FPÖ kritisiert Personalentscheidungen der Programmdirektorin
Inmitten der Debatte um hohe ORF-Gehälter werden drei neue Führungspositionen vergeben. Die Opposition spricht von "Osternesterln".
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ORF steht erneut im Zentrum politischer Kritik. Nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung der umstrittenen Gehaltsliste am Küniglberg hat Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz drei neue Leitungspositionen besetzt. Die Entscheidung sorgt besonders bei der Opposition für Unmut.
Stefanie Groiss-Horowitz, die unter der schwarz-grünen Bundesregierung zur Programmdirektorin aufgestiegen ist, ernannte drei Kolleginnen zu Ressort- beziehungsweise Redaktionsleiterinnen. Diese Personalentscheidungen fallen in eine Zeit, in der der ORF aufgrund der Diskussion um Spitzengehälter bereits unter öffentlicher Beobachtung steht.
Die Besetzung der Positionen erfolgt nur wenige Monate vor dem Ende der Amtszeit des aktuellen Direktoriums. Diese Timing-Frage wird von Kritikern als besonders problematisch angesehen, da normalerweise bei einem bevorstehenden Führungswechsel größere Personalentscheidungen aufgeschoben werden.
FPÖ-Mediensprecher und Generalsekretär Christian Hafenecker übt scharfe Kritik an der Vorgangsweise. Er spricht von "Osternesterln", die kurz vor den Feiertagen verteilt würden. Hafenecker stellt die Frage nach der neuen Linie der interimistischen ORF-Chefin Ingrid Thurnher und kritisiert, dass statt weniger Spitzenjobs und neuer Bescheidenheit gleich drei weitere hochbezahlte Posten geschaffen werden.
Der FPÖ-Politiker zieht Parallelen zu "flüchtenden Regierungen", die kurz vor ihrem Ende noch schnell Posten besetzen. Diese Kritik zielt auf das Timing der Personalentscheidungen ab, die wenige Monate vor der Neubestellung des Direktoriums erfolgen.
Hafenecker kritisiert auch die bisherige Amtsführung von Programmdirektorin Groiss-Horowitz. Als Beispiel führt er die Ernennung von Sportchef Hannes Aigelsreiter an, der mit einem Jahresgehalt von 340.000 Euro den dritten Platz in der ORF-Gehaltsliste belegte. Besonders brisant: Aigelsreiter verließ seine Position als Sportchef bereits wieder, nachdem er ernannt worden war.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft mögliche familiäre Verflechtungen. Hafenecker erwähnt, dass Nina Horowitz, die Ehefrau der Programmdirektorin, bei der Besetzung des neuen Podcasts "Liebesg'schichten und Heiratssachen" zum Zug gekommen sei. Diese Konstellation wird als "Family Business" bezeichnet.
Die aktuellen Personalentscheidungen fallen in eine Zeit anhaltender Diskussionen über die Gehaltsstruktur beim ORF. Die Veröffentlichung der Gehaltsliste hatte für erhebliche öffentliche Diskussionen gesorgt, da viele Österreicherinnen und Österreicher die Höhe der Bezüge als unangemessen empfanden.
Diese Debatte ist besonders sensibel, da der ORF über Gebühren financed wird, die von allen Haushalten mit Rundfunkempfang bezahlt werden müssen. Die sogenannten "Zwangsgebührenzahler" haben daher ein besonderes Interesse an einer sparsamen und transparenten Verwendung ihrer Beiträge.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht vor einem Führungswechsel. Das aktuelle Direktorium befindet sich in den letzten Monaten seiner Amtszeit, weshalb die Besetzung neuer Führungspositionen zusätzliche Brisanz erhält. Normalerweise werden in einer solchen Übergangsphase größere Personalentscheidungen der neuen Führung überlassen.
Interimistisch wird der ORF derzeit von Ingrid Thurnher geleitet. Von ihr erwarten Kritiker eine klarere Linie in Personalfragen und eine Berücksichtigung der öffentlichen Diskussion um Spitzengehälter beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
Die Opposition fordert eine grundsätzliche Kurskorrektur beim ORF. Statt neuer hochdotierter Positionen sollten Sparsamkeit und Bescheidenheit im Vordergrund stehen. Diese Haltung spiegelt die allgemeine öffentliche Diskussion wider, die mehr Transparenz und eine angemessenere Gehaltsstruktur beim gebührenfinanzierten Rundfunk fordert.
Hafenecker appelliert an die interimistische ORF-Chefin Thurnher, derartige Vorgänge im Interesse aller Gebührenzahler zu unterbinden. Er sieht die aktuellen Entwicklungen als schädlich für das Image des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Die aktuellen Personalentscheidungen dürften die Diskussion um die Führung und Gehaltsstruktur des ORF weiter anheizen. Mit dem bevorstehenden Führungswechsel wird erwartet, dass das neue Direktorium auch die Personalpolitik der vergangenen Monate unter die Lupe nehmen wird.
Für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist es wichtig, das Vertrauen der Gebührenzahler zurückzugewinnen und gleichzeitig seine Aufgabe als unabhängiger Medienanbieter zu erfüllen. Die Balance zwischen notwendigen Führungskompetenzen und angemessenen Kosten bleibt eine der zentralen Herausforderungen für die Zukunft des ORF.