Soul in Baden, Klassik auf Schloss Wartholz und Festival-Highlights
Von Soul-Musik bis zur Klassik: Niederösterreich bietet diese Woche ein abwechslungsreiches Musikprogramm in verschiedenen Spielstätten.
Niederösterreich präsentiert sich in dieser Woche als wahres Musikland: Von Soul-Klängen in Baden über klassische Konzerte auf Schloss Wartholz bis hin zu innovativen Jazz-Projekten in St. Pölten – die Vielfalt der Veranstaltungen spiegelt die lebendige Kulturszene des Bundeslandes wider.
Den Auftakt macht heute Donnerstag das Wiener Soulhotel beim Jazz Café Project im Theater am Steg in Baden. Unter dem Motto "soulmusic for love and peace" interpretiert die Formation ab 19 Uhr sowohl alte als auch neue Soul-Klassiker. Der Eintritt erfolgt gegen freie Spende, was das niederschwellige Konzept der Veranstaltung unterstreicht.
Parallel dazu treten im Cinema Paradiso Baden die Strizzirocker von Metternich auf. Die Gruppe kombiniert ab 20 Uhr Wiener Dialekt mit Rockmusik im Unplugged-Format und zeigt damit eine für Wien typische Musikrichtung, die lokale Mundart mit internationalen Musikstilen verbindet.
Eine besondere Form der musikalischen Zeitreise bietet die "Schlagertherapie" in der Waldviertler Kammerbühne in Ottenschlag. Thomas Gansch, Leonhard Paul, Sebastian Fuchsberger und Michael Hornek widmen sich ab 19.30 Uhr den schönsten Schlagern der 1950er- und 1960er-Jahre. Diese Dekaden gelten als Goldene Zeit des deutschsprachigen Schlagers und prägten nachhaltig die Musiklandschaft im deutschsprachigen Raum.
Das Festspielhaus St. Pölten setzt auf internationale Akzente: Der aus Brasilien stammende Pianist Amaro Freitas präsentiert sein neues Album "Y'Y", das von afrobrasilianischen und indigenen Musikkulturen inspiriert ist, gleichzeitig aber auch in der Tradition großer Jazz-Pianisten wie Thelonious Monk oder Chick Corea steht.
Am Montag folgt ein klassisches Highlight mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich unter Hans Graf. Auf dem Programm stehen Sergej Rachmaninows Jugendsymphonie d-moll und die Symphonie Nr. 3 a-moll op. 44 sowie Paul Hindemiths Konzert für Violine und Orchester. Als Solist fungiert Ziyu He an der Violine.
"Im Land, wo die Zitronen blüh'n" nennt sich ein außergewöhnliches Konzert-Format im Stadttheater Wiener Neustadt. Der Tenor Herbert Lippert, der Bariton Clemens Unterreiner und die Pianistin Andrea Linsbauer unternehmen eine musikalische Reise nach Italien mit Melodien von Eduardo di Capua, Vincenzo De Crescenzo und Cesare Andrea Bixio. Ergänzt wird das Programm durch eine Lesung von Gerti Drassl.
Das Stadttheater setzt die Woche mit weiteren Highlights fort: Am Freitag spielt Da Blechhauf'n Brass-Power "On Air", am Samstag präsentiert Thomas Strobl sein Musik-Kabarett "Comedy Sing-Along". Ein besonderer Termin ist das traditionelle Jahreskonzert des Orchesters und der Chöre des BORG Wiener Neustadt am Dienstag, bei dem Highlights der klassischen Musik erklingen.
Innovative Klangkonzepte stehen im Mittelpunkt der Veranstaltungen im Kulturbahnhof Altenmarkt-Thenneberg. Das Volksmusik-Ensemble Aniada a Noar entdeckt "Jenseits des Ganges" neue Klanglandschaften und musikalische Ausdrucksformen. Am Freitag folgt "Konzertante Aneignung – eine musikalische Frechheit" mit Andreas Hofmeir und Barbara Schmelz, die "frech geklaute Meisterwerke" für Tuba und Klavier interpretieren.
Ein besonderes Highlight stellt das viertägige Festival "fest Gosh!art" im Quartier Wolkersdorf dar, das sich der Dialektmusik und kreativen Sprache widmet. Das Festival beginnt heute mit dem Kärntner Quartett Klakradl und den RaDeschnig-Schwestern. Über vier Tage hinweg präsentieren verschiedene Künstler wie Violetta Parisini, Mira Lu Kovacs, Lucas Fendrich und die Gypsy-Balkan-Truppe Gewürztraminer ihre Interpretationen von Dialektmusik.
Den klassischen Höhepunkt der Woche bilden die Konzerte auf Schloss Wartholz in Reichenau an der Rax. Am Samstag bringen der Tenor Julian Prégardien und die Pianistin Eloïse Bella Kohn "Rückert-Lieder" mit Werken von Franz Schubert, Clara Schumann und Gustav Mahler zur Aufführung. Am Sonntag folgt ein Gesprächskonzert mit Wilhelm Sinkovicz und Mitgliedern der Orchesterakademie der Wiener Philharmoniker, das sich Claude Debussys Trio für Flöte, Viola und Harfe widmet.
Die Programmvielfalt wird durch zahlreiche weitere Veranstaltungen abgerundet: Im Stadttheater Berndorf eröffnet "Women on Fire" das diesjährige "Klassik.Klang berndorf"-Programm mit bekannten Opernarien und Instrumentalstücken von Komponistinnen. Das Konzerthaus Weinviertel in Ziersdorf präsentiert die Formation Maxjoseph mit Volksmusik und Jazz-Elementen.
Nostalgie der besonderen Art bietet The Roaring Sixties Company im Schloss Kottingbrunn mit "Number-One-Hits der Sixties & Seventies", während in Hollabrunn "Die große Schlagernacht im Weinviertel" mit prominenten Künstlern wie Semino Rossi und G.G. Andersson stattfindet.
Besonders erwähnenswert sind die familienfreundlichen Formate: Im Haydn-Geburtshaus in Rohrau lädt "Mäuschen Max verschenkt die Welt" Kinder bis sieben Jahre zu musikalischen Begegnungen mit den Welten der Brüder Joseph und Michael Haydn ein. Das VAZ St. Pölten bietet mit Bernhard Fibichs Mitmachkonzert "Kuddelmuddel und Gesprudel" ein spezielles Kinderprogramm.
Die Vielfalt der Veranstaltungen zeigt die Lebendigkeit der niederösterreichischen Musikszene. Von traditioneller Volksmusik über experimentelle Klangkonzepte bis hin zu internationalen Jazz- und Klassik-Produktionen spannt sich ein breites Spektrum, das verschiedenste Zielgruppen anspricht.
Besonders bemerkenswert ist die geografische Verteilung der Veranstaltungen: Von Baden im Süden über St. Pölten im Zentrum bis ins Waldviertel im Norden zeigt sich Niederösterreich als flächendeckend aktive Kulturregion. Dies stärkt nicht nur die lokale Kulturszene, sondern macht hochwertige Musikveranstaltungen auch abseits der großen Zentren zugänglich.
Die unterschiedlichen Veranstaltungsformate – von der freien Spende bis zum klassischen Konzertabend – ermöglichen verschiedenen Bevölkerungsschichten den Zugang zur Musik. Dies entspricht dem kulturpolitischen Ansatz Niederösterreichs, Kultur als Gut für alle Gesellschaftsschichten zu etablieren.