In einem eindringlichen Appell wendet sich der Vorstand der Österreichischen Fachhochschul-Konferenz (FHK) an die Bundesregierung. Die Botschaft ist klar: Ohne eine verlässliche Finanzierung der angewandten Forschung droht Österreich den Anschluss zu verlieren. Doch was genau steckt hinter dieser Wa
In einem eindringlichen Appell wendet sich der Vorstand der Österreichischen Fachhochschul-Konferenz (FHK) an die Bundesregierung. Die Botschaft ist klar: Ohne eine verlässliche Finanzierung der angewandten Forschung droht Österreich den Anschluss zu verlieren. Doch was genau steckt hinter dieser Warnung, und warum ist die angewandte Forschung so entscheidend für die Zukunft des Landes?
Im Gegensatz zur Grundlagenforschung, die sich mit der theoretischen Erforschung von Phänomenen befasst, zielt die angewandte Forschung darauf ab, praktische Lösungen für konkrete Probleme zu entwickeln. Sie findet häufig in direkter Zusammenarbeit mit der Industrie statt und ist ein wesentlicher Motor für Innovationen. In Österreich spielen Fachhochschulen (FH) und Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) eine zentrale Rolle in diesem Bereich.
Der Vorstand der FHK, in dem die Geschäftsführungen und Kollegiumsleiter:innen aller 21 FH/HAW vertreten sind, fordert eine rasche Umsetzung des aktuellen Regierungsprogramms. Dieses sieht einen neuen Entwicklungs- und Finanzierungsplan für die Jahre 2026 bis 2030 vor, der eine stärkere Berücksichtigung der Forschungskomponente beinhaltet. Zudem sollen die themenbezogenen und kompetitiven Forschungsfinanzierungsmittel aufgestockt werden.
„Es gilt gerade in Krisenzeiten, die anwendungsorientierte Forschung stärker zu fördern“, erklärt ein FHK-Vertreter. „Sie sichert die Wettbewerbsfähigkeit unserer heimischen Wirtschaft und die Resilienz unserer Gesellschaft.“
Die Bedeutung der angewandten Forschung ist nicht neu. Bereits in der Nachkriegszeit erkannten viele Länder das Potenzial, das in der Verbindung von Wissenschaft und Industrie steckt. In den USA beispielsweise führte dies zur Gründung zahlreicher Forschungsinstitute, die eng mit Universitäten kooperierten. Auch in Deutschland setzte man früh auf die Förderung von Fachhochschulen, die praxisnahe Forschung betreiben.
In Österreich hingegen hinkte die Entwicklung lange hinterher. Erst in den letzten Jahrzehnten wurden verstärkt Anstrengungen unternommen, um die angewandte Forschung zu fördern. Doch trotz dieser Bemühungen sieht sich das Land nun erneut mit Herausforderungen konfrontiert.
Ein Blick in die Nachbarländer zeigt, dass Österreich bei der Finanzierung der angewandten Forschung hinterherhinkt. In Deutschland beispielsweise fließen jährlich Milliardenbeträge in die Förderung von Fachhochschulen. Auch in der Schweiz genießt die angewandte Forschung einen hohen Stellenwert.
„Österreich muss aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren“, warnt ein Experte. „Während andere Länder massiv in die Forschung investieren, drohen hierzulande wichtige Projekte zu scheitern, weil die Mittel fehlen.“
Doch was bedeutet das alles für den normalen Bürger? Zunächst einmal ist die angewandte Forschung ein wesentlicher Treiber für Innovationen, die unseren Alltag verbessern. Von neuen Technologien im Gesundheitsbereich über umweltfreundliche Verkehrslösungen bis hin zu effizienteren Produktionsmethoden – all das basiert auf den Ergebnissen der angewandten Forschung.
Ohne ausreichende Finanzierung drohen jedoch wichtige Projekte ins Stocken zu geraten. Das könnte nicht nur den technologischen Fortschritt bremsen, sondern auch Arbeitsplätze gefährden. „Wenn wir nicht in die Forschung investieren, riskieren wir, dass Unternehmen abwandern und Arbeitsplätze verloren gehen“, warnt ein Vertreter der FHK.
Die Forderungen der FHK sind klar: Es braucht ausreichende Mittel, verlässliche Mehrjahresrahmen und eine sofortige Valorisierung der Fördersätze. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Innovationskraft nicht an Kaufkraftverlusten oder kurzfristigen Förderlogiken scheitert.
Der Vorstand bekräftigt außerdem seine Forderung nach eigenständigen, akkreditierten Doktoratsprogrammen. Diese sind unerlässlich, um die Forschung insbesondere im Bereich von Zukunftstechnologien abzusichern und auszubauen. Das Regierungsprogramm sieht bereits die Prüfung eines Promotionsmodells auch in Kooperation mit europäischen Hochschulen vor.
„Es kann nicht sein, dass Doktorate an österreichischen FH/HAW betrieben und finanziert werden, der akademische Grad aber im Ausland vergeben wird“, betont ein FHK-Vertreter. „Wir brauchen einen klaren Fahrplan hin zu eigenständigen, qualitätsgesicherten Doktoratsprogrammen an FH/HAW.“
Die Finanzierung der angewandten Forschung ist eng mit politischen Entscheidungen verknüpft. Die FHK appelliert an die Bundesregierung und insbesondere an Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, das aktuelle Regierungsprogramm rasch umzusetzen. Doch in Zeiten knapper Budgets ist die Konkurrenz um Fördermittel groß.
„Es ist wichtig, dass die Politik die Bedeutung der angewandten Forschung erkennt und entsprechend handelt“, so ein Experte. „Nur so können wir sicherstellen, dass Österreich auch in Zukunft ein attraktiver Standort für Forschung und Innovation bleibt.“
Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Bundesregierung den Appellen der FHK folgt und die notwendigen Maßnahmen ergreift. Eines steht jedoch fest: Die Zukunft der angewandten Forschung in Österreich steht auf dem Spiel.
Quelle: Österreichische Fachhochschul-Konferenz