In einer Zeit, in der leistbares Wohnen zu einem der drängendsten sozialen Probleme geworden ist, unternahm der Verein für Wohnbauförderung (VWBF) eine aufschlussreiche Studienreise nach Zürich. Vom 10. bis 13. September 2025 hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, innovative Wohnprojekte zu besichti
In einer Zeit, in der leistbares Wohnen zu einem der drängendsten sozialen Probleme geworden ist, unternahm der Verein für Wohnbauförderung (VWBF) eine aufschlussreiche Studienreise nach Zürich. Vom 10. bis 13. September 2025 hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, innovative Wohnprojekte zu besichtigen und mit Vertretern von Wohnbaugenossenschaften und Stadtplanung zu sprechen. Diese Reise fand im Rahmen des von den Vereinten Nationen ausgerufenen Jahres der Genossenschaften statt, was die Relevanz der Thematik unterstreicht.
In Zürich spielen gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften eine zentrale Rolle bei der Bereitstellung von leistbarem Wohnraum. Mit einem Anteil von 18% an der gesamten Wohnungsversorgung und Mieten, die rund 50% unter dem Marktniveau liegen, bieten sie eine wichtige Alternative zum teuren privaten Wohnungsmarkt. Dies steht im Gegensatz zu Österreich, wo der gemeinnützige Wohnbau ebenfalls bedeutend ist, jedoch auf andere Weise organisiert wird.
Der Genossenschaftsgedanke hat eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Ursprünglich als Antwort auf die Industrialisierung und die damit verbundenen Wohnungsnöte entstanden, bieten Genossenschaften bis heute eine Möglichkeit, die Wohnkosten zu senken und gleichzeitig die Bewohner in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Während in Österreich über 200.000 Mietwohnungen von mehr als 50 gemeinnützigen Wohnbauträgern verwaltet werden, sind es in Zürich über 200 Baugenossenschaften mit rund 70.000 Wohnungen.
Trotz der starken Rolle der Genossenschaften bleibt Zürich mit einer erheblichen Wohnungsknappheit konfrontiert. Die hohen Grundstückspreise erschweren den Ausbau des gemeinnützigen Wohnbaus. Die Stadt hat zwar beschlossen, den Anteil des gemeinnützigen Wohnbaus bis 2030 auf ein Drittel des Gesamtbestandes zu erhöhen, doch ob dies die Krise wirklich lindern kann, ist ungewiss. Zahlreiche Bürgerinitiativen und Volksentscheide zeigen die Dringlichkeit des Problems.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Ländern liegt in den Mieterrechten. In Zürich können Genossenschaften bei Veränderung der Haushaltsgröße den Mietvertrag relativ einfach kündigen, was in Österreich aufgrund des starken Konsumentenschutzes undenkbar wäre. Diese rechtliche Absicherung trägt wesentlich zur Wohnsicherheit in Österreich bei.
Ein weiteres Highlight der Reise war das Schweizer Wohnbaufinanzierungssystem. Die Emissionszentrale für den gemeinnützigen Wohnbau (EGW) stellt ein innovatives Finanzierungsvehikel dar. Der Bund garantiert Anleihen der EGW, wodurch Genossenschaften Darlehen für den leistbaren Wohnbau erhalten. Ergänzt wird dies durch den Fonds de Roulement, der zinsgünstige Darlehen vergibt. Solche Modelle könnten auch für Österreich von Interesse sein, um alternative Finanzierungsinstrumente zu entwickeln.
Die Erkenntnisse aus Zürich könnten Österreich als Anregung dienen, um das eigene Wohnbaufinanzierungssystem zu stabilisieren und zu erweitern. Neben der Schaffung von Finanzierungsmodellen ist auch die Mobilisierung von Bauland entscheidend. Wie in der Schweiz mangelt es auch in Österreich an erschwinglichen Grundstücken. Instrumente der Vertragsraumordnung und Widmungskategorien, wie sie in Wien Anwendung finden, könnten hier Abhilfe schaffen.
Der VWBF lädt am 23. Oktober 2025 zum Symposium „Können wir uns den leistbaren Wohnbau noch leisten?“ im Ars Electronica Center in Linz ein. Hier werden Experten aus Politik und Wirtschaft über die Zukunft des leistbaren Wohnens diskutieren. Die Veranstaltung bietet eine Plattform, um die Herausforderungen und Chancen des gemeinnützigen Wohnbaus zu erörtern und Lösungen zu entwickeln.
Der Verein für Wohnbauförderung setzt sich für einen zukunftsfähigen, sozialen und nachhaltigen Wohnungsmarkt in Österreich ein. Als Schnittstelle zwischen Bauträgern, politischen Entscheidungsträgern und der Gesellschaft stärkt der VWBF durch Wissensvermittlung, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit das Bewusstsein für die Bedeutung des gemeinnützigen Wohnens als zentrale Säule der sozialen Sicherheit und Lebensqualität.