124 Kilometer spiritueller Wanderweg zwischen Stift Zwettl und Stiftspfarren
Ein neuer 124 Kilometer langer Pilgerweg im Waldviertel verbindet zehn Stiftspfarren und soll zur Entschleunigung und regionalen Wertschöpfung beitragen.
Das Waldviertel bekommt einen neuen spirituellen Wanderweg: Der "Bernhardiweg im Waldviertel – Gönne dich dir selbst!" soll Pilger und Wanderbegeisterte auf eine 124 Kilometer lange Reise durch die niederösterreichische Region mitnehmen. Das ambitionierte Projekt der LEADER-Region Waldviertler Grenzland verbindet ausgehend vom Stift Zwettl zehn Stiftspfarren in fünf Gemeinden miteinander.
"Mit dem Bernhardiweg wird ein neues touristisches Angebot geschaffen, das die Attraktivität des Waldviertels als Pilgerdestination erhöht", erklärt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. "Dadurch kann die regionale Wertschöpfung gestärkt werden und somit können wir die beste Zukunft für unsere Kinder aktiv mitgestalten."
Der Name des Pilgerwegs ist programmatisch gewählt: Er orientiert sich am Wirken des Heiligen Bernhard von Clairvaux, dessen Motto "Gönne dich dir selbst" den Leitgedanken für den gesamten Rundweg bildet. Dieser spirituelle Ansatz verbindet sich mit einer modernen Einladung zur Selbstfürsorge und bewussten Reflexion – ein Konzept, das in unserer hektischen Zeit besondere Relevanz gewinnt.
Der als Rundweg konzipierte Bernhardiweg nutzt bestehende Wanderwege und führt Pilger durch die charakteristische Landschaft des Waldviertels. Auf insgesamt 124,46 Kilometern und 1.846 Höhenmetern durchqueren Wanderer Wälder, Flusstäler und die typischen Hügellandschaften der Region.
"Neben der touristischen Bedeutung hebt das Projekt auch die Vielfalt an Freizeitmöglichkeiten in den Bereichen Natur, Kultur und Kulinarik hervor", schildert Thomas Bauer, Geschäftsführer der Destination Waldviertel GmbH. Das Projekt trage "mit einem aktiven 'miteinander-füreinander' zur Lebensqualität in der gesamten Region und darüber hinaus bei."
Entlang des Weges sollen besondere Orte der Einkehr entstehen – Stationen für persönliche Besinnung und spirituelle Impulse. Diese laden Besuchende gezielt dazu ein, zur Ruhe zu kommen und sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen. Das Konzept der Entschleunigung steht dabei im Mittelpunkt der Pilgererfahrung.
"Wir möchten den Gästen ein intensives und authentisches Erlebnis bieten, das Achtsamkeit und Bewegung in den Mittelpunkt stellt", erklärt Josef Schaden, Obmann der LEADER-Region Waldviertler Grenzland und Bürgermeister der Gemeinde Schweiggers. Durch sein Gemeindegebiet wird eine Etappe des Bernhardiweges führen.
Der Pilgerweg soll jedoch nicht nur spirituelle Erfahrungen ermöglichen, sondern auch die kulturelle und landschaftliche Vielfalt der Region präsentieren. Pilger haben die Möglichkeit, regionale Kulinarik kennenzulernen und lokale Gastgeber zu entdecken. Dies stärkt nicht nur die regionale Identität, sondern schafft auch wirtschaftliche Impulse für die lokale Bevölkerung.
Die Route verbindet verschiedene Stiftspfarren miteinander und schafft so ein Netzwerk spiritueller Orte, das die jahrhundertealte Klostertradition der Region erlebbar macht. Das Stift Zwettl als Ausgangspunkt unterstreicht die historische Bedeutung monastischer Kultur im Waldviertel.
Die Finanzierung des ambitionierten Projekts erfolgt über mehrere Ebenen: Die LEADER-Region Waldviertler Grenzland hat das Vorhaben gemäß ihrer lokalen Entwicklungsstrategie zur Förderung ausgewählt. Unterstützt wird es durch Land, Bund und die Europäische Union.
Das Land Niederösterreich hat die Unterstützung aus Mitteln des GAP-Strategieplans Österreich 2023-2027 und der ecoplus Regionalförderung auf Initiative von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner beschlossen. Diese Förderstruktur zeigt die Bedeutung, die dem Projekt für die regionale Entwicklung beigemessen wird.
Die Projektrealisierung ist bis Ende 2027 geplant. In dieser Zeit sollen nicht nur die Wegmarkierungen und Besinnungsstationen entstehen, sondern auch die notwendige Infrastruktur für Pilger entwickelt werden. Dazu gehören Übernachtungsmöglichkeiten, Verpflegungsangebote und Informationsmaterial.
Der Bernhardiweg fügt sich in die wachsende Bedeutung des Pilgertourismus in Österreich ein. Während der Jakobsweg international bekannt ist, entstehen zunehmend auch regionale Pilgerwege, die lokale Geschichte und Spiritualität mit modernem Tourismus verbinden.
Für das Waldviertel, eine Region, die oft mit wirtschaftlichen Herausforderungen kämpft, könnte der Bernhardiweg wichtige touristische Impulse bringen. Pilgertourismus ist ein wachsender Markt, der oft auch in strukturschwächere Gebiete Besucher bringt und dabei nachhaltige Wirtschaftsimpulse setzt.
Die Verbindung verschiedener Gemeinden durch den Rundweg schafft Synergien und kann zur Stärkung der gesamten Region beitragen. Lokale Gastronomiebetriebe, Beherbergungsunternehmen und Handwerker profitieren von den zusätzlichen Besuchern.
Der Bernhardiweg antwortet auf ein wachsendes gesellschaftliches Bedürfnis nach Entschleunigung und spiritueller Erfahrung. In einer Zeit, in der Stress und Hektik den Alltag vieler Menschen prägen, bietet das Pilgern eine Möglichkeit zur bewussten Auszeit.
Das Motto "Gönne dich dir selbst" spricht dabei eine zeitgemäße Sprache und verbindet christliche Spiritualität mit modernen Konzepten der Selbstfürsorge und Achtsamkeit. Diese Kombination könnte den Bernhardiweg für ein breites Publikum attraktiv machen – von traditionellen Pilgern bis hin zu Menschen, die einfach eine bewusste Auszeit in der Natur suchen.
Mit der geplanten Fertigstellung bis 2027 wird das Waldviertel um eine bedeutende touristische Attraktion reicher sein, die sowohl spirituelle als auch wirtschaftliche Impulse für die Region verspricht.