Mauthausen Komitee plant Eröffnung für Herbst 2026 - weitere Spenden benötigt
Am historischen Standort des ehemaligen KZ-Außenlagers Gunskirchen entsteht ein neuer Gedenkort. Das Projekt soll 2026 eröffnet werden.
In den Traunauen zwischen Gunskirchen und Edt bei Lambach entsteht ein neuer Gedenkort, der an eines der grausamsten Kapitel der österreichischen NS-Geschichte erinnern soll. Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) arbeitet seit Jahren an der Realisierung dieses Projekts, das einen lange verdrängten Ort der NS-Verbrechen dauerhaft ins öffentliche Bewusstsein rücken soll.
Das ehemalige KZ-Außenlager Gunskirchen gehörte zu den grausamsten Außenlagern des Konzentrationslagers Mauthausen. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs wurden dort tausende Menschen - überwiegend jüdische Häftlinge aus verschiedenen europäischen Ländern - unter katastrophalen Bedingungen interniert.
Die Zustände im Lager waren derart unmenschlich, dass viele Häftlinge bereits vor der Befreiung durch die US-Armee starben. Selbst nach der Befreiung konnten zahlreiche Überlebende nicht gerettet werden - sie erlagen den Folgen von Entkräftung und Krankheiten, die sie sich während der Internierung zugezogen hatten.
Trotz dieser historischen Bedeutung existiert bis heute kein umfassender Gedenkort direkt am ehemaligen Lagergelände. Zwar erinnern vereinzelte Denkmäler und Gedenktafeln an die Geschehnisse, doch eine zentrale, zugängliche und zeitgemäße Form der Geschichtsvermittlung fehlte bislang.
Mit dem neuen Gedenkort Gunskirchen schafft das MKÖ erstmals einen Ort, der Geschichte, Erinnerung und moderne Bildungsarbeit miteinander verbindet. Auf einem rund 4.000 Quadratmeter großen Waldgrundstück entstehen mehrere Gedenkstelen, die die Geschichte des Lagers umfassend und didaktisch aufbereiten.
Ein besonderes Merkmal des Gedenkorts ist seine digitale Ausrichtung. Über QR-Codes erhalten Besucher Zugang zu vertiefenden Informationen, darunter historische Dokumente, Fotografien sowie bewegende Berichte von Zeitzeugen. Diese multimediale Herangehensweise ermöglicht es, auch jüngeren Generationen einen zeitgemäßen Zugang zur Geschichte zu bieten.
Darüber hinaus wird der Gedenkort auch digital erlebbar sein, was eine weltweite Zugänglichkeit ermöglicht. Diese innovative Verbindung von physischem Gedenken und digitaler Vermittlung macht das Projekt zu einem Vorreiter in der modernen Erinnerungskultur.
Das ambitionierte Projekt wird maßgeblich durch Spenden und Fundraising-Aktivitäten finanziert. Bereits im vergangenen Jahr startete das MKÖ eine Crowdfunding-Initiative, die auf breite gesellschaftliche Unterstützung stieß. Dennoch sind für die finale Umsetzung und die vollständige inhaltliche Ausgestaltung des Gedenkorts weitere finanzielle Mittel erforderlich.
"Wir haben im vergangenen Jahr große Unterstützung für dieses Projekt erfahren", erklärt Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Österreich. "Gleichzeitig zeigt sich, wie wichtig es ist, diesen Ort in seiner ganzen Dimension sichtbar zu machen. Dafür brauchen wir weiterhin die Unterstützung der Gesellschaft. Jede Spende trägt dazu bei, dass Erinnerung konkret und zugänglich wird."
Das Projekt befindet sich derzeit in einer entscheidenden Phase. Die Planungen sind weit fortgeschritten, und die Eröffnung des Gedenkorts ist für Herbst 2026 vorgesehen. Bis dahin müssen jedoch noch verschiedene Arbeiten abgeschlossen und die finale Finanzierung gesichert werden.
Der gewählte Eröffnungstermin ist bewusst gewählt: Er ermöglicht es, den Gedenkort rechtzeitig vor wichtigen Gedenktagen und Jahrestagen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Gleichzeitig bietet der Zeitrahmen ausreichend Möglichkeiten für die sorgfältige inhaltliche Vorbereitung und die Integration verschiedener pädagogischer Ansätze.
Der Gedenkort Gunskirchen wird eine wichtige Lücke in der österreichischen Erinnerungslandschaft schließen. Während das Hauptlager Mauthausen bereits seit Jahren als Gedenkstätte fungiert, war die Geschichte vieler Außenlager lange Zeit weniger präsent im öffentlichen Bewusstsein.
Das Projekt steht exemplarisch für die Notwendigkeit, auch dezentrale Orte des NS-Terrors sichtbar zu machen und deren Geschichte zu vermitteln. Gerade in Zeiten, in denen die letzten Zeitzeugen versterben, kommt solchen Gedenkorten eine besondere Bedeutung zu.
Der neue Gedenkort wird nicht nur ein Ort der stillen Erinnerung sein, sondern auch eine wichtige Bildungseinrichtung. Schulklassen und Jugendgruppen sollen hier die Möglichkeit erhalten, sich intensiv mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.
Die Verwendung moderner Technologien wie QR-Codes und digitaler Inhalte entspricht dabei den Gewohnheiten jüngerer Generationen und ermöglicht eine interaktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. Diese zeitgemäße Herangehensweise kann dazu beitragen, dass die Erinnerung an die NS-Verbrechen auch in Zukunft lebendig bleibt.
Interessierte können das Projekt weiterhin unterstützen. Informationen über Spendenmöglichkeiten und den aktuellen Stand des Projekts finden sich auf der eigens eingerichteten Website www.gedenkort-gunskirchen.at. Dort werden auch regelmäßig Updates über den Baufortschritt und geplante Veranstaltungen veröffentlicht.
Das Mauthausen Komitee Österreich zeigt sich zuversichtlich, dass das Projekt wie geplant realisiert werden kann. Die bisherige Unterstützung aus der Bevölkerung und von institutioneller Seite stimmt die Verantwortlichen optimistisch, dass der Gedenkort Gunskirchen zu einem wichtigen Baustein der österreichischen Erinnerungskultur werden wird.
Mit der Eröffnung im Herbst 2026 wird ein weiterer Schritt getan, um sicherzustellen, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten und kommende Generationen aus der Geschichte lernen können.