In einer Zeit, in der das österreichische Gesundheitssystem vor großen Herausforderungen steht, rückt eine oft unterschätzte Institution in den Fokus: die Apotheke. Am 9. Oktober 2025 veranstaltete die Oberösterreichische Apothekerkammer ein Sommergespräch im Lentos Kunstmuseum Linz, das aufgrund tr
In einer Zeit, in der das österreichische Gesundheitssystem vor großen Herausforderungen steht, rückt eine oft unterschätzte Institution in den Fokus: die Apotheke. Am 9. Oktober 2025 veranstaltete die Oberösterreichische Apothekerkammer ein Sommergespräch im Lentos Kunstmuseum Linz, das aufgrund tragischer Ereignisse in Graz auf den Herbst verschoben wurde. Über 250 Gäste aus Gesundheitspolitik, Wirtschaft, Medien und der Apothekerschaft nahmen daran teil. Die zentrale Frage lautete: Welche Rolle können Apotheken künftig in der Gesundheitsversorgung spielen?
Apotheken sind weit mehr als nur Orte, an denen Medikamente ausgegeben werden. Sie sind Anlaufstellen für Beratung und Unterstützung, insbesondere in ländlichen Gebieten, wo der nächste Arzt oft weit entfernt ist. Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander betonte die Bedeutung der Apotheken als echte Nahversorger, die durch Beratung und zielgruppengerechte Kommunikation wichtige soziale Funktionen erfüllen.
Ein zentrales Thema des Sommergesprächs war die Prävention. Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig betonte, dass das österreichische Gesundheitssystem gestärkt und weiterentwickelt werden müsse. Apotheken könnten hier eine entscheidende Rolle spielen, indem sie zur Verbesserung der Vorsorge beitragen und die Kosten im Gesundheitswesen dämpfen. Die Einbindung von Patient:innen, Telemedizin und Früherkennung sind zentrale Punkte im Regierungsprogramm, die durch Apotheken unterstützt werden könnten.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Frauengesundheit. Frauen sind oft die Gesundheitsmanagerinnen ihrer Familien und können in Apotheken gezielt Informationen zu verschiedenen Lebensphasen erhalten, so Haberlander. Themen wie die Wechseljahre und die damit verbundenen gesundheitlichen Herausforderungen können in Apotheken umfassend adressiert werden.
Die anschließende Podiumsdiskussion verdeutlichte die vielfältigen Chancen, die Apotheken bieten. Univ.-Prof. Dr. Helmut Salzer, Experte für Infektiologie und Tropenmedizin, sprach sich für das Impfen in Apotheken aus. In Österreich liegt die Influenza-Durchimpfungsrate weit unter dem europäischen Durchschnitt, was gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen hat. Apotheken könnten hier durch ihre hohe Flächendeckung und die niederschwellige Zugänglichkeit einen wichtigen Beitrag leisten.
Monika Aichberger, Vizepräsidentin der Oberösterreichischen Apothekerkammer, betonte, dass über 2.000 Apotheker:innen bereits eine zertifizierte Impffortbildung absolviert haben. Sie sind bereit, neue Dienstleistungen wie das Impfen in der Apotheke anzubieten. Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass dies die Impfbereitschaft insgesamt erhöht.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Apotheken bereit sind, eine wichtige Rolle in der Gesundheitsversorgung zu übernehmen. Wenn Österreich diese Stärken konsequent nutzt, könnten Apotheken entscheidend dazu beitragen, die Versorgung zu sichern, Prävention zu verankern und die Gesundheitskompetenz zu heben. Präsident Thomas Veitschegger betonte abschließend, dass Apotheken verlässliche Partner für die Politik seien. Nun liege es an der Politik, diese Möglichkeiten zu nutzen.
Historisch gesehen haben Apotheken in Österreich eine lange Tradition als Gesundheitsdienstleister. Bereits im Mittelalter waren Apotheken wichtige Anlaufstellen für medizinische Versorgung. In den letzten Jahrzehnten hat sich ihr Aufgabenspektrum stetig erweitert, was in anderen Ländern wie Großbritannien oder Kanada ebenfalls zu beobachten ist. Dort übernehmen Apotheken bereits aktivere Rollen in der Gesundheitsvorsorge, etwa durch Impfprogramme oder die Durchführung von Gesundheitschecks.
Für Bürger:innen bedeutet eine stärkere Einbindung der Apotheken in die Gesundheitsversorgung mehr Zugänglichkeit zu Gesundheitsdienstleistungen. Insbesondere in ländlichen Regionen könnten Apotheken die medizinische Versorgung ergänzen und so die Gesundheitsversorgung insgesamt verbessern. Durch die niederschwellige Beratung und die Möglichkeit, direkt vor Ort Impfungen zu erhalten, könnte die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung gestärkt werden.
Der Blick in die Zukunft zeigt, dass Apotheken eine noch zentralere Rolle im Gesundheitssystem einnehmen könnten. Mit der fortschreitenden Digitalisierung und der Einführung von Telemedizin könnten Apotheken als Schnittstelle zwischen Patient:innen und Ärzt:innen fungieren. Dies würde nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch die Gesundheitskosten senken.
Die Einbindung der Apotheken in die Gesundheitsversorgung ist auch ein politisches Thema. Die Bundesregierung steht vor der Herausforderung, das Gesundheitssystem zu reformieren und dabei alle Akteure einzubinden. Apotheken könnten hier als Partner fungieren, die durch ihre Nähe zu den Menschen und ihre Expertise einen wertvollen Beitrag leisten.
Die Veranstaltung in Linz hat gezeigt, dass Apotheken bereit sind, ihre Rolle im Gesundheitssystem zu erweitern. Sie könnten als Schlüsselakteure in der Prävention und Gesundheitsversorgung fungieren und so einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Gesundheitslandschaft in Österreich leisten. Nun liegt es an der Politik, diese Chancen zu nutzen und die Apotheken in die Reformen des Gesundheitssystems einzubinden.