Der österreichische Lebensmittelhandel steht am Rande eines gewaltigen Umbruchs! Der jüngste Vorstoß von Finanzminister Markus Marterbauer, der staatliche Eingriffe in die Preisgestaltung des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) in Erwägung zieht, sorgt für hitzige Diskussionen. Kritiker warnen vor 'unga
Der österreichische Lebensmittelhandel steht am Rande eines gewaltigen Umbruchs! Der jüngste Vorstoß von Finanzminister Markus Marterbauer, der staatliche Eingriffe in die Preisgestaltung des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) in Erwägung zieht, sorgt für hitzige Diskussionen. Kritiker warnen vor 'ungarischen Verhältnissen' und einem drohenden Verlust der Qualität heimischer Produkte.
Am 5. August 2025 veröffentlichte der Handelsverband eine Pressemitteilung, die sich vehement gegen die von Marterbauer ins Spiel gebrachten Eingriffe ausspricht. Die Ursachen der aktuellen Preissteigerungen liegen laut Handelsverband klar auf der Hand: massiv gestiegene Energiekosten, hohe Rohstoffpreise sowie gestiegene Personal- und Logistikkosten. Diese Faktoren belasten den Lebensmittelhandel und treiben die Preise in die Höhe.
Österreich ist bekannt für seine Indexierungen. Diese betreffen nicht nur Mieten, sondern auch Gebühren und Abgaben, die regelmäßig angepasst werden. Solche Anpassungen führen zu einer Teuerungsspirale, die den Handel zusätzlich belastet. Der Vorwurf lautet, dass der Finanzminister selbst kräftig an der Preisschraube dreht, anstatt zu entlasten.
Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will warnt: Eingriffe in die Preispolitik könnten den regionalen Bezug von qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln gefährden. Dies könnte 140.000 Arbeitsplätze im Handel bedrohen und die Nahversorgung beeinträchtigen. „Mit der Nahversorgung sollte politisch nicht achtlos umgegangen werden“, so Will.
Bereits im November 2023 präsentierte die BWB ihren Endbericht zur österreichischen Lebensmittelwertschöpfungskette. Darin wird klar, dass der heimische Lebensmittelhandel nicht als Verursacher der Teuerungskrise gilt. Vielmehr leidet er selbst unter den gestiegenen Kosten. Der Bericht belegt, dass die Preiserhöhungen im Handel nicht systematisch waren und der LEH inflationsdämpfend agierte.
Die Rentabilität im österreichischen Lebensmittelhandel liegt bei mageren 0,5 bis 2,5 Prozent des Umsatzes. Zum Vergleich: Globale Nahrungsmittelproduzenten erzielen oft zehnmal so hohe Gewinne. Trotz der Rekordinflation verzichtete der Handel auf systematische Margenerhöhungen.
Die Personalkosten sind ein weiterer Belastungsfaktor. Mit durchschnittlich 38.050 Euro pro Kopf liegt Österreich im EU-Vergleich auf Platz zwei, nur übertroffen von Belgien. Diese hohen Kosten schmälern die Gewinnmargen weiter.
Die Preisbildung beginnt nicht im Handel, sondern bereits in der Landwirtschaft und auf den internationalen Rohstoffmärkten. Hier steigen die Kosten exorbitant. Beispiele hierfür sind die Preissteigerungen bei Kalbfleisch (18%), Kuhmilch (15%), Roggen (15%) und Mais (18%). Der Handel muss diese Kostensteigerungen in seine Preise einfließen lassen.
Ein weiteres Problem sind die Territorial Supply Constraints (TSCs), die es Einzelhändlern erschweren, Produkte EU-weit zu beschaffen und zu verkaufen. Diese künstlichen Barrieren verursachen höhere Beschaffungspreise für den österreichischen Handel. Ein Verbot dieser Beschränkungen könnte Einsparungen von 19 Milliarden Euro pro Jahr für europäische Konsumenten bedeuten.
Der österreichische Lebensmittelhandel spielt eine zentrale Rolle in der Nahversorgung und stützt mit über 140.000 Arbeitsplätzen die Wirtschaft. Die Einführung einer Handelsspannen-Obergrenze, wie sie in Ungarn praktiziert wird, könnte jedoch die Qualität und Vielfalt der Produkte gefährden. „Derartige Eingriffe bedeuten nur, dass die Kunden weniger Auswahl und geringere Qualität vorfinden“, warnt Rainer Will.
Der Handel setzt auf regionale Produkte, die oft das AMA-Gütesiegel tragen. Diese Praxis trägt zum Erhalt der landwirtschaftlichen Strukturen in Österreich bei. Reformen sind notwendig, um die Kosten zu senken und die Bevölkerung zu entlasten, jedoch ohne die Qualität zu opfern.
Die zukünftige Entwicklung des österreichischen Lebensmittelhandels hängt von klugen politischen Entscheidungen ab. Staatliche Eingriffe könnten kurzfristig Entlastung bringen, aber langfristig die Struktur des Handels gefährden. Die Herausforderung besteht darin, Reformen zu finden, die den Handel stärken, ohne die Qualität zu gefährden.
Der Handelsverband fordert eine differenzierte Betrachtung der Preisgestaltung und den Abbau von künstlichen Handelsbarrieren innerhalb der EU. Nur so kann der österreichische Lebensmittelhandel seine wichtige Rolle in der Nahversorgung und Wirtschaft aufrechterhalten.