150 Teilnehmer diskutierten verhältnisorientierte Ansätze
Großes Interesse an Sturzprävention: WiG-Fachtagung im Rathaus beleuchtet ganzheitliche Ansätze für sicheres Altern in der Stadt.
Die alternde Gesellschaft stellt Städte vor neue Herausforderungen. Wie können ältere Menschen möglichst lange sicher und selbstbestimmt in ihrer vertrauten Umgebung leben? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Fachtagung "Sicher gesund in Wien" der Wiener Gesundheitsförderung (WiG), die am 24. März 2026 im Wiener Rathaus stattfand.
Mit rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus verschiedenen Bereichen des Gesundheits- und Sozialwesens stieß die Veranstaltung auf großes Interesse. Im Fokus stand dabei ein ganzheitlicher Ansatz zur Sturzprävention, der weit über medizinische Aspekte hinausgeht und die gesamte Lebensumgebung älterer Menschen in den Blick nimmt.
"Mit unserem neuen Projekt 'Sicher gesund in Wien' setzen wir einen Schwerpunkt für ältere Menschen und wollen Seniorinnen und Senioren, ihnen nahestehende Personen, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Gesundheits- und Betreuungsbereich ermuntern, sich bewusst mit dem Thema Stürze und Sturzprävention auseinanderzusetzen", erklärte Dennis Beck, Geschäftsführer der WiG, bei der Eröffnung der Tagung.
Agnes Streissler-Führer, Landesstellenausschuss-Vorsitzende der Österreichischen Gesundheitskasse in Wien, betonte in ihrer Begrüßung einen wichtigen Aspekt: "Stürze im Alter sind kein unvermeidbares Schicksal. Mit gezielter Prävention, Bewegung und einem sicheren Umfeld können wir die Lebensqualität älterer Menschen nachhaltig verbessern, ihre Selbstständigkeit länger erhalten und zusätzlich noch Kosten im Gesundheitssystem reduzieren."
Ein zentraler Erkenntnisgewinn der Fachtagung war, dass effektive Sturzprävention nur durch einen interdisziplinären Ansatz gelingen kann. Sabine Hofer-Gruber, Seniorinnen- und Seniorenbeauftragte der Stadt Wien, unterstrich diese Notwendigkeit: "Als Seniorinnen- und Seniorenbeauftragte der Stadt Wien ist es mir ein wichtiges Anliegen, dass Seniorinnen und Senioren möglichst lange sicher, gesund und selbstbestimmt in ihrer vertrauten Umgebung leben können."
Die Fachvorträge und Podiumsdiskussionen machten deutlich, dass neben dem Gesundheitssektor auch andere städtische Bereiche einen wichtigen Beitrag leisten müssen. Stadtplanung, Verkehrswesen und Wohnbau spielen eine entscheidende Rolle bei der Schaffung sicherer Umgebungen für ältere Menschen.
Besonders interessant waren die Beiträge zu digitalen Technologien bei der Prävention und Erkennung von Stürzen. Auch das Thema demenzsensible Räume fand große Aufmerksamkeit bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Diese innovativen Ansätze zeigen, wie moderne Technologie und durchdachte Raumgestaltung zur Sicherheit älterer Menschen beitragen können.
Am "Marktplatz" der Veranstaltung präsentierten verschiedene Organisationen ihre Angebote und Erfahrungen rund um Sicherheit, Sturzprävention und Gesundheitsförderung. Dies ermöglichte einen direkten Austausch zwischen den Fachkräften und bot Gelegenheit zur Vernetzung.
Die Fachtagung war Teil des gleichnamigen Projekts der Wiener Gesundheitsförderung, das bis Ende 2026 läuft. Ziel ist es, durch Sensibilisierung und Wissensvermittlung einen nachhaltigen Beitrag zur Sturzprävention zu leisten. Dabei werden verschiedene Zielgruppen angesprochen: Expertinnen und Experten in Gesundheits- und Sozialberufen, Seniorinnen und Senioren selbst sowie deren Angehörige.
Bereits in Umsetzung befinden sich Workshops, die in Kooperation mit dem Kuratorium für Verkehrssicherheit und dem Präventionsteam der Wiener Linien durchgeführt werden. Diese praktischen Angebote zielen darauf ab, konkretes Wissen zu vermitteln und Verhaltensänderungen zu fördern.
Ein besonders innovatives Element des Projekts ist die geplante Web-App zur Sturzprävention. Diese soll in Zusammenarbeit mit Wiener Wohnen und dem Fonds Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser pilotiert werden. Die App könnte künftig älteren Menschen dabei helfen, Risiken in ihrer Wohnumgebung zu erkennen und präventive Maßnahmen zu ergreifen.
Das Projekt wird aus dem Landesgesundheitsförderungsfonds (LGFF) finanziert, der im Zuge der Gesundheitsreform von der Sozialversicherung und der Stadt Wien eingerichtet wurde. Diese Finanzierungsstruktur unterstreicht die Bedeutung, die der Sturzprävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe beigemessen wird.
Die volkswirtschaftliche Dimension von Stürzen im Alter ist beträchtlich. Neben dem menschlichen Leid verursachen Sturzverletzungen hohe Kosten im Gesundheitssystem. Krankenhausaufenthalte, Rehabilitationsmaßnahmen und langfristige Betreuung belasten die öffentlichen Budgets erheblich. Präventive Maßnahmen können hier eine doppelte Dividende erwirken: Sie verbessern die Lebensqualität der Betroffenen und reduzieren gleichzeitig die gesellschaftlichen Kosten.
Die positive Resonanz auf die Fachtagung zeigt, dass das Thema Sturzprävention in der Fachwelt auf großes Interesse stößt. Dies ist ein wichtiger Schritt, da erfolgreiche Prävention vor allem durch die Multiplikatorenwirkung von Fachkräften erreicht werden kann.
Die Vernetzung verschiedener Akteure, die bei der Tagung vorangetrieben wurde, ist ein wesentlicher Baustein für den Erfolg präventiver Maßnahmen. Nur wenn Gesundheitswesen, Stadtplanung, Wohnbau und Verkehrswesen koordiniert vorgehen, können sichere Lebensräume für ältere Menschen geschaffen werden.
Wien steht wie viele andere Städte vor der Herausforderung einer alternden Bevölkerung. Der Anteil älterer Menschen wird in den kommenden Jahren weiter steigen, was neue Anforderungen an die städtische Infrastruktur und die Gesundheitsversorgung stellt. Projekte wie "Sicher gesund in Wien" sind daher nicht nur sinnvoll, sondern notwendig, um rechtzeitig die Weichen für eine altersgerechte Stadt zu stellen.
Die Fachtagung hat gezeigt, dass Wien auf einem guten Weg ist, diese Herausforderungen anzunehmen. Die Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit und die Entwicklung innovativer Lösungsansätze lassen hoffen, dass die Stadt auch in Zukunft ein sicherer und lebenswerte Ort für Menschen aller Altersgruppen bleiben wird.