Zwei Stunden mehr unbezahlte Arbeit täglich: Frauen tragen weiterhin Hauptlast der Care-Arbeit
Österreichische Städte machen am Equal Care Day auf ungleiche Verteilung der Care-Arbeit aufmerksam. Frauen leisten täglich zwei Stunden mehr unbezahlte Arbeit.
Jeden Tag leisten Frauen in Österreich zwei Stunden mehr unbezahlte Arbeit als Männer. Diese erschreckende Bilanz zieht die Zeitverwendungsstudie der Statistik Austria aus dem Jahr 2023. Anlässlich des Equal Care Days am 29. Februar fordert der Österreichische Städtebund eine gerechte 50:50-Aufteilung der Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Familien mit Kindern verbringen Frauen doppelt so viel Zeit mit den Kindern wie Männer. Ob Kindergeburtstage organisieren, Angehörige pflegen, Wäsche waschen oder den Geschirrspüler ausräumen – diese Tätigkeiten werden großteils von Frauen übernommen und koordiniert.
"Männer sehen sich meist nicht verantwortlich oder bestenfalls als 'Zuarbeiter auf Zuruf'", kritisiert Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebunds. Der Großteil der Denkarbeit, auch Mental Load genannt, hinter der Koordination von Kindern und Haushalt bleibe bei den Frauen hängen. "Sie sind es, die die Geburt eines Kindes mit finanzieller Abhängigkeit bezahlen."
Vizebürgermeisterin Kathrin Gaál, Vorsitzende des Städtebund-Frauenausschusses, bringt das Problem auf den Punkt: "Eine Stunde Frau ist nicht gleich eine Stunde Mann! Durch die Übernahme eines Großteils der Care-Arbeit haben Frauen einen Startnachteil."
Dieser Startnachteil zieht sich durch das gesamte Erwerbsleben und wirkt sich dramatisch auf die finanzielle Situation im Alter aus. Derzeit erhalten Frauen in Österreich knapp unter 40 Prozent weniger Pension als Männer. Diese geringe Pension führt verstärkt zu Altersarmut unter Frauen.
Besonders schwierig ist die Situation für Alleinerziehende, die die unbezahlte Arbeit nicht aufteilen können. Sie tragen die gesamte Last der Care-Arbeit allein und sind gleichzeitig für das Familieneinkommen verantwortlich.
"Das österreichische Sozialversicherungssystem orientiert sich immer noch am Vollzeit arbeitenden Mann", erklärt Weninger. Frauen arbeiten jedoch oftmals Teilzeit und bekommen auch aus diesem Grund später weniger Pension. Der Städtebund-AK-Gleichstellungsindex zeigt erschreckende Zahlen: Die österreichischen Städte und Gemeinden erreichen bei den Teilzeitquoten nur 18 von 100 Indexpunkten.
Im Durchschnitt über alle Gemeinden unterscheiden sich die Teilzeitquoten von Männern und Frauen um 45,8 Prozent. Diese Diskrepanz zeigt deutlich, wie tief die ungleiche Verteilung der Care-Arbeit in den Arbeitsstrukturen verankert ist.
Eine neue Studie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) verdeutlicht das Problem: Nach der ersten Geburt gehen Mütter durchschnittlich 416 Tage in Elternkarenz, Väter hingegen nur neun bezahlte Tage. Teilzeit arbeitende Väter sind selten.
"Männer merken kaum Auswirkungen einer Vaterschaft auf ihre Erwerbstätigkeit", so die Studienergebnisse. Bei Frauen zeigt sich ein anderes Bild: Hochqualifizierte Mütter kehren zwar schneller in den Arbeitsprozess zurück als geringer qualifizierte Frauen, doch alle sind von den Auswirkungen betroffen.
Weninger betont, dass Städte und Gemeinden eine wichtige Rolle bei der Lösung des Problems spielen müssen. Sie sind gefordert, ausreichend Kindergarten- und Pflegeplätze zur Verfügung zu stellen. "Klar ist aber auch, dass Städte dafür die notwendigen finanziellen Mittel benötigen."
Die Kindergarten-Öffnungszeiten müssen so gestaltet sein, dass für beide Partner ein eigenständiges Einkommen möglich ist und die Work-Life-Balance für beide Elternteile stimmt.
"Die Stadt Wien ist hier Vorreiterin", hebt Gaál hervor. Auf städtischer Ebene gebe es immer öfter Projekte, die Männer dabei unterstützen, von ihren Rechten Gebrauch zu machen. "Dennoch braucht es noch mehr Engagement und Überzeugungsarbeit bei und für Männer, eine Karenzzeit zu nehmen."
Um auf das Problem der unbezahlten Arbeit aufmerksam zu machen, veranstalten mehrere Mitgliedsstädte des Österreichischen Städtebundes Aktionen vor Ort. Dabei werden Schwammtücher und Postkarten mit der Aufschrift "50 Prozent der unbezahlten Arbeit an die Männer" verteilt – als sichtbarer Denkanstoß.
Das Datum des Equal Care Days fällt in Schaltjahren bewusst auf den 29. Februar, in anderen Jahren auf den 1. März. Diese symbolische Terminwahl soll auf das Problem der unbezahlten und unsichtbaren Arbeit aufmerksam machen, die großteils von Frauen geleistet wird.
Der Equal Care Day wurde 2016 in Deutschland ins Leben gerufen. In Österreich gibt es entsprechende Aktionen seit 2023. Die Initiative bietet auch einen Test für Paare zur Mental Load an, um das Bewusstsein für die ungleiche Verteilung zu schärfen.
"Wir brauchen eine 50:50 Aufteilung der unbezahlten Arbeit in Partnerschaften, wir brauchen ökonomisch unabhängige Frauen mit einer gesunden Work-Life-Balance", fasst Weninger die Forderungen zusammen. "Auch unbezahlte Arbeit ist Arbeit; sie wird nur nicht bezahlt."
Gaál ergänzt: "Wir brauchen eine geschlossene politische Überzeugung, um Anreize zu schaffen und Strukturen aufzubrechen." Nur so könne die wirtschaftliche Gleichberechtigung der Frauen erreicht werden.
Der Österreichische Städtebund vertritt als verfassungsverankerte Interessenvertretung 259 Mitgliedsgemeinden. Zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung und 70 Prozent der Arbeitsplätze befinden sich in Städten und Stadtregionen. Die Forderungen des Städtebunds haben daher weitreichende gesellschaftliche Bedeutung.
Die Diskussion um den Equal Care Day zeigt: Es geht nicht nur um Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern, sondern auch um die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Eine gleichmäßigere Verteilung der Care-Arbeit würde nicht nur Frauen entlasten, sondern auch das Potenzial der gesamten Gesellschaft besser ausschöpfen.