Die österreichische Philosophie- und Kulturlandschaft verliert einen ihrer bedeutenden Denker: Allan Janik, der renommierte österreichisch-US-amerikanische Philosoph und Wittgenstein-Experte, ist nach längerer Krankheit im 85. Lebensjahr verstorben.
Die österreichische Philosophie- und Kulturlandschaft verliert einen ihrer bedeutenden Denker: Allan Janik, der renommierte österreichisch-US-amerikanische Philosoph und Wittgenstein-Experte, ist nach längerer Krankheit im 85. Lebensjahr verstorben.
Allan Janik wurde am 18. September 1941 in Chicopee, Massachusetts geboren. Er studierte Philosophie und klassische Philologie am St. Anselm College in Manchester, New Hampshire und schloss sein Studium mit dem Master in Philosophie an der Villanova University ab. Er promovierte 1971 in Geschichte der Philosophie (History of Ideas) an der Brandeis University in Massachusetts.
Schon seine ersten Arbeiten galten Ludwig Wittgenstein und Arthur Schopenhauer.
Janik veröffentlichte gemeinsam mit Stephen Toulmin das Werk Wittgensteins Wien (1973, 1996). Durch dieses Werk wurde er zu einem der ersten und auch zu einem der bedeutendsten Philosophen und Historiker auf dem Gebiet des Geisteslebens Wiens um 1900.
1989 wurde er zum Honorarprofessor für Kulturphilosophie an der Universität Wien ernannt. Er arbeitete als Honorarprofessor an der Universität Wien und als Adjunct Professor of Philosophy an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm. Darüber hinaus lehrte er an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko an der Abteilung für Mathematik, an der Universität Innsbruck, an der Universität Stockholm (Jüdische Studien an der Staats- und gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät), im Centre Georges Canguilhem der Universität Paris VII sowie an der Universität Graz und der Universität Bergen.
Ab März 1995 arbeitete Janik als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Brenner-Archivs.
Janik verfasste zahlreiche Publikationen, darunter Towards a New Public Philosophy for the European Union, Assembling Reminders, Theater and Knowledge, The Use and Abuse of Metaphor, Wittgenstein’s Vienna Revisited, Wittgenstein in Wien (mit Hans Veigl), Die Praxis der Physik (mit Monika Seekircher und Jörg Markowitsch) sowie Wittgenstein’s Vienna (mit Stephen Toulmin). Er war Mitbegründer der Wittgenstein Initiative in Wien. Er publizierte in den Fachzeitschriften Nexus (Niederlande), dialoger (Stockholm) und Central European History (Cleveland). Eine englische Ausgabe von Egon Friedells Kulturgeschichte der Neuzeit (2008) enthält eine Einleitung Janiks.
Janik war dem Leopold Museum verbunden und brachte sein Wissen auf Einladung von Direktor Hans-Peter Wipplinger im wissenschaftlichen Beirat zur Neupräsentation der permanenten Sammlung Wien 1900. Aufbruch in die Moderne ein. Als Teil dieser Expert*innenplattform verfasste er den Beitrag Wiens Kultur und Gesellschaft um 1900. Eine schematische Übersicht für den begleitenden Katalog zur Ausstellung.
Mit Allan Janiks Tod verliert die internationale Philosophie einen profilierten Vertreter. Sein Werk und seine Veröffentlichungen werden künftigen Forschern als Quelle dienen.