Besonders Jugendliche und Frauen betroffen - AMS verstärkt Betreuungsangebote
Die Arbeitslosenquote in Niederösterreich klettert auf 6,9 Prozent. 48.055 Menschen suchen einen Job, vor allem junge Arbeitskräfte benötigen intensive Hilfe.
Die Arbeitsmarktsituation in Niederösterreich hat sich im März 2026 weiter verschlechtert. Mit 48.055 arbeitslos vorgemerkten Personen verzeichnet das Arbeitsmarktservice (AMS) einen Anstieg von 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Inklusive Schulungsteilnehmern befinden sich derzeit 58.690 Menschen auf Jobsuche.
Die Arbeitslosenquote in Niederösterreich liegt aktuell bei 6,9 Prozent und damit um 0,4 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Österreichweit beträgt die Quote 7,5 Prozent, was einem leichten Anstieg von 0,1 Prozentpunkten entspricht. Diese Entwicklung zeigt, dass Niederösterreich trotz der schwierigen Lage noch besser dasteht als der bundesweite Durchschnitt.
Der Bestand an unselbständig Beschäftigten wird für Ende März auf 650.000 Personen geschätzt, was einen Rückgang von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Besonders betroffen sind männliche Arbeitnehmer mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 356.000 Beschäftigte, während die Beschäftigung bei Frauen mit 294.000 nahezu stabil blieb (+0,1 Prozent).
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei jungen Menschen. 4.828 Jugendliche sind beim AMS Niederösterreich arbeitslos vorgemerkt – ein Anstieg von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zusätzlich suchen 1.228 Personen eine Lehrstelle, was sogar einem drastischen Anstieg von 17,3 Prozent entspricht.
"Die Aufgabe des AMS ist, junge Menschen bei der Arbeits- oder Lehrstellenmarktintegration eine passende und wirksame Begleitung zu bieten", erklärt AMS NÖ-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern. Die Betreuung startet bereits ab dem ersten Tag der Vormerkung mit dem Ziel, dass möglichst alle Betroffenen spätestens drei Monate nach Vormerkungsbeginn einen passenden Lehr- oder Arbeitsplatz finden.
Trotz der angespannten Situation gibt es auch positive Nachrichten: 4.599 junge Menschen haben in den ersten drei Monaten des Jahres nach ihrer Vormerkung beim AMS einen Arbeitsplatz oder eine Lehrstelle gefunden. Durchschnittlich nutzen 4.408 Personen Schulungsangebote des AMS, wie beispielsweise die Qualifizierung im Zuge der überbetrieblichen Lehre.
Die Arbeitslosigkeit ist bei beiden Geschlechtern gestiegen, jedoch zeigt sich eine deutliche Diskrepanz: Bei Frauen stieg die Arbeitslosigkeit um 9,5 Prozent (+1.890 Personen), während der Anstieg bei Männern mit 2,5 Prozent (+637 Personen) moderater ausfiel. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Frauen in bestimmten Branchen und Bereichen stärker von wirtschaftlichen Verwerfungen betroffen sind.
Auch bei der Altersverteilung zeigen sich unterschiedliche Trends: Ältere Personen ab 50 Jahre weisen eine Steigerung der Arbeitslosigkeit von 5,7 Prozent (+950 Personen) auf. Personen im Haupterwerbsalter verzeichnen einen ähnlichen Anstieg von 5,6 Prozent (+1.361 Personen). Der Anstieg bei Jugendlichen fällt mit 4,7 Prozent vergleichsweise geringer aus.
Die Arbeitslosigkeit entwickelt sich je nach Wirtschaftsbereich sehr unterschiedlich. Besonders stark betroffen sind:
Moderatere Anstiege verzeichnen:
Eine positive Ausnahme bildet das Bauwesen mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 1,3 Prozent (-58 Personen).
Problematisch ist die Entwicklung bei den offenen Stellen: Mit 11.820 gemeldeten freien Stellen beim AMS ist ein deutlicher Rückgang von 15,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Besonders dramatisch zeigt sich die Situation am Lehrstellenmarkt mit 969 offenen Lehrstellen – ein Rückgang von 18,3 Prozent.
Starke Rückgänge bei offenen Stellen sind vor allem in folgenden Bereichen zu beobachten:
Arbeitsmarkt-Landesrätin Susanne Rosenkranz sieht trotz der Herausforderungen weiterhin Potenzial: "Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen zeigt sich am niederösterreichischen Arbeitsmarkt weiterhin ein Beschäftigungspotenzial. Viele offene Stellen konnten bereits erfolgreich mit geeigneten Arbeitskräften besetzt werden, gleichzeitig bleibt der Bedarf der Betriebe grundsätzlich hoch."
Das Land Niederösterreich setzt gezielt auf Qualifizierungs- und Weiterbildungsangebote, um Beschäftigte dabei zu unterstützen, neue berufliche Perspektiven zu erschließen und ihre Kompetenzen auszubauen. "Eine fundierte Aus- und Weiterbildung bleibt der entscheidende Schlüssel für langfristige Beschäftigung und finanzielle Eigenständigkeit", betont Rosenkranz.
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass der niederösterreichische Arbeitsmarkt vor erheblichen Herausforderungen steht. Besonders die Situation der Jugendlichen und die sinkende Zahl offener Stellen erfordern verstärkte Anstrengungen von Politik und Wirtschaft. Das AMS hat bereits reagiert und seine Betreuungsangebote intensiviert, um den betroffenen Personen schnellstmöglich zu einer neuen beruflichen Perspektive zu verhelfen.
Die Kombination aus gezielten Qualifizierungsmaßnahmen, intensiver Betreuung und der Unterstützung von Unternehmen bei der Personalsuche soll dazu beitragen, die Arbeitslosenzahlen mittelfristig wieder zu senken und die Beschäftigungschancen aller Altersgruppen zu verbessern.