je gezwungen, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, um diese Herausforderungen zu meistern.
Die Spitzen der drei Gewerkschaften zeigten sich entschlossen, die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg weiter zu forcieren. Reinhold Binder, Bundesvorsitzender der PRO-GE, unterstrich: „Eine gemeinsame Industriepolitik heißt für uns: Produktionsstandorte sichern, Arbeitsplätze schaffen und faire Löhne garantieren – und das über Grenzen hinweg.“
Die Gewerkschaften sind sich einig: Europa muss seine Produktionsstätten sichern und neue Arbeitsplätze schaffen. Ein entschlossenes Handeln in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Rohstoffsicherheit ist notwendig, um den Produktionsstandort Europa zu stärken. Dies ist nicht nur eine Frage wirtschaftlicher Stärke, sondern auch eine Grundvoraussetzung für ein eigenständiges, resilientes Europa, das den Beschäftigten wieder Vertrauen und Sicherheit gibt.
Die Zukunft Europas hängt von der Fähigkeit ab, in Schlüsseltechnologien zu investieren und die Industriepolitik zu reformieren. Die Gewerkschaften setzen sich dafür ein, dass Europa nicht nur ein wirtschaftlicher Riese, sondern auch ein sozialer Vorreiter bleibt. Ein starkes Europa braucht starke Gewerkschaften, die sich für die Rechte der Arbeitnehmer einsetzen und gegen die Ausbeutung und den Abbau sozialer Standards kämpfen.
Die nächsten Monate werden entscheidend sein. Werden die europäischen Regierungen die Forderungen der Gewerkschaften ernst nehmen und handeln? Oder bleibt alles beim Alten? Die Gewerkschaften sind bereit, sich weiterhin für die Rechte der Arbeitnehmer und eine nachhaltige Industriepolitik einzusetzen.