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KV-Verhandlungen im Finanzsektor stocken weiterhin

Gewerkschaft GPA kritisiert Blockadehaltung der Arbeitgeber trotz Rekordergebnissen

24. März 2026 um 09:30
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Nach drei ergebnislosen Verhandlungsrunden starten Betriebsversammlungen. 68.000 Angestellte warten auf faire Gehaltserhöhungen.

Die Kollektivvertragsverhandlungen für die rund 68.000 Angestellten des österreichischen Finanzsektors sind weiterhin festgefahren. Auch in der dritten Verhandlungsrunde am 23. März konnten sich Gewerkschaft GPA und Arbeitgeber nicht auf eine Gehaltserhöhung einigen. Die Arbeitgeberseite weigert sich nach wie vor, ein konkretes Angebot zur Abgeltung der Inflation vorzulegen, obwohl die Branche Rekordergebnisse verzeichnet.

Gewerkschaft kritisiert fehlende Wertschätzung

Wolfgang Pischinger, Chefverhandler der Gewerkschaft GPA und Zentralbetriebsrat der OBERBANK, zeigt sich enttäuscht über die Haltung der Arbeitgeber. "Alle Kennzahlen bestätigen uns, dass der Finanzsektor jedenfalls in der Lage ist, die Teuerung abzugelten und die Kaufkraft zu stärken", betont Pischinger. Besonders kritisch sieht er, dass trotz der herausragenden Branchenergebnisse nach drei Verhandlungsrunden nicht einmal ein Angebot auf dem Tisch liegt.

"Das ist das Gegenteil von Wertschätzung für alle Kolleginnen und Kollegen, die den Erfolg des Finanzsektors überhaupt erst möglich machen", so der Gewerkschafter weiter. Die Blockadehaltung der Arbeitgeber stehe in krassem Gegensatz zu den wirtschaftlichen Erfolgen der Branche.

Inflationsabgeltung kategorisch abgelehnt

Anita Palkovich, ebenfalls Verhandlerin der Gewerkschaft GPA, kritisiert insbesondere die pauschale Absage einer Inflationsabgeltung durch die Arbeitgeberseite. "Die herausragende Branchenentwicklung wird zu wenig gewürdigt, während man sich hinter schwachen Kennzahlen anderer Branchen versteckt", bemängelt Palkovich. Diese Haltung werde weder der Realität des Finanzsektors noch der Leistung der Beschäftigten gerecht.

Die Gewerkschaftsvertreterin betont, dass von Arbeitnehmerseite bereits zahlreiche konstruktive Vorschläge eingebracht wurden, etwa zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. "Doch nun liegt es an den Arbeitgebern, endlich den Weg für eine konstruktive Lösung freizumachen – und das bedeutet ein faires Angebot zur Erhöhung der Gehälter", fordert Palkovich.

Betriebsversammlungen als nächster Schritt

Als Reaktion auf die stockenden Verhandlungen hat die Gewerkschaft GPA angekündigt, noch in dieser Woche Betriebsversammlungen in ganz Österreich zu organisieren. In diesen Versammlungen sollen die Beschäftigten über den aktuellen Verhandlungsstand informiert und weitere Maßnahmen beraten werden.

"Wir werden die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben über den aktuellen Verhandlungsstand informieren und gemeinsam über weitere Maßnahmen beraten", kündigen Pischinger und Palkovich gemeinsam an. Sollten die Arbeitgeber weiterhin an ihrer ablehnenden Haltung festhalten, werde auch die Gewerkschaft den Druck erhöhen müssen.

Finanzsektor mit herausragenden Ergebnissen

Der österreichische Finanzsektor kann auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurückblicken. Banken und Versicherungen verzeichneten teilweise Rekordgewinne, was die Argumentation der Gewerkschaft für eine angemessene Gehaltserhöhung stützt. Die Beschäftigten der Branche haben maßgeblich zu diesem Erfolg beigetragen und erwarten nun eine faire Beteiligung an den positiven Entwicklungen.

Die Teuerungsrate in Österreich liegt weiterhin auf einem hohen Niveau, was die Kaufkraft der Arbeitnehmer erheblich belastet. Eine Abgeltung der Inflation wäre daher nicht nur berechtigt, sondern auch wirtschaftlich verkraftbar für die erfolgreiche Finanzbranche.

Weitere Verhandlungsrunde geplant

Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 7. April angesetzt. Bis dahin werden die Betriebsversammlungen stattfinden, in denen die Beschäftigten über mögliche weitere Schritte entscheiden werden. Die Gewerkschaft GPA hofft, dass die Arbeitgeber bis zu diesem Termin ihre Haltung überdenken und endlich ein konstruktives Angebot vorlegen werden.

Hintergrund zu den KV-Verhandlungen

Die Kollektivvertragsverhandlungen im Finanzsektor betreffen rund 68.000 Angestellte in Österreich. Dazu zählen Beschäftigte von Banken, Versicherungen und anderen Finanzdienstleistern. Die Verhandlungen finden jährlich statt und regeln neben den Gehaltserhöhungen auch andere Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Urlaubsansprüche und Sozialleistungen.

In den vergangenen Jahren konnten meist Einigungen erzielt werden, die sowohl den wirtschaftlichen Gegebenheiten als auch den Bedürfnissen der Beschäftigten Rechnung trugen. Die aktuelle Blockadehaltung der Arbeitgeber stellt daher eine ungewöhnliche Situation dar, die möglicherweise zu Arbeitskampfmaßnahmen führen könnte.

Ausblick auf weitere Entwicklungen

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Arbeitgeber ihre Position überdenken oder ob es zu einer Eskalation des Konflikts kommt. Die geplanten Betriebsversammlungen werden ein wichtiger Indikator für die Stimmung unter den Beschäftigten sein und könnten den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöhen.

Sollte auch die vierte Verhandlungsrunde am 7. April erfolglos bleiben, sind weitere Maßnahmen der Gewerkschaft zu erwarten. Die GPA hat bereits angekündigt, den Druck zu erhöhen, was verschiedene Formen von Arbeitskampfmaßnahmen bedeuten könnte.

Schlagworte

#Kollektivvertrag#Finanzsektor#Gewerkschaft#Gehaltsverhandlungen#GPA

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