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Waldviertel: 31 Gemeinden kämpfen gegen Einsamkeit

Nachbarschaftskultur-Verein koordiniert ehrenamtliche Hilfe über Gemeindegrenzen hinweg

9. April 2026 um 10:01
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Landeshauptfrau Mikl-Leitner besuchte innovative Initiative im Waldviertel, die mit 650 Ehrenamtlichen gegen die "stille Volkskrankheit" Einsamkeit kämpft.

Im niederösterreichischen Waldviertel entsteht ein Vorzeigeprojekt gegen Einsamkeit: 31 Gemeinden haben sich zur gemeinsamen "NachbarschaftsKultur im Waldviertel" zusammengeschlossen. Diese innovative Initiative koordiniert ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe über Gemeindegrenzen hinweg und wurde nun von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im Stadtsaal Groß Siegharts besucht.

Einsamkeit als gesellschaftliche Herausforderung

"Einsamkeit ist zu einer stillen Volkskrankheit geworden, die uns alle trifft", erklärte Mikl-Leitner bei einem gemeinsamen Frühstück mit Ehrenamtlichen und Bürgermeistern der fünf Teilnehmerbezirke. Die Landeshauptfrau betonte dabei die besondere Bedeutung der Initiative: "Ihr seid das Gegenbeispiel von Einsamkeit – nämlich Geselligkeit."

Besonders betroffen von Einsamkeit seien laut Mikl-Leitner nicht nur viele Jugendliche, sondern vor allem die ältere Generation und Familien. Als Hauptursache für diese Entwicklung identifizierte sie das Tempo der modernen Gesellschaft: "Die Welt wird immer schneller, aber das Menschliche ist nicht im gleichen Maß mitgewachsen."

Aktive Maßnahmen gegen Isolation

Die Landeshauptfrau machte jedoch deutlich, dass Einsamkeit kein unabwendbares Schicksal sei. "Für uns ist Einsamkeit eine der größten sozialen Herausforderungen, wogegen man aber etwas tun kann", betonte sie. Der Schlüssel liege in der Stärkung des Vereinswesens und des Ehrenamts sowie in der Schaffung von Begegnungsräumen.

"Nachbarschaftskultur ist viel mehr als Nachbar zu sein. Das heißt gelebte soziale Nähe im Alltag", erläuterte Mikl-Leitner das Konzept. "Diese Nähe gibt den Menschen Halt und Orientierung und dort wo man sich hilft, steigen Vertrauen, Beziehung und Gemeinschaft. Gerade eine starke Nachbarschaftskultur ist das beste und stärkste Netz direkt vor der Haustür."

Lob vom Sozialministerium

Auch Christoph Angster vom Sozialministerium zeigte sich beeindruckt von der Waldviertler Initiative. "Dieses Projekt ist gewaltig, was ihr hier leistet ist eine perfekte Blaupause für meine Arbeit in Wien", lobte er das Engagement vor Ort. "Ihr schafft das, was wir für ganz Österreich umzusetzen versuchen."

Angster bezeichnete den neuen Verein NachbarschaftsKultur als "Vorzeigemodell" und hob hervor: "Ihr schafft es, durch Ehrenamt Einsamkeit zu lindern."

Beeindruckende Zahlen der Initiative

Die Dimension des Projekts wird durch konkrete Zahlen deutlich: In den 31 beteiligten Gemeinden sind fast 650 Ehrenamtliche für den Verein tätig. Das Einzugsgebiet umfasst über 35.000 Einwohner, davon sind rund 8.430 Menschen über 65 Jahre alt – eine Zielgruppe, die besonders von den Angeboten profitiert.

Obmann und Bürgermeister Günter Schalko erläuterte gemeinsam mit Geschäftsführerin Doris Maurer die verschiedenen Projekte der Initiative. Dabei betonte er ein wichtiges Prinzip: "Jeden Dienst, den man macht, muss man gerne machen. Das ist das Credo für unsere Ehrenamtlichen."

Entstehung aus bewährten Strukturen

Die "NachbarschaftsKultur im Waldviertel" entstand vor einigen Monaten durch den Zusammenschluss von drei bereits bestehenden Initiativen. Diese Bündelung von Kräften ermöglicht es nun, ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe systematisch zu koordinieren und kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Das Projekt zeigt, wie lokale Gemeinschaften innovative Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen finden können. Durch die Vernetzung über Gemeindegrenzen hinweg entsteht ein dichtes Netz sozialer Unterstützung, das besonders für ältere Menschen und isolierte Familien einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität leistet.

Modellcharakter für ganz Österreich

Die positive Resonanz aus dem Sozialministerium unterstreicht den Modellcharakter der Waldviertler Initiative. In Zeiten zunehmender Vereinsamung, verstärkt durch demografischen Wandel und gesellschaftliche Veränderungen, bietet das Projekt konkrete Lösungsansätze, die auch in anderen Regionen Österreichs Anwendung finden könnten.

Die Kombination aus ehrenamtlichem Engagement, professioneller Koordination und politischer Unterstützung schafft ein nachhaltiges Fundament für nachbarschaftliche Solidarität. Das Waldviertel beweist damit, dass der Kampf gegen Einsamkeit erfolgreich geführt werden kann – wenn Gemeinschaften zusammenstehen und konkrete Maßnahmen ergreifen.

Schlagworte

#Waldviertel#Nachbarschaftshilfe#Einsamkeit#Ehrenamt#Mikl-Leitner

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