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NEOS fordern radikale ORF-Reform und Ende des Politikeinflusses

Parlamentsdebatte zeigt dringenden Reformbedarf beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf

25. März 2026 um 14:11
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Die pinke Partei kritisiert die anhaltenden Probleme in der ORF-Führung und fordert transparente Strukturen ohne politische Einflussnahme.

Die anhaltenden Turbulenzen rund um die Führung des ORF haben am Donnerstag zu einer hitzigen Debatte im österreichischen Nationalrat geführt. Die NEOS nutzen die Gelegenheit, um ihre Forderungen nach einer umfassenden Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu bekräftigen und werfen anderen Parteien vor, den ORF für eigene politische Zwecke instrumentalisieren zu wollen.

Strukturelle Probleme im ORF

NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter macht in ihrer Wortmeldung deutlich, dass der ORF in einer "tiefen Krise" stecke. "Wir brauchen eine umfassende Reform, die sicherstellt, dass alte Strukturen und Denkmuster endgültig gebrochen werden", so Brandstötter. Besonders kritisch sieht sie die internen Probleme: "Es gibt im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein strukturelles Problem mit Mobbing, Bossing und sexuellen Übergriffen. Damit muss endlich Schluss sein."

Diese Aussagen verweisen auf eine Serie von Skandalen und Vorwürfen, die den ORF in den vergangenen Monaten erschüttert haben. Von Mobbing-Vorwürfen bis hin zu Konflikten in der Führungsebene – die interne Situation beim größten Medienunternehmen des Landes scheint angespannt.

Transparente Bestellungsverfahren als erster Schritt

Trotz der Kritik sehen die NEOS auch positive Entwicklungen. Brandstötter verweist auf bereits erreichte Verbesserungen: "Die Koalition hat nun ein transparentes, offenes und nicht diskriminierendes Bestellungsverfahren für künftige ORF-Generaldirektorinnen und -direktoren gesetzlich verankert."

Der Unterschied zu früher sei beträchtlich: "Früher konnten Stiftungsratsmitglieder innerhalb von knapp zwei Wochen entscheiden, wen sie bevorzugen – ohne transparentes Verfahren, ohne öffentliche Anhörung." Nun beträge die Ausschreibungsfrist dreieinhalb Monate, was mehr Zeit für einen ordentlichen Auswahlprozess schaffe.

Kritik am ORF-Stiftungsrat

NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos richtet seinen Fokus auf die Verantwortung des ORF-Stiftungsrats. Das oberste Kontrollorgan des ORF steht bereits seit längerem in der Kritik, zu stark von politischen Interessen beeinflusst zu sein. Hoyos' Forderung ist eindeutig: "Die Politik muss raus aus dem ORF. Nur so schaffen wir ein System, das frei von politischer Einflussnahme ist."

Konkret nimmt er die "aktuell handelnden Personen an der Spitze des Stiftungsrats" in die Pflicht. Falls diese "aufgrund ihrer Parteinähe oder persönlicher Interessen nicht imstande sind, einen transparenten und gesetzeskonformen Prozess zu gewährleisten, dann müssen sie den Platz frei machen."

Scharfe Kritik an der FPÖ

Besonders hart geht NEOS-Klubobmann Yannick Shetty mit der FPÖ ins Gericht. Er wirft der Freiheitlichen Partei vor, nicht wirklich an einer Entpolitisierung des ORF interessiert zu sein: "Die FPÖ will den ORF nicht entpolitisieren. Sie will ihn blau einfärben."

Als Beispiel für diese vermeintliche Doppelzüngigkeit führt Shetty die Personalie Peter Westenthaler an: "Die FPÖ redet von Entparteipolitisierung und schickt gleichzeitig Peter Westenthaler in den Stiftungsrat. Das ist, als würde man einen Alligator in einen Streichelzoo schicken und sagen: 'Der will nur spielen'."

