Starke Vertretung für heimische Klein- und Mittelbetriebe in Brüssel
Der WKÖ-Normungsexperte aus dem Burgenland übernimmt wichtige Position in der Europäischen Normungsorganisation Small Business Standards.
Ein bedeutender Erfolg für Österreichs kleine und mittlere Unternehmen: Der burgenländische Jurist Lukas Koo wurde zum Vizepräsidenten der Europäischen Normungsorganisation Small Business Standards (SBS) gewählt. In seiner neuen Funktion ist er für die Außenbeziehungen der Organisation zuständig und soll die Interessen von rund 22,5 Millionen europäischen KMU vertreten.
Die Wahl Koos zum SBS-Vizepräsidenten am 31. März 2026 stellt einen wichtigen Meilenstein für die Vertretung österreichischer Wirtschaftsinteressen auf europäischer Ebene dar. Der Normungsexperte der Bundessparte Gewerbe/Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) war bereits seit Juni 2024 Board-Mitglied der in Brüssel ansässigen Organisation.
"Das ist ein großer Vertrauensbeweis und beweist, welchen Eindruck seine Arbeit in Brüssel hinterlassen hat", kommentiert Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ, die Ernennung seines Mitarbeiters. Denk betont dabei die Bedeutung der internationalen Normungsarbeit: "96 Prozent aller Normen werden bereits auf internationaler Ebene erstellt. Daher müssen die Interessen und Bedürfnisse auch auf dieser Ebene mit Nachdruck vertreten werden."
Koos beruflicher Werdegang zeigt eine beeindruckende Vielseitigkeit. Als Jurist sammelte er zunächst Erfahrungen im Bankwesen und im Bundeskanzleramt, bevor er 2022 zur WKÖ wechselte. Dort arbeitet er vorrangig in den Bereichen Normung, Nachhaltigkeit und Umwelt für die Bundessparte Gewerbe und Handwerk.
Besonders wertvoll für seine neue Aufgabe ist sein praktischer Bezug zur Wirtschaft: Durch den familiären Hintergrund eines Bäckereibetriebs kennt Koo sowohl die regulatorische als auch die praktische Seite der Unternehmensführung. Diese Erfahrung ermöglicht es ihm, die Herausforderungen von Klein- und Mittelbetrieben aus erster Hand zu verstehen.
In seiner täglichen Arbeit kooperiert Koo eng mit Austrian Standards, der österreichischen Normungsorganisation. Diese Zusammenarbeit verschafft ihm tiefe Einblicke in die nationalen und internationalen Normungsprozesse.
Als frischgebackener SBS-Vizepräsident hat Koo klare Vorstellungen über seine Prioritäten. "Standards sind eine Voraussetzung für das Funktionieren des europäischen Binnenmarktes, sie ermöglichen Innovation und erleichtern den Marktzugang", erklärt er seine Motivation. Dabei stellt er die Bedürfnisse der Unternehmen in den Mittelpunkt: "Standards müssen den Unternehmen dienen - und nicht umgekehrt."
Sein Hauptziel ist es, Normungsprozesse auf europäischer Ebene für Klein- und Mittelbetriebe zugänglicher zu gestalten. "Mir ist es besonders wichtig, dass Normungsprozesse für KMU inklusiv, transparent und offen ablaufen", betont Koo. Diese Herangehensweise ist von großer Bedeutung, da kleinere Unternehmen oft nicht über die Ressourcen verfügen, um sich aktiv an komplexen Normungsverfahren zu beteiligen.
Die Normungsarbeit stellt für KMU besondere Herausforderungen dar. Während Großunternehmen eigene Abteilungen für Normungsfragen unterhalten können, müssen sich kleine Betriebe oft auf externe Expertise verlassen oder ganz auf eine Beteiligung verzichten. Dies kann dazu führen, dass ihre spezifischen Bedürfnisse in den Normungsprozessen nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Koos Erfahrung aus dem familiären Bäckereibetrieb macht ihn besonders sensibel für diese Problematik. Er weiß, wie schwierig es für Handwerksbetriebe sein kann, komplexe technische Normen zu verstehen und umzusetzen, während sie gleichzeitig ihren täglichen Geschäftsbetrieb führen müssen.
Die Organisation Small Business Standards, deren Vizepräsident Koo nun ist, spielt eine zentrale Rolle in der europäischen Normungslandschaft. Die 2013 gegründete Non-Profit-Organisation mit Sitz in Brüssel vertritt die Interessen kleiner und mittlerer Unternehmen im Normungsbereich und wird sowohl von der Europäischen Union als auch von der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) kofinanziert.
Mit 22 Mitgliedsorganisationen spricht SBS im Namen von rund 22,5 Millionen KMU in Europa. Die Organisation berät und unterstützt diese Unternehmen dabei, Normungsprozesse auf europäischer und internationaler Ebene bestmöglich zu beeinflussen. Dabei geht es nicht nur um die Teilnahme an bestehenden Verfahren, sondern auch darum, KMU zur aktiven Mitgestaltung zu motivieren.
Die Ko-Finanzierung durch EU und EFTA unterstreicht die politische Bedeutung, die der Einbindung von KMU in Normungsprozesse beigemessen wird. Diese Unterstützung ermöglicht es SBS, unabhängig von Einzelinteressen zu agieren und sich ausschließlich auf die Bedürfnisse der vertretenen Unternehmen zu konzentrieren.
Die Arbeit von SBS umfasst verschiedene Bereiche: von der direkten Beratung einzelner Unternehmen über die Koordination zwischen den Mitgliedsorganisationen bis hin zur Interessenvertretung gegenüber den europäischen Normungsorganisationen CEN, CENELEC und ETSI.
Koos Ernennung zum SBS-Vizepräsidenten hat auch für den Wirtschaftsstandort Österreich besondere Bedeutung. Mit seiner Position kann er sicherstellen, dass die Besonderheiten und Bedürfnisse österreichischer KMU in den europäischen Normungsprozessen Gehör finden.
Österreich hat traditionell eine starke mittelständische Wirtschaftsstruktur. Viele innovative Unternehmen in Bereichen wie Maschinenbau, Umwelttechnik oder Lebensmittelproduktion sind auf funktionierende und praxistaugliche Normen angewiesen. Gleichzeitig können sie durch ihre Expertise zur Entwicklung neuer Standards beitragen.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Koo und Austrian Standards schafft eine wichtige Brücke zwischen der nationalen und europäischen Ebene. Austrian Standards als nationale Normungsorganisation kann durch diese Vernetzung österreichische Positionen besser in die europäischen Diskussionen einbringen und gleichzeitig internationale Entwicklungen schneller an die heimischen Unternehmen weitergeben.
Diese Kooperation ist besonders wertvoll, da Normung heute kaum noch rein national stattfindet. Die meisten technischen Normen entstehen in internationalen Gremien und werden dann als nationale Standards übernommen. Eine starke Vertretung auf europäischer Ebene ist daher für die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen von entscheidender Bedeutung.
In seiner neuen Rolle wird Koo verschiedene aktuelle Herausforderungen angehen müssen. Die Digitalisierung verändert Normungsprozesse grundlegend und eröffnet neue Möglichkeiten der Beteiligung, stellt aber auch neue Anforderungen an die technische Ausstattung und das Know-how der Unternehmen.
Gleichzeitig gewinnen Nachhaltigkeitsaspekte in der Normung an Bedeutung. Der European Green Deal der EU hat weitreichende Auswirkungen auf technische Standards, und KMU benötigen Unterstützung beim Umgang mit diesen neuen Anforderungen.
Die Ernennung von Lukas Koo zum SBS-Vizepräsidenten ist ein wichtiger Schritt, um österreichische und europäische KMU in diesen Transformationsprozessen zu unterstützen und ihre Stimme in den relevanten Entscheidungsgremien zu stärken.