IUCN stuft Antarktis-Bewohner nach dramatischem Populationsrückgang hoch
Die Weltnaturschutzunion stuft Kaiserpinguine von "gering" auf "stark gefährdet" hoch. WWF warnt vor möglichem Aussterben bis Jahrhundert-Ende.
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat den Kaiserpinguin von "gering gefährdet" auf "stark gefährdet" hochgestuft. Der WWF Österreich warnt eindringlich vor einem möglichen Kollaps der Population und fordert sofortige Maßnahmen zum Schutz dieser Art.
"Das Schicksal dieser faszinierenden Tiere liegt in unseren Händen. Die rasanten Veränderungen in der Antarktis zeigen deutlich, wie verletzlich Kaiserpinguine gegenüber dem Klimawandel sind. Ohne sofortiges Handeln steuern sie auf ein mögliches Aussterben bis zum Ende dieses Jahrhunderts zu", warnt Georg Scattolin, Artenschutzexperte beim WWF Österreich.
Die Neubewertung basiert auf vom WWF unterstützten Forschungsergebnissen, die einen Rückgang der Kaiserpinguin-Population belegen. Bereits zwischen 2009 und 2018 wurde ein Rückgang von nahezu 10 Prozent festgestellt. In Teilen der Westantarktis wurde zwischen 2018 und 2023 ein Rückgang von rund 22 Prozent gemeldet.
Kaiserpinguine sind ausschließlich in der Antarktis heimisch und stark vom sogenannten "Packeis" abhängig - Meereis, das mit dem Land oder Eisschelfen verbunden ist. Dieses dient ihnen über neun Monate im Jahr als Plattform zum Brüten, Aufziehen der Jungtiere sowie für die jährliche Mauser.
Das Meereis verschwindet zunehmend durch die Folgen der Klimakrise. Seit 2016 ist ein deutlicher Rückgang der antarktischen Meereisausdehnung zu beobachten – sowohl hinsichtlich Fläche als auch Dauer. 2022 brachen vier von fünf bekannten Brutkolonien in der Bellingshausen-See zusammen, wobei tausende Jungtiere starben, da sie noch nicht über wasserabweisende Federn verfügten.
Während der jährlichen Mauser, in der sie ihre wasserabweisenden Federn erneuern, sind die Tiere besonders anfällig. Bricht das Packeis zu früh auf, droht ihnen der Tod im eiskalten Wasser. Neue Forschungsergebnisse zeigen außerdem, dass sich die Tiere aufgrund schwindender Eisflächen auf engerem Raum konzentrieren müssen, was das Risiko erhöht.
Derzeit wird die weltweite Kaiserpinguin-Population auf etwa 595.000 erwachsene Tiere geschätzt. Wissenschaftliche Studien zeigen regionale und zeitlich deutliche Rückgänge in vielen Bereichen.
Der WWF fordert entschlossene Maßnahmen auf globaler und regionaler Ebene. Zentral ist die rasche Reduktion von Treibhausgasemissionen, um die Erderwärmung möglichst auf 1,5 °C zu begrenzen. Gleichzeitig ruft die Umweltorganisation dazu auf, Kaiserpinguine im Rahmen des kommenden Treffens des Antarktisvertrags im Mai in Japan als "Besonders geschützte Art" auszuweisen, um zusätzlichen Schutz vor menschlichen Einflüssen wie Schifffahrt und Tourismus zu bieten.
"Nur durch entschlossenen Klimaschutz und gezielte Schutzmaßnahmen vor Ort können wir das Überleben der Kaiserpinguine sichern", sagt Scattolin.