Westenthaler, ehemaliger FPÖ-Politiker und später BZÖ-Obmann, sitzt als FPÖ-naher Vertreter im ORF-Stiftungsrat. Seine Bestellung wird von Kritikern als Beispiel für die anhaltende Politisierung des Gremiums gesehen.

Auswirkungen auf Mitarbeiter und Öffentlichkeit

Shetty betont auch die negativen Auswirkungen der anhaltenden Konflikte: "Diese tägliche Schlammschlacht zerstört den Ruf des ORF – auf Kosten der einfachen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der unabhängigen Redaktionen." Das "Schauspiel" widere ihn an und sei "grauslich".

Diese Worte spiegeln eine weit verbreitete Sorge wider: Die ständigen Auseinandersetzungen in der ORF-Führung könnten das Vertrauen der Öffentlichkeit in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk untergraben. Gleichzeitig leiden darunter auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die täglich ihrer journalistischen Arbeit nachgehen wollen.

Warnung vor ungarischem Modell

In seiner Schlussfolgerung warnt Shetty vor einer Entwicklung nach ungarischem Vorbild. Dort hat Ministerpräsident Viktor Orbán die Medienlandschaft weitgehend unter staatliche Kontrolle gebracht. "Es liegt nun an allen Parteien im Nationalrat, die ORF-Reform so umzusetzen, dass ein Umbau nach dem Vorbild Viktor Orbáns verhindert wird."

Die NEOS positionieren sich damit klar: "Wir NEOS wollen den ORF umfassend reformieren, ohne ihn zu zerstören und ohne ihn politisch einzufärben." Dies sei der entscheidende Unterschied zu anderen politischen Kräften, die angeblich eigene Interessen verfolgen würden.

Österreichweite Bedeutung der ORF-Reform

Die Diskussion um die ORF-Reform geht weit über parteipolitische Grabenkämpfe hinaus. Der ORF ist nicht nur der größte Medienkonzern Österreichs, sondern auch ein wichtiger kultureller und gesellschaftlicher Faktor. Seine Programme erreichen Millionen von Österreicherinnen und Österreichern täglich.

Eine Reform des ORF betrifft daher verschiedene Bereiche: von der Nachrichtenberichterstattung über Unterhaltung bis hin zur Kultur- und Bildungsarbeit. Gleichzeitig geht es um die Finanzierung durch die GIS-Gebühren und die Frage, wie ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk im digitalen Zeitalter aufgestellt sein sollte.

Internationale Vorbilder für öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Bei der Suche nach Reformmodellen können österreichische Politiker auf verschiedene internationale Beispiele blicken. Die BBC in Großbritannien gilt trotz gelegentlicher Kontroversen als Beispiel für relative Unabhängigkeit. In Deutschland haben ARD und ZDF komplexe, aber weitgehend von direkter politischer Einflussnahme geschützte Strukturen entwickelt.

Das Ziel einer Reform müsste sein, ein System zu schaffen, das sowohl demokratische Kontrolle als auch redaktionelle Unabhängigkeit gewährleistet. Die Herausforderung liegt darin, die richtige Balance zwischen öffentlicher Rechenschaftspflicht und journalistischer Autonomie zu finden.

Ausblick auf weitere Entwicklungen

Die Debatte im Nationalrat zeigt, dass die ORF-Reform ein Thema bleiben wird, das die österreichische Politik weiter beschäftigen wird. Die verschiedenen Parteien haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie ein reformierter ORF aussehen sollte.

Während die NEOS auf eine Entpolitisierung setzen, haben andere Parteien möglicherweise andere Prioritäten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es gelingt, einen parteiübergreifenden Konsens für eine Reform zu finden, die dem öffentlich-rechtlichen Auftrag des ORF gerecht wird.

Fest steht: Der österreichische Rundfunk steht vor wichtigen Weichenstellungen. Die Art, wie diese Reform umgesetzt wird, wird nicht nur die Zukunft des ORF bestimmen, sondern auch die Medienlandschaft Österreichs insgesamt prägen.

Schlagworte

#ORF#Medienreform#NEOS#Nationalrat#Österreich

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