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EU-Parlament stimmt über Verbot von "Nudifier"-Apps ab

Grüne fordern Stopp digitaler Gewalt durch KI-Anwendungen

26. März 2026 um 10:31
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Das EU-Parlament entscheidet heute über ein Verbot von KI-Apps, die "Deepnudes" erstellen. Österreichische Grüne sehen dringenden Handlungsbedarf.

Das Europäische Parlament steht heute vor einer wegweisenden Entscheidung im Kampf gegen digitale Gewalt: Die Abgeordneten stimmen über ein umfassendes Verbot von KI-Anwendungen ab, die zur Erstellung sogenannter "Deepnudes" missbraucht werden können. Diese kontroverse Technologie ermöglicht es, Personen auf Bildern digital zu entkleiden, ohne deren Zustimmung.

Initiative der Grünen gegen digitale Gewalt

Das heute zur Abstimmung stehende Verbot geht auf eine Initiative der Grünen/EFA-Fraktion zurück, die seit Monaten für strengere Regulierung von KI-Anwendungen kämpft. Die österreichischen Grünen-Politiker Lena Schilling und Süleyman Zorba sehen in der heutigen Abstimmung einen entscheidenden Moment für den Schutz der Grundrechte im digitalen Raum.

"Nudifier-Apps sind digitale Gewalt und sie treffen vor allem Frauen und Kinder", erklärt Lena Schilling, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Grünen/EFA. Die Politikerin betont die schwerwiegenden Auswirkungen dieser Technologie auf die Betroffenen: "KI-Tools, die Menschen auf Knopfdruck entkleiden und Fake-KI-'Pornos' erstellen, greifen massiv in Würde, Sicherheit und Privatsphäre ein."

Prominente Fälle verdeutlichen das Problem

Als aktuelles Beispiel für die Brisanz des Themas führt Schilling den Fall der deutschen Moderatorin Collien Fernandes an, die kürzlich Opfer solcher digitaler Manipulation wurde. Dieser "schockierende Fall" verdeutliche eindrücklich, wie KI-Technologie zur Verletzung der Persönlichkeitsrechte missbraucht werden könne.

Die Problematik beschränkt sich jedoch nicht auf Einzelfälle. Wie Süleyman Zorba, Digitalsprecher der Grünen, betont, entwickelt sich die missbräuchliche Nutzung von KI-Tools zur "Massenerscheinung". Als Beispiel nennt er die Plattform Grok, die nur eines von vielen verfügbaren Tools darstellt, mit denen solche manipulierten Inhalte erstellt werden können.

Schutz von Frauen und Kindern im Fokus

Besonders alarmierend ist laut den Grünen-Politikern, dass diese Form der digitalen Gewalt überwiegend Frauen und Kinder betrifft. "KI-Tools, die Menschen ohne ihre Zustimmung entblößen oder sexualisierte Gewalt nachstellen, haben in Europa nichts verloren", stellt Zorba unmissverständlich klar.

Die Auswirkungen solcher Angriffe gehen weit über die unmittelbare Verletzung der Privatsphäre hinaus. Betroffene leiden häufig unter psychischen Belastungen, sozialer Stigmatisierung und können in ihrer beruflichen und privaten Entwicklung nachhaltig geschädigt werden. Besonders problematisch ist, dass sich die erstellten Bilder und Videos unkontrolliert im Internet verbreiten und kaum wieder entfernt werden können.

Verantwortung der Anbieter

Ein zentraler Kritikpunkt der Grünen richtet sich gegen die bisherige Praxis der Anbieter, sich der Verantwortung zu entziehen. "Es ist völlig inakzeptabel, dass Anbieter sich bisher aus der Verantwortung ziehen konnten", kritisiert Schilling. Das geplante Verbot würde erstmals klare rechtliche Grenzen ziehen und Anbieter solcher Technologien zur Rechenschaft ziehen.

Viele der problematischen Apps werden derzeit in rechtlichen Grauzonen betrieben oder nutzen Schlupflöcher in der bestehenden Gesetzgebung. Ein EU-weites Verbot würde diese Lücken schließen und einheitliche Standards für alle Mitgliedsstaaten schaffen.

Nationale Umsetzung als Herausforderung

Während die EU-Ebene ihre "Hausaufgaben" mache, sehen die österreichischen Grünen jedoch Defizite bei der nationalen Umsetzung. Zorba kritisiert, dass Staatssekretär Alexander Pröll noch immer keine nationale KI-Behörde bestimmt habe, die für die Durchsetzung des Verbots notwendig wäre.

"Die Frist dafür ist aber schon im August 2025 verstrichen", moniert Zorba. Diese Verzögerung könnte die Wirksamkeit des EU-weiten Verbots in Österreich beeinträchtigen, da ohne entsprechende nationale Strukturen die Durchsetzung und Kontrolle erschwert wird.

Technische Entwicklung und Regulierung

Die rasante Entwicklung von KI-Technologien stellt Regulierungsbehörden weltweit vor große Herausforderungen. Was vor wenigen Jahren noch science fiction war, ist heute mit einfachen Apps und wenig technischem Aufwand möglich. Die sogenannten "Nudifier"-Apps nutzen fortgeschrittene Algorithmen des maschinellen Lernens, um realistische, aber gefälschte Bilder zu erstellen.

Experten warnen, dass die Qualität solcher Fälschungen kontinuierlich zunimmt und es für Laien immer schwieriger wird, manipulierte von echten Inhalten zu unterscheiden. Dies verstärkt das Schadenspotenzial für die Betroffenen und erschwert gleichzeitig die Aufklärung und rechtliche Verfolgung.

Internationale Dimension des Problems

Das Problem der missbräuchlichen KI-Nutzung beschränkt sich nicht auf Europa. Weltweit kämpfen Regulierungsbehörden mit ähnlichen Herausforderungen. Ein EU-weites Verbot könnte jedoch Signalwirkung für andere Regionen haben und internationalen Druck auf Anbieter solcher Technologien ausüben.

Besonders wichtig ist dabei die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, da viele der problematischen Dienste von Servern außerhalb der EU betrieben werden. Das geplante Verbot würde jedoch auch solche Anbieter betreffen, wenn sie ihre Dienste in der EU anbieten oder EU-Bürger als Zielgruppe haben.

Aufruf an alle Abgeordneten

Angesichts der Tragweite der heutigen Entscheidung appellieren Schilling und Zorba eindringlich an alle Abgeordneten des Europäischen Parlaments: "Heute geht es um nichts Geringeres als den Schutz von Würde und Grundrechten im digitalen Raum. Wir appellieren an alle Abgeordneten, diesem Verbot zuzustimmen."

Die beiden Politiker betonen, dass diese Abstimmung weitreichende Konsequenzen für die Zukunft des digitalen Raums in Europa haben wird. Ein Verbot würde nicht nur konkrete Schutzmaßnahmen schaffen, sondern auch ein wichtiges Signal für die Priorität von Menschenrechten gegenüber technologischen Möglichkeiten setzen.

Langfristige Perspektiven

Unabhängig vom Ausgang der heutigen Abstimmung wird das Thema digitale Gewalt und KI-Regulierung die politische Agenda weiterhin bestimmen. Die rasante technologische Entwicklung erfordert kontinuierliche Anpassungen der Rechtslage und neue Ansätze im Umgang mit den Herausforderungen der Digitalisierung.

Zorba betont abschließend die Dringlichkeit weiterer Maßnahmen: "Dieses Verbot ist längst überfällig. Frauen und Kinder müssen endlich wirksam vor dieser Form von digitaler Gewalt geschützt werden." Die heutige Abstimmung könnte einen wichtigen Meilenstein auf diesem Weg darstellen und Standards für den Umgang mit problematischen KI-Anwendungen setzen, die weit über Europa hinaus Beachtung finden werden.

Schlagworte

#EU-Parliament#Digitale Gewalt#KI-Regulierung#Grüne#Deepfakes#Datenschutz

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