Ein brisanter Besuch sorgt für Aufregung in der österreichischen Energiepolitik: EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné warb während seines Wien-Aufenthalts für den Ausbau der Atomenergie in Europ...
Ein brisanter Besuch sorgt für Aufregung in der österreichischen Energiepolitik: EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné warb während seines Wien-Aufenthalts für den Ausbau der Atomenergie in Europa – und stößt dabei auf Kritik. Herbert Stoiber, Geschäftsführer der Organisation atomstopp_atomkraftfrei leben!, übt harsche Kritik an Séjournés Auftreten: "Obwohl er als EU-Kommissar die Interessen der gesamten Europäischen Union vertreten sollte, tritt Stéphane Séjourné wie ein französischer Atomlobbyist auf."
Die Kritik entzündet sich an Séjournés zentralem Argument der "Energieunabhängigkeit" durch Atomkraft. Diese Begründung wird in dem OTS-Text als falsch dargestellt: Die europäische Atomindustrie sei in zentralen Bereichen der nuklearen Lieferkette weiterhin stark abhängig von Russland. Daher gebe es bis heute keine Sanktionen gegen den staatlichen russischen Konzern Rosatom, heißt es in der Quelle.
Laut der OTS-Aussage überschreitet das Durchschnittsalter der Reaktoren heuer die 40-Jahre-Marke. Demnach hätten die meisten AKWs längst abgeschaltet werden müssen; im Durchschnitt dürfte Ende des Jahres kein einziger Reaktor in der EU mehr laufen, so die im OTS geäußerte Einschätzung.
Die OTS nennt Frankreich als Beispiel: In den vergangenen 26 Jahren wurde dort genau ein AKW eröffnet. Nach jahrelanger Planung wurde mit dem Bau 2007 begonnen, ans Netz ging der Reaktor Ende 2024 - nach 17 Jahren reiner Bauzeit. Gekostet hat er statt der versprochenen 3,3 Milliarden Euro letztlich 23,7 Milliarden, heißt es in der Quelle.
Während Séjourné für Atomkraft wirbt, wies Österreichs Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer laut OTS auf Energieeffizienz hin. Er meinte, jeder sei gefordert, Energie effizient einzusetzen, etwa auf unnötige Autofahrten zu verzichten und zu überlegen, wo man selbst Strom sparen könne.
In der OTS-Stellungnahme wird betont, dass die europäische Atomindustrie in zentralen Bereichen der Lieferkette weiterhin stark von Russland abhängig sei. Aus diesem Grund gebe es bis heute keine Sanktionen gegen den staatlichen russischen Atomkonzern Rosatom, heißt es.
Herbert Stoiber wird im OTS mit der Aussage zitiert, dass Atomstrom keinen Beitrag zur Abbremsung der Erdüberhitzung leisten könne, weil der AKW-Neubau dafür zu lange dauere. Außerdem werde angeführt, unflexible AKWs ließen sich nicht gut mit erneuerbaren Energien verbinden.
Ein weiterer in der OTS genannter Kritikpunkt betrifft radioaktive Abfälle. Herbert Stoiber warnt vor der Hinterlassenschaft von gefährlichem Atommüll für "tausende folgenden Generationen", wie in der Quelle ausgeführt.