Die digitale Welt hat uns viele Vorteile gebracht, doch mit der fortschreitenden Vernetzung steigt auch die Gefahr von Cyberangriffen. Besonders kleine Unternehmen in Wien stehen zunehmend im Visier von Hackern, wie eine aktuelle Studie der Wirtschaftskammer Wien in Zusammenarbeit mit KPMG und dem K
Die digitale Welt hat uns viele Vorteile gebracht, doch mit der fortschreitenden Vernetzung steigt auch die Gefahr von Cyberangriffen. Besonders kleine Unternehmen in Wien stehen zunehmend im Visier von Hackern, wie eine aktuelle Studie der Wirtschaftskammer Wien in Zusammenarbeit mit KPMG und dem Kompetenzzentrum Sicheres Österreich (KSÖ) zeigt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Jeder sechste Cyberangriff auf Wiener Betriebe war erfolgreich, ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Laut der Studie sind Denial-of-Service-Attacken (DoS) mit 85 Prozent die häufigste Angriffsart. Diese Attacken zielen darauf ab, die Server eines Unternehmens mit einer Flut von Anfragen zu überlasten, bis sie zusammenbrechen. Auf Platz zwei liegen Malware-Angriffe mit 75 Prozent. Malware, kurz für 'malicious software', bezeichnet schädliche Programme, die unerwünschte Aktionen auf einem Computer ausführen können, wie das Ausspionieren von Daten oder das Verschlüsseln von Dateien für eine Lösegeldforderung.
Neu in der Liste der Bedrohungen sind Scam-Anrufe, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) durchgeführt werden. Diese Anrufe, die auf Platz vier der häufigsten Angriffsarten liegen, nutzen Stimmenimitation und -manipulation, um Vertrauen zu erwecken und sensible Informationen zu erschleichen. Dies zeigt, wie fortschrittlich und kreativ Hacker inzwischen vorgehen.
Die Struktur der Wiener Wirtschaft macht sie besonders anfällig für Cyberangriffe. Rund 58 Prozent der Unternehmen sind Ein-Personen-Unternehmen (EPU) und 78 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) beschäftigen weniger als zehn Mitarbeiter. Diese Betriebe verfügen oft nicht über die Ressourcen für eine eigene IT-Abteilung oder einen IT-Spezialisten. Stattdessen sind sie auf externe IT-Dienstleister angewiesen, von denen es in Wien etwa 12.500 gibt, aber nur 410 sind auf IT-Security spezialisiert.
Neben der Automobilindustrie, die traditionell ein beliebtes Ziel für Cyberangriffe ist, rückt der Tourismussektor immer mehr in den Fokus der Hacker. Die zunehmende Digitalisierung in dieser Branche, etwa durch Online-Buchungsportale und elektronische Zutritts- und Schließsysteme, macht sie besonders verwundbar. Auch die Energie- und Chemiewirtschaft sowie der öffentliche Sektor stehen auf der Liste der bedrohten Branchen weit oben.
E-Mails sind nach wie vor der einfachste und kostengünstigste Weg, um Menschen zu manipulieren und an Informationen zu gelangen. Ganze 86 Prozent der Angriffe nutzen diesen Kanal. Messenger-Dienste wie WhatsApp und Telegram folgen mit 71 Prozent. Auch soziale Medien und Bewerbungen über Jobplattformen werden zunehmend genutzt, um Unternehmen zu infiltrieren.
Ein IT-Sicherheitsexperte betont: „Der Mensch ist das schwächste Glied in der Kette, aber auch eine zentrale Rolle in der Abwehr von Angriffen. Ein gesundes Maß an Skepsis und regelmäßige Schulungen können hier Wunder wirken.“
Für den Ernstfall raten Experten, ein analoges Krisenhandbuch bereitzuhalten. Dieses sollte alle wichtigen Telefonnummern und Informationen enthalten, um schnell reagieren zu können.
Die Wirtschaftskammer Wien empfiehlt Unternehmen, sich gegen Cyberangriffe zu versichern. Ein spezielles Cyberversicherungsprodukt bietet den Mitgliedern der WK Wien im Schadensfall einen reduzierten Selbstbehalt. Zudem steht seit 2017 eine Cybersecurity-Hotline unter der Nummer 0800 888 133 zur Verfügung, die rund um die Uhr erreichbar ist und im Notfall den Kontakt zu spezialisierten IT-Dienstleistern herstellt.
Die Bedrohung durch Cyberkriminalität wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Unternehmen müssen daher verstärkt in ihre IT-Sicherheit investieren. Die Einführung von 'State of the Art'-Lösungen wie Malware-Schutz und Patch-Management sollten zur Standardpraxis werden. Langfristig wird nur derjenige bestehen können, der die Digitalisierung mit einer robusten Sicherheitsstrategie kombiniert.
Die Herausforderung besteht darin, das Bewusstsein für die Gefahren zu schärfen und gleichzeitig praktikable Lösungen zu finden, die auch für kleinere Unternehmen umsetzbar sind. Die Wirtschaftskammer Wien spielt dabei eine entscheidende Rolle, indem sie ihre Mitglieder unterstützt und informiert.
Fazit: Die digitale Revolution ist in vollem Gange, und mit ihr kommen neue Gefahren. Doch mit der richtigen Vorbereitung und Unterstützung können Wiener Unternehmen diesen Herausforderungen begegnen und ihre digitale Zukunft sichern